Blick auf den MüggelturmEs gibt Situationen im Leben, wo zwei Menschen dasselbe Ziel haben, aber sich nicht einig werden, auf welchem Wege sie es erreichen. Außenstehende schütteln da meist den Kopf, in diesem Fall die Treptow-Köpenicker; denn während die seit Jahren darauf hoffen, ein einladendes Ausflugslokal am Müggelturm vorzufinden, dort vielleicht etwas zu essen, einen Kaffee zu trinken und einfach ein paar Stunden zu verbringen, sind sich diejenigen, die das Lokal erstmal hinstellen müssen, nicht einig. Auf der einen Seite ist da die Unternehmensgruppe Matthias Große (UGMG), die gleichbedeutend ist mit eben Matthias Große, Fans des Eissports auch als „Freund von Pechi“ bekannt, der Eisläuferin Claudia Pechstein.

Auf der anderen Seite das Stadtentwicklungsamt und die Denkmalschutzbehörde von Treptow-Köpenick, derzeit vertreten von Stadtrat Rainer Hölmer (SPD). Und sowohl der Investor als auch der Bezirk haben ein großes Interesse, den Müggelturm wieder zu dem zu machen, was er früher war. Und die beiden Protagonisten können auch ganz gut miteinander. Eine Lösung des Konflikts ist also durchaus vorstellbar. Was die Sache aber nicht einfacher macht, sondern ihr eher etwa Tragisches verleiht. Immerhin: Den Turm selbst kann man besteigen und die Aussicht von den Müggelbergen genießen, jeden Tag und zu jeder Jahreszeit. Aber Kaffee und Ambiente, das gibt’s eben noch nicht.

Das Problem: Matthias Große hat keine Baugenehmigung. Obwohl – und da gehen die Schwierigkeiten los – er selbst sagt, er habe eine. Große nämlich hat den Müggelturm samt dem umliegenden 6.000 Quadratmeter großen Waldareal vom Liegenschaftsfonds erworben, als das Ganze noch dem Vorbesitzer Marc Förste, einem windigen Disco-Besitzer, gehörte. Obwohl die Rückabwicklung von Förstes Vertrag bereits lief, hat das Stadtentwicklungsamt Köpenick ihm noch eine Baugenehmigung erteilt, so dass Große sie übernehmen durfte. Das ist schwer zu verstehen, spielt zum Glück hier aber keine Rolle. Wichtig ist: Matthias Große übernahm den 29 Meter hohen Müggelturm Anfang Mai 2014 mit einer vermeintlich gültigen Baugenehmigung.

Damals, im Mai, herrschte noch eitel Sonnenschein. Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) befand: „Herr Große will keine Luftschlösser bauen, sondern einen soliden und schönen Ausflugsort für Berlin.“ Dieser sollte einen Imbiss mit Currywurst und Broiler bekommen, ein italienisches Restaurant. Veranstaltungen mit Sportlern und Tatort-Kommissaren waren geplant – und sind es immer noch.
Aber außer Aufräumarbeiten seitens des Investors ist nichts passiert. Große selbst will sich gegenüber der Presse prinzipiell nicht zum Müggelturm äußern. Er lässt aber ausrichten, warum er kein Wort sagen will: Das Ganze sei ein Politikum, wenn er eine gültige Baugenehmigung habe, gebe er eine Pressekonferenz. Als Große das erste Mal der Baubehörde Einblick in seine Pläne gewährte, haben die Mitarbeiter abgelehnt. Für diese Vorhaben, so wurde ihm beschieden, brauche er einen komplett neuen Bauantrag. Er selbst ist der Meinung, er brauche bloß einen Änderungsantrag. Beispiel Ausflugslokal: Große wollte die Terrasse als geschlossenen Bau, denn wenn er das Lokal nicht auch im Winter betreiben könne, rechne sich das Ganze nicht, war dann doch von der UGMG zu erfahren. Das Problem sei aber inzwischen aus der Welt, hieß es dort weiter.

Mit dem Denkmalschutz habe man sich inzwischen einigen können. Aber der Turm: Das Bauamt will einen behindertengerechten Aufgang, also hat Große einen Aufzug vorgeschlagen, der in seinen Außmaßen aber einem zweiten Turm gleichkommt. Sagt man seitens des Bezirks.

Dennoch: Bei den verschiedenen Vorstellungen sei man gar nicht so weit auseinander, meint Hölmer. Die eigentliche Schwierigkeit liegt wohl ganz woanders. „Herr Große ist ein Machertyp, der die Dinge in die Hand nimmt“. Das gefällt dem Stadtrat, da bewege sich wenigstens etwas. Aber der Investor, so ist herauszuhören, will zu viel in die Hand nehmen und Sachen, die er vom Gesetz her gar nicht anfassen darf. Auf alle Fälle braucht’s für den Bau des Müggelturms eine Baugenehmigung. „Die ist nach drei bis vier Monaten erstellt“, sagt Hölmer. Und Große hat einmal gesagt, für sein Vorhaben benötige er ein Jahr. Also trifft man sich zu Osten 2016 auf dem Müggelturm?

Für die Treptow-Köpenicker würde sich ein lang ersehnter Wunsch erfüllen.


Dietrich von Schell

Ein Beitrag von Dietrich von Schell

Sagt von sich selbst, dass er ein sonniges Gemüt hat. Seine journalistische Profession versteht er als Jäger- und Sammlertum: Fakten sammeln, für Geschichten auf die Jagd gehen. Zitat: (nach der Katastrophe) "Ist doch nischt passiert!"