Interview mit Elias Matt zur 4. Songwriters Night

Wenn an einem Novemberabend im Theatersaal der „Freiheit Fünfzehn“ das Saallicht aus- und das Publikum in feierliche Ruhe übergeht, um den Songs und Stimmen der Künstler auf der Bühne zu lauschen, dann hat es ein kleines Stück ambitionierte Köpenicker Kulturarbeit wieder geschafft.
Es geht an diesem Abend um Songs und nicht minder um Künstler dahinter, um einen Abend zum Zuhören. Es gab Weltklassekünstler bei dieser Konzertreihe, wie Allan Taylor und Julian Dawson aus England, Kieran Goss aus Irland, den Amerikaner John Vaughan mit Joe Kucera und bei der vierten Auflage im November 2007 kam Katharina Franck von den früheren Rainbirds. Dazu spielten nicht weniger wichtige Künstler der Region, die sich dem international orientierten Songmachertum zuordnen lassen, allesamt Künstler, die Liebhaber sensibler Songmusik begeistern und die es in der Region vorher zumeist noch nie zu hören gab.
Diese Köpenicker Songwriters Night hat ihren Ursprung in Friedrichshagen bei Elias Matt, der seit vier Jahren hinter dieser Idee und dieser Veranstaltung steckt.

MB: Wie war’s in diesem Jahr?
EM: Jedes Jahr neige ich wieder dazu zu sagen, dass es diesmal die beste „Songwriters Night“ war. Es war eben nach all der Arbeit und den anstrengenden Situationen im Vorfeld wieder eine wundervolle Konzertnacht. Katharina Franck hat mit ihrem Gitarristen ein Akustikkonzert auf schwindelerregend hohem Niveau gespielt, und das recht innovativ. John Vaughan und Saxofonist Joe Kucera waren ebenso einzigartig und brachten ebenfalls die Weltklasse auf die Bühne, die ich mir für die Veranstaltung wünsche.

MB: Wie kam es zur Idee der Köpenicker Songwriters Night?
EM: Im Jahr 2003 habe ich bei Konzerten und Festivals, vor allem im Westteil der Republik, die besondere weltgewandte Stimmung der Szene der englischsprachigen Sänger und Songschreiber kennengelernt, die viele Menschen hier in der Gegend gar nicht kennen. Ich habe mir gewünscht, dass einige dieser Künstler mal hierher in meinen Heimatstadtteil kommen, ebenso wie international denkende Künstler in der näheren Gegend, die sich an diesen Künstlern orientieren und oft leider noch wenig bekannt sind.

MB: Was ist mit all den Folkmusikern und Songschreibern, die es ja gerade hier in der Gegend auch schon gibt? Der Osten hat starke Liedermachertraditionen.
EM: Mir geht es nicht um Leute von „Hier“ oder „Dort“. Mir geht es um verschiedene künstlerische Facetten. Die Künstler, die ich meine, bringen einfach mal eine neue Klangfarbe in die Live-Musik-Szene in dieser Gegend. Sie haben Songs zu singen und Geschichten zu erzählen, die es hier in der Gegend noch nicht gab. Und zudem geht es, neben welterfahrenen älteren Songschreibern aus England, Irland und sonstwo, auch um die Förderung einer neuen sensiblen Songschreibergeneration, die nicht mit dem Begriff „Liedermacher“ aufgewachsen ist, sondern mit Bono, Morrissey, Damien Rice oder zeitlich ähnlich einzuordnenden Künstlern, die aber ebenfalls für geistreiche Songs jenseits des Popmülls stehen.

