Probebetrieb im Spreepark
Am kommenden Wochenende soll das Gelände im Plänterwald von Künstlern und anderen Interessierten erstmals bespielt werden. Auch Publikum ist eingeladen.

Zwei Jahre lang, 2018 und 2019, haben Anwohner, Naturfreunde und Künstler darüber beraten, wie es mit dem Spreepark, dem ehemaligen DDR-Vergnügungspark im Plänterwald, weitergehen soll. Das gut 23 Hektar große Gelände am Spreeufer liegt seit 2001 brach;  seither überwuchert üppige Natur die Reste pittoresker Karussells, verfallen beliebte Treffpunkte von einst.
Plänterwald
Foto: Björn Hofmann

Nachdem Berlin im Jahr 2014  die Erbbaupacht  zurückgekauft  und so eine jahrelange Hängepartie um Investoren beendet hatte, beauftragte die landeseigene Grün Berlin GmbH sechs Büros von Architekten, Stadtplanern und Kunstwissenschaftlern damit, Visionen für einen künftigen Park zu entwickeln. Eines stand von Beginn an fest: Ein Vergnügungspark wie einst sollte der Spreepark nicht wieder werden.


Aber was dann?

Mehr als  tausend Vorschläge kamen von Anwohnern und Liebhabern des Parks, auf  mehreren  Veranstaltungen redeten man sich die Köpfen heiß, stellten Planer und  Parkliebhaber aus der Nachbarschaft  ihre Ideen vor.  Diskutiert wurden Projekte wie ein Kulturhafen mit Schiffs-Anleger, ein Baumwipfelpfad  und  Wanderwege auf ausgetrockneten Wasserläufen ebenso wie Möglichkeiten für gemeinschaftliches Gärtnern und für Theateraufführungen.

Das Ergebnis der Debatten ist das Projekt „Spreepark als Ort für Kunst, Kultur und Natur“, ein Spreepark für alle – Kunstinteressierte, Naturliebhaber, Spielefreunde.  Nach der letzten Anwohnerveranstaltung 2019 tat sich längere Zeit nicht viel, nur an Sommer-Wochenenden gab es geführte Spaziergänge durch den Park, bei denen Vergangenheit und Zukunft des Areals Thema waren.

Seitdem vor einigen Wochen einige Corona-gebeutelte Schausteller ein Auge auf den Spreepark geworden hatten,  was von den zuständigen Behörden jedoch abgelehnt wird, begannen plötzlich Bauarbeiten im Park. Die Medienanschlüsse für die künftigen Projekte sollen wieder hergestellt und modernisiert werden.


Ein neues Kapitel für den Spreepark?

Jetzt spricht die zuständige Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) sogar von einem neuen Kapitel in der Entwicklung: Ein Probebetrieb soll testen, was von den zahlreichen Ideen geht und was nicht. Vom kommenden Donnerstag bis zum Sonntag (10. bis 13. September) sollen Künstler, Umweltfreunde und Besucher im Park Projekte im „Labor Spreepark“  ausprobieren. Besucher können erste Einblicke in die künftige Entwicklung erhalten.

Los gehts am Mittwoch mit einer Bürgerveranstaltung. Von 18 bis 19:30 Uhr wird vor Ort, Kienwerderallee 1-3, zum aktuellen Stand der Arbeiten und zur Entwicklung informiert. Am Donnerstag  präsentiert dann das Kollektiv Spieltrieb e.V. seine Ideen.

Am Freitag gibt es eine (geschlossene) Fachveranstaltung zum Thema Verzahnung von Kunst und Umwelterziehung, und am Samstag, 12. September, ist der Park von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Schwerpunktthema an diesemTag: Vergnügen – Ist das Kultur oder kann das weg? Wie verändert sich Vergnügen und welche Auswirkungen hat dies auf die Kultur?

Auch am Sonntag wird das „Labor Spreepark“ weitergeführt, von 14 bis 17.30 Uhr gibt es geführte Touren, auf denen sechs verschiedene Produktionen von Performance- und Straßentheater-Künstlern zu erleben sind.

Wichtig zu wissen: Coronabedingt  ist nur eine begrenzte Zahl von Besuchern möglich. Anmeldungen werden zu den einzelnen Veranstaltungen separat  entgegen genommen, alle sind hier zu finden.


Bauarbeiten sollen 2026 abgeschlossen sein

Unabhängig von den Projekttagen gehen die Arbeiten im Park derweil weiter. Derzeit wird ein Bebauungsplan erstellt, der im Herbst 2021 vorliegen soll. Punktuell werden aber bereits einige Baumaßnahmen realisiert, so  wird das Eierhäuschen als Restaurant mit Biergarten und Ateliers gerade saniert. Fertigstellung ist für 2022 geplant.

Der Kernbereich des zukünftigen Spreeparks rund um das Riesenrad (das wieder in Betrieb genommen werden soll) soll 2024 eröffnet werden, und mit dem Abschluss aller Arbeiten rechnet der Bauherr Grün Berlin für das Jahr 2026.


Karin Schmidl
Ein Beitrag von

Diplomierte Journalistin mit Erfahrung. Nachrichten-Junkie. Weiß, wie Politik und Medien funktionieren. Bleibt trotzdem Optimistin. Verteidigt den Genitiv. Sucht die Geschichte hinter der Geschichte. Hält Entscheidungen im Kiez für essentiell für das Lebensgefühl. Motto: „Köpenick, du bist wunderschön!“