Datenschutz

DatenschutzBahnchef Richard Lutz setzte sich im Mai heftig in die Nesseln, als er ankündigte, dass die Bahn digitaler werden sollte. Künftig sollten Tickets komplett überflüssig sein, denn die Züge sollten dank der flächendeckend in allen Klassen bestehenden Internetverbindung automatisch erkennen, wer wann und in den Zug ein- und aussteigt. Möglich sein sollte dies über die Internetverbindungen der Smartphones – vorausgesetzt natürlich, dass die Reisenden jeweils ein eigenes Gerät mit sich führen und auch tatsächlich die Netzverbindung aktiv ist. Die Abrechnung der Fahrtkosten sollte dann ebenfalls über das Smartphone erfolgen, alles automatisch.

Eine solche Ankündigung ist in Deutschland problematisch, reagiert man hier doch relativ sensibel auf das Thema Datenschutz. Dazu kommt, dass die Bahn erst wenige Tage zuvor massive Computerprobleme hatte, verursacht durch WannaCry. . Es hagelte entsprechende Kritik in allen großen deutschen Tageszeitungen, vor allem hinsichtlich der Perspektive einer Abschaffung aller herkömmlichen Ticketformen.

Internet der Dinge steht schon länger in der Kritik

Die zunehmende Digitalisierung scheint in der Tat ein Problem. Man ist sich zwar generell bewusst, dass man keine Ahnung hat, welche App des Smartphones, Tablets oder PCs wann welche privaten Daten wohin auch immer weiterleitet – aber wirklich dagegen wehren kann man sich derzeit auch nicht. Es ist kaum noch möglich, ein mobiles Telefongerät zu erwerben, das ohne Internetverbindung und ständig Updates auskommt. Steuererklärungen werden genauso online erledigt wie Bankgeschäfte (Stichwort Direktbanken). Jeder Geldautomat ist mit dem Internet verbunden. Bankkunden können Online-Banking ablehnen – ziehen sie mit der Karte am Automaten Bargeld, hinterlassen sie doch Datenspuren im Netz. Sicherheitskameras im und am Haus, die per App vom Smartphone aus gesteuert werden, sind genauso ein Sicherheitsrisiko wie die Spielekonsole (permanent online) und das Kinder-Tablet. Alle Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, sind potentiell angreifbar und senden permanent Daten. Wer ein Interesse daran hat, was mit den Daten angestellt wird, und ob man sich damit angreifbar macht, ist schlicht nicht vorhersehbar. Es hat also einen guten Grund, warum selbst Mark Zuckerberg Mikrofon und Kamera seines Laptops immer abklebt.

Klebezettelchen reichen nicht

Natürlich ist ein dekorativer Aufkleber eine nette und verhältnismäßig einfache Sache. Aber das alleine reicht nicht. Sensible Daten auf dem PC oder dem mobilen Gerät sollten zusätzlich geschützt werden. Wer beispielsweise seine elektronischen Steuererklärungen abspeichert, sollte das vielleicht nicht in der Cloud oder auf dem am Netz hängenden Computer tun, sondern auf einem Medium, das offline ist. Verschlüsselungen sind ebenfalls immer eine gute Idee. Dazu gibt es die Möglichkeit, sich mit Anti-Spyware gegen unerwünschte Einblicke in den privaten Computer zu schützen. Neben den wirklich privaten Daten, die im Computer gespeichert sind (von Gehaltsabrechnungen über Kontoauszüge bis hin zu privaten Fotografien) sind natürlich immer wieder Passwörter und Zugangsdaten von Interesse. Gute Anti-Spyware läuft im Hintergrund, ohne allzu viel Leistung zu ziehen, und kontrolliert den Computer permanent auf Spyware. Die Tools haben ganz unterschiedliche Funktionen, laufen auf unterschiedlichen Systemen und haben natürlich auch ganz unterschiedliche Preise. Sie sollten für den PC inzwischen eigentlich so selbstverständlich sein wie ein gutes Antivirenprogramm. Den Überblick über die momentan auf dem Markt aktuellen Tools bietet beispielsweise die Übersicht auf der Internetseite Netzsieger.

Auch an die mobilen Geräte denken!

Während man sich oft Gedanken über die Sicherheit von Computern macht, ist das bei Smartphones und anderen kleinen mobilen Geräten nicht in der Weise üblich. Sie sind aber genauso angreifbar wie der PC. Für die meisten Android-Versionen sowie für die Apple-Produkte gibt es schon seit längerem gute Tools, um die Geräte sicher zu machen. Welche App im Besonderen zu den eigenen Bedürfnissen passt, muss aber im Einzelfall herausgefunden werden. Was die anderen Geräte betrifft … Lautsprecher, die über das Internet gesteuert werden, Kameras, die mit Smartphone-Apps zusammenarbeiten und der gesamte Sektor der „intelligenten“ Haushaltsgeräte bleiben nach wie vor ein großes Problem. Die meisten dieser Geräte und Anwendungen stecken noch in der Entwicklungsphase und sind nicht fertig durchdacht, wenn sie auf den ohnehin viel zu schnelllebigen Markt geworfen werden. Da bleibt die Sicherheit voraussichtlich noch eine ganze Weile auf der Strecke.

 

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