Treptow-Köpenick, Flughafen Schönefeld, Salvador Allende Brücke

Treptow-Köpenick, Flughafen Schönefeld, Salvador Allende BrückeDas Maulbeerblatt wird 100! – Ein guter Anfang! – Das sind meine drei Worte zur 100 und zu dem Jahr, das gleich mit einer Jubiläumsausgabe startet. Schließlich ist dieses Treptow-Köpenick bewegende Ereignis tatsächlich ein erster Hinweis, ein Zeichen, dass 2017 genauso super weitergeht wie 2016 aufgehört hat. Da muss man gar nicht nach den Themen der Welt – Trump, Brexit, Syrien – schielen. Ein Blick auf den Bezirk reicht da völlig aus, Treptow-Köpenick als Spiegel der Welt eben.

Angefangen bei einer gänzlich unwesentlichen Verzögerung: Die Salvador-Allende-Brücke wird ein halbes Jahr später saniert als ursprünglich hinausposaunt. Die Angebote, die nach der ersten Ausschreibung eingingen, sind dem Senat zu teuer! Aber macht jauch nix, oder? Die paar Autos, die da am Tag lang fahren! Stau gibt es überall in der Stadt! Und ist die Allende-Brücke mit herrlichem Blick auf die Spree nicht der ideale Ort, um die Seele nach Feierabend baumeln zu lassen. Und während es vorne weitergeht und alle anfahren, aber die anderen hinter dir wie irre hupen, weil du es nicht mitbekommen hast, dann ahnst du: du bist mehr als ein kleines Rad im Getriebe. Nein, du bist ein Aussteiger, auf der Brücke. Danke Senat, danke, dass du die Zeit und die Autos angehalten hast!

Ja, und was ist schon ein halbes Jahr im Vergleich zu … zu … welcher Ewigkeit eigentlich. Ich sage nur drei Buchstaben: BER. Der wird 2017 jedenfalls nicht mehr in Betrieb genommen. Auf dem lughafen ist die Zeit nicht nur stehengeblieben, sondern gleich zurckgedreht worden: in die Steinzeit. Diese vermaledeite Entrauchungsanlage schon wieder! Da lassen sich die Türen zum Terminal im Brandfall nicht elektronisch schließen und die Sprinkleranlage hat auch immer noch einen weg. Déjà-vu? War das nicht 2012 dasselbe? Man fragt sich, was die da in den letzten fünf, sechs Jahren gemacht haben. Steuergelder verschleudern, gut! Aber sonst? Führt diese Anlage ein Eigenleben, haust da ein irreparabler Roboter, der keinen Bock hat zu funktionieren? Oder ist die Sache mit der Entrauchung nur die offizielle Verlautbarung, um zu verschleiern, dass noch viel schlimmere Dinge im Argen liegen?

Berlin-Filialleiter Müller hat sich ziemlich lange dumm gestellt: Eine Woche vor Bekanntwerden der x-ten Flughafeneröffnungsverschiebung hat er noch voll Zuversicht hinausposaunt, der Termin sei zu halten, 2017 sei machbar. Nicht ganz aufrichtig von ihm, zugegeben, und das ist nicht der Politikstil, den er vor vier Monaten – kurz nach der Wahl – versprochen hat.
Ich hätte zwei Vorschläge, wie es gut und günstig weitergehen soll: das gesamte Gelände umzäunen und als große Spielwiese nach Tempelhofer Vorbild ausweisen. Oder die Entrauchungsanlage dem Härtetest unterziehen und das Terminal niederbrennen. Danke Herr Müller, dass Sie uns von solchen Szenarien träumen lassen!

Und dann die NPD! Deren Anhänger marschieren weiter zurck in die braune Vorzeit. Ist ja nichts geworden aus dem Glatzenverbot. Verfassungsfeindlich ist die Rechtspartei zwar, der NSDAP sogar wesensverwandt, finden die vom Bundesverfassungsgericht, aber schlicht zu unbedeutend, um sie zu verbieten. Was das mit Treptow-Köpenick zu tun hat? Uns bleibt mit dem höchstrichterlichen Urteil die NPD-Parteizentrale in der Seelenbinderstraße erhalten. Aber ist doch gut, wenn man weiß, wo diese Typen stecken. Dort kann man sie viel unkomplizierter beobachten. Sollen sie doch ihre Parolen aus dem Fenster brüllen, hört keiner bei dem Straßenlärm! Und die Farbbeutel der Linken haben ein Ziel, das verschont die benachbarten Hausbesitzer. Ach ja, nicht zu vergessen, der Verfassungsschutz. Bei den engen Kontakten würden einige Mitarbeiter vollends in die Illegalität absinken. Davor muss die Behörde geschützt werden. Wie sähe das denn aus? Danke, Herr Richter Voßkuhle, dass Sie uns all diese Ängste nehmen. Das verspricht Sicherheit! Alles bleibt so wie es ist besser gehts doch nicht!


Dietrich von Schell

Ein Beitrag von Dietrich von Schell

Sagt von sich selbst, dass er ein sonniges Gemüt hat. Seine journalistische Profession versteht er als Jäger- und Sammlertum: Fakten sammeln, für Geschichten auf die Jagd gehen. Zitat: (nach der Katastrophe) "Ist doch nischt passiert!"