Die Opfer leiden am längsten

Anfang Januar haben zwei Männer in Schönefeld eine Lidl-Filiale auf brutale Weise überfallen. Bis heute ist der Fall noch nicht aufgeklärt. Die zwei Angestellten des Discounters Lidl wurden kurz nach 21 Uhr von den Tätern mit einer Waffe bedroht und anschließend von ihnen gefesselt. Sie konnten sich erst wieder befreien, als die Täter bereits geflüchtet waren – zuvor wurde eine der Frauen mehrfach von den Tätern auf den Kopf geschlagen und musste nach Angaben der Polizei Brandenburg anschließend medizinisch versorgt werden. Die Täter machten sich nicht einmal die Mühe, sich mit Masken zu vermummen. Die Brutalität und Skrupellosigkeit, mit der sie vorgingen, entsetzte nicht nur die Opfer, sondern auch die Polizei. Mit Hubschraubern und Spürhunden fahndete die Polizei  nach den Männern, die zu Fuß in ein nahegelegenes Wohngebiet flüchteten, wo sich ihre Spur verliert. Die überfallene Lidl-Filiale in der Altglienicker Chaussee befindet sich unweit der Landesgrenze. Nicht zuletzt deshalb läuft die Fahndung nach den Tätern noch immer auf Hochtouren, wobei auch die Berliner Polizei mit den Brandenburger Behörden zusammenarbeitet. Über die Höhe der erbeuteten Summe gab das Unternehmen bisher keine Auskunft.

Schock und Hilflosigkeit der Opfer

Für das Unternehmen ist das nur ein vergleichsweise kleiner Schaden, der über die Versicherung abgedeckt werden wird. Die beiden Angestellten des Discounters jedoch werden eine ganze Weile mit dem Erlebten zu kämpfen haben. Solch ein brutaler Überfall am Arbeitsplatz, die Hilflosigkeit und die Misshandlung führen nicht selten zu psychischen Belastungen. Das Unternehmensprotokoll bietet den betroffenen in dem Fall psychologische Hilfe und die Möglichkeit den Arbeitsplatz zu wechseln. Die häufigsten Symptome von Überfallopfern sind nach Angaben der Diplompsychologin Karin Clemens von Humanprotect Schockzustände und tiefgreifende Traumata mit Schlafstörungen und Abwehrverhalten. Die lebensbedrohliche Situation hinterlässt weitaus tiefere Spuren als aufgebrochene Tresortüren. Wichtig ist es deshalb, mit den Opfern zu sprechen und ihnen nach dem Überfall zu erklären, wie die nächsten Tage ablaufen. Während die Opfer noch Zeit brauchen werden, um den Raubüberfall verarbeiten zu können, geht das normale Tagesgeschäft bei Lidl weiter. Schon am nächsten Tag war von dem brutalen Überfall in Schönefeld keine Spur mehr. Schützen kann man sich als Kunde oder als Einzelhändler nur bedingt. Videokameras können abschrecken, aber gewaltbereite Täter halten sie nur selten ab. Ist man einmal in einer Überfallsituation, sollte man möglichst Ruhe bewahren, keine gefahrbringende Gegenwehr leisten und die Fluchtwege nicht versperren. Der Schutz des Lebens und Gesundheit hat Vorrang. Hier geht es zu den Verhaltenstipps der Berliner Polizei.


Eric Ehlert

Ein Beitrag von Eric Ehlert

Abiturient aus Berlin Köpenick. Immer unterwegs um neue Dinge zu erleben. Zitat: "In der Ruhe liegt die Kraft".