ganz grosser bahnhof

Während die Stuttgarter lieber verzichten, hätten die Berliner hier und da gerne ein bisschen mehr Bahnhof. Das Dach des Hauptbahnhofes könnte ruhig etwas länger sein, und der seit 2003 versprochene Regionalbahnhof in Köpenick lässt auch auf sich warten.

Nicht zu übersehen ist aber, dass seit dem Sommer neben dem Köpenicker S-Bahnhof abgerissen und gebaut wird. Kommt er denn jetzt, der Regionalbahnhof? Nein, wieder nicht. Auf engstem Raum sind hier drei Bauprojekte vorgesehen – zwei kleine und eben das bekannte große. Aber wer baut hier eigentlich was – und von welchem Geld?
Die beiden kleineren Vorhaben nehmen bereits Gestalt an. An der Ecke Elcknerplatz 2/ Bahnhofstras-se 25 errichtet ein privater Investor, nämlich die Hamburger B&L-Gruppe, ein Einkaufszentrum.

Das soll im Herbst 2012 fertig gestellt werden und mit 12-14 Ladengeschäften das Angebot des gegenüberliegenden Forum Köpenick ergänzen. Die Arbeiten daran laufen bereits.
Zukunftsmusik ist dagegen das zweite Projekt. Der Elcknerplatz zwischen S-Bahnhof und neuem Geschäftshaus soll umgestaltet werden. Momentan weist er aus Sicht der Stadtplaner verschiedene Mängel auf. Durch den Straßenverlauf bedingt in zwei Teile zerschnitten, lädt er nicht eben zum gemütlichen Kaffeetrinken ein. Sitzgelegenheiten fehlen, Fahrradstellplätze sucht man vergebens. Mit dem Umbau will man dem Elcknerplatz ein eigenes Gesicht geben, erklärt Frau Roterburg-Alemu, zuständig für Verkehrs- und Landschaftsplanung in Treptow-Köpenick. In so zentraler Lage müsse sichtbar sein, dass man in Köpenick ist, und nicht in Spandau. Die geplante Gestaltung des Platzes orientiert sich deshalb am historischen Vorbild. Um 1900 gab es hier noch eine Bahnhofschänke im Schatten hoher Bäume. Einen solchen Baumhain aus Blauglockenbäumen möchten die Köpenicker Stadtplaner wieder anlegen. Die Marktnutzung soll bestehen bleiben, ebenso die Taxistellplätze. Weil aber der Straßenverlauf korrigiert werden muss, fallen zugleich Arbeiten am Unterbau an. Die Entwässerung muss erneuert werden. Das Planfeststellungsverfahren ist abgeschlossen. Derzeit liegen die Bauplanungsunterlagen beim Senat der Stadt zur Prüfung, lautet die Auskunft des Tiefbauamtes dazu. Der Elcknerplatz soll aus dem Plätzeprogramm der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung finanziert werden. Eine entsprechende Zusage fehlt aber bislang, der Termin für den Baubeginn ist damit auf unbestimmte Zeit verschoben.
Aber werden diese beiden Projekte noch gebraucht, wenn das dritte – der Regionalbahnhof – scheitert?

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn
Die Bedarfsüberprüfung der Strecke im Jahr 2010 war positiv, ca. 3000 Fahrgäste wurden erwartet, sagt Gabriele Schmitz (SPD / Treptow-Köpenick). Auch auf der Webseite der Bahn ist der Umbau des S-Bahnhofes Köpenick zu einem Regionalbahnhof noch immer zu finden. Dennoch hat der Bund die Mittel für den Umbau vollständig gestrichen. Die Finanzierung sei derzeit offen, sagt Karin Kamitz (DB Großprojekte Nord). Die Bahn verhandle mit dem Land Berlin. Erst wenn die Finanzierungsvereinbarung von beiden Seiten unterzeichnet sei, könne das derzeit ruhende Planrechtverfahren weitergeführt werden.

Selbst wenn man zu einer Einigung komme, könne erst ab 2017 gebaut werden, weil der Ausbau der Strecke zwischen Erkner und Köpenick für 160 km/h Vorrang genieße.
„Die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick und das Bezirksamt setzten sich parteiübergreifend für den Regionalbahnhof Köpenick ein.“ teilt Gabriele Schmitz (SPD) mit. Die CDU Köpenick habe öffentlich gegen die Streichung der Mittel protestiert, erklärt Joachim Specht (CDU). Und Stefan Förster (FDP) fügt an „Die FDP Treptow-Köpenick unterstützt nachdrücklich die Errichtung des Regionalbahnhofs Köpenick, da er für die Bewohner eine gute Möglichkeit wäre, die Regionalbahnen zu nutzen, aber auch schneller in die Stadt zu kommen als mit der S-Bahn – zum normalen BVG-Tarif. “
Sie haben dabei prominente Unterstützung. „Die Berliner Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer hat sich für den Regionalbahnhof Köpenick stark gemacht und die Mittel für 2012/13 (Fertigstellung bis 2015) in den Berliner Haushalt eingestellt.“ sagt Gabriele Schmitz (SPD). „Wir hoffen, dass das neu gewählte Abgeordnetenhaus und der Senat die Mittel im Haushalt lassen.“
Es gibt jedoch auf der Landesebene nicht nur Befürworter. Die Landes-CDU, aber auch die haushalts- und verkehrspolitische Sprecherin der Linken Jutta Matuschek, befürworten den Erhalt des Regionalbahnhofes Karlshorst. Das ist eine Entscheidung gegen Köpenick. Auch die Bahn ist ein zäher Verhandlungspartner und an dem Projekt nicht mehr übermäßig interessiert. Das Argument liegt nahe: Wenn die Züge zwischen Erkner und Ostbahnhof weder in Karlshorst noch in Köpenick halten, verkürzt sich die Reisezeit beträchtlich.
Es bleibt abzuwarten, ob und wann sich der Berliner Senat und die Bahn auf eine Finanzierungsvereinbarung verständigen können. Im Anschluss müsste das Planfeststellungsverfahren zu Ende geführt werden. Ein Baubeginn zwischen 2015 und 2017 ist dann nicht unwahrscheinlich.

Und jetzt alle!
Die drei Baumaßnahmen sind voneinander unabhängig, auch wenn sie über die selben Behörden koordiniert werden. Auch wenn die konkrete Gestaltung des Elcknerplatzes mit Blick auf den Regionalbahnhof geplant wurde, ist sie aber nicht davon abhängig, sagt Frau Roterburg-Alemu. Man habe den Platz in jedem Falle verändern wollen. Der Hamburger Investor habe wiederum sein Engagement nicht daran gebunden, dass Bahnhof und Vorplatz entstehen. So werden der S-Bahnhof Köpenick und sein unmittelbares Umfeld länger als gedacht Baustelle bleiben.

Bildmaterial: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Mit freundlicher Genehmigung des Stadtplanungsamtes
Bild links: Blick vom Stellingdamm


Stefanie Fiebrig

Ein Beitrag von Stefanie Fiebrig

schreibt, fotografiert und designt. Von Zeit zu Zeit hat sie eine Idee. Angeblich war auch schon mal was Gutes dabei! Zitat: „Ich geh jetzt in mein Stadion.“