grundeinkommen

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Der Verein meingrundeinkommen.de sammelt Spendengelder und finanziert dadurch ein Jahr jeden in diesem Land, der sich registrieren lässt und ausgelost wird. Bisher waren das 57 Menschen. Im April 2016 hat eine Friedrichshagenerin das große Los gezogen: das 30. bedingungslose Grundeinkommen für ein Jahr und hat damit selbst Zeit gewonnen.

Die Idee des Grundeinkommens für jeden ist keine Erfindung der Coffee-to-go-Thirtysomethings, der Ü-30-Träumer und der nachwachsenden Kreativ- “Wirtschaft“, der Freischaffenden, der Jungunternehmer, die mit ihren Ideen zum Heute und Morgen direkt ins klaffende Existenz-Loch der „Von allem zu viel“- Gesellschaft stolpern. In der Schweiz wurde am 5. Juni diesen Jahres mit einem Volksentscheid gegen das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) gestimmt. Mit 23 Prozent „Ja“-Stimmen hatte dort keiner gerechnet. Reformen brauchen ihre Zeit. Und Menschen, die diese umsetzen.

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist nicht neu, sie tauchte im 18. Jahrhