Der Frühling, das ist die Zeit, in der die Tage wieder länger und die Ärmel und Hosenbeine wieder kürzer werden, in der an Busch und Baum die Knospen zu sprießen und die Cafébetreiber ihre Außenbestuhlung zu präsentieren beginnen.

Und es ist die Zeit der unruhigen Vögel. Überall piept und krächzt es. Das kann man genau so lange ignorieren, bis man das erste Mal darauf achtet. Ab dem Moment wird man das Vogelgezwitscher nicht mehr los, es wird zum ständigen, penetranten Begleiter.

Bei mir im Büro-Jalousiekasten hat sich kürzlich ein liebestoller Sperling ein Nest gebaut. Ich könnte sowas ja nicht. Selbst, wenn ich handwerklich begabter wäre, würde mir meine Höhenangst hier einen Strich durch die Rechnung machen. Aber der Jalousiekasten ist glücklicherweise auch gar nicht für mein Gewicht ausgelegt. Den Spatz und sein Nest hingegen hält er aus.
Und ich auch. Er macht den ganzen Tag lang Faxen, tippelt auf „seiner“ Lamelle geräuschvoll auf und ab, sabbelt zusammenhangloses Zeug, gröhlt unanständige Lieder, empfängt Damenbesuch mit allem Pipapo und bekämpft männliche Konkurrenten, während ich versuche, konzentriert zu arbeiten.

So ein rücksichtsloses Verhalten könnte einen zermürben. Mit einem kleinen Dreh an der Jalousiestange wäre der krakeelende Bursche in nullkommanix verschwunden, das ginge ganz schnell.

Aber was wäre ich für ein Scheusal, würde ich einen Frühlingsboten seiner Wohnung berauben? Ich packe ihm eher noch Kekskrümel ins Nest.
Damit er bleibt. Und mit ihm der Frühling.

Auch wenn dieser Text ganz ohne Hasen und Eier auskam, wünsche ich Ihnen ein frohes Osterfest.

Ihr Maulbeermeia


Meia

Ein Beitrag von Meia

Sternzeichen Schreibblock, studiert seit mehr als 75 Semestern Allgemeinbildung, ist verliebt in Friedrichshagen und kam wie die Jungfrau zum Blatt. Zitat: „Vielleicht bin ick nich schlau, aba klug bin ick nu ooch wieda nich."