MB: Die Köpenicker Songwriters Night ist von finanzieller Unterstützung abhängig. Was ist dazu zu sagen?
EM: Brisante Frage. Künstler, die mit eher leisem und sensiblem Ansatz daherkommen, haben es bekanntlich schon immer schwerer, sich gegen kulturellen Massenkonsum der Partyhungrigen durchzusetzen, obwohl sie für unsere geistige Kultur wichtiger sind. Dazu ist die Förderung von Kultur erforderlich und von der Kulturpolitik auch angedacht. Die Förderung der Kultur und entsprechende Mittel liegen zum Beispiel in den Händen der Kulturämter. Ein Drama ist es nur, wenn sie zum Beispiel in den Händen von Menschen wie Peter Papst liegen, dem Leiter des Eventbüros Köpenick. Er scheint seine persönlichen Vorstellungen von der Ausübung seiner Funktion zu haben. Sein selbstgefälliges und respektloses Verhalten ist Ausdruck dafür, dass er an der Tatsache vorbeilebt, dass er in seiner Funktion im Rathaus dem Kulturleben des Bürgers verpflichtet ist und offizieller dialogbereiter Ansprechpartner für Veranstalter und Künstler im Bezirk Köpenick zu sein hat. Dies ist nicht nur seinen Auserwählten vorbehalten. Es gibt immer wieder Probleme, wenn irgendwo charakterlich fragwürdige Personen Entscheidungsgewalt über Geld und Vorgänge bekommen und die Möglichkeit haben, relativ unbeobachtet Netzwerke organisieren und verwalten zu können.

MB: Wie stellt sich Deine Erfahrung dar?
EM: Die Veranstaltung ist nun zum vierten Mal ein Erfolg geworden. Vor allem in Bezug auf die künstlerische und kulturpolitische Wirkung, die weit über die Bezirksgrenzen hinausreicht. Peter Papst hat es sich zur Selbstverständlichkeit werden lassen, dass er Anfragen und Gesprächsersuchen darüber ignoriert und jede Kommunikation verweigert. Aber nicht eingehaltene Absprachen und untransparente Geldtransfers möchte ich mich zunächst mal nicht weiter äußern. Vielleicht regt es aber einige Kulturleute im Bezirk an, sich über ähnliche Erfahrungen mit Peter Papst auszutauschen. Jedenfalls sollte ein kulturpolitisch wertvolles Veranstaltungskonzept, wie die Köpenicker Songwriters Night, nicht an Ignoranz und Arroganz solcher Egomanen scheitern, die ihre eigenen Regeln erfinden, weil sich eine nachrückende Generation von Kulturmachern noch nicht traut, von diesen Leuten korrekten Umgang und saubere Arbeit einzufordern. Die fachgerechte Beurteilung und Förderung von Kulturkonzepten ist schließlich keine freundliche Gönnergeste der Bezirksämter, sondern Bürgerrecht. Zum Thema Bezirksamt muss ich ausgleichenderweise erwähnen, dass Frau Thyrolph vom Fachbereich Kultur die 4. Köpenicker Songwriters Night im November durch kurzfristige Hilfe nahezu gerettet hat, obwohl es in die Zuständigkeit von Peter Papst fallen sollte, die Veranstaltung sicherzustellen.

MB: Köpenicker Songwriters Night 2008?
EM: Es sollte diese wertvolle Veranstaltung wieder geben. Ich schöpfe meine Motivation aus den bisher vier wundervollen Konzertabenden und der Zusammenarbeit mit großartigen Künstlern und den wichtigen Menschen, die mir das Gefühl vermitteln, etwas Gutes für Köpenick auf die Beine gestellt zu haben. Solange ich hier bin, bemühe ich mich um die Köpenicker Songwriters Night. Vielleicht sollten sich darüber hinaus einige bisher nicht begünstigte oder gekonnt ignorierte Kulturmacher mit guten Konzepten zusammentun und im Bezirksamt Gespräche über die Köpenicker Kultur forcieren.

MB: Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Jörn Paschke


Jörn Paschke

Ein Beitrag von Jörn Paschke

Maulbeerurgestein, begnadeter Layouter mit Spitzenideen und Hang zur Englischen Schreibschrift. Ist schuld am Maulbeerblatt Zitat: „Print ist Krieg!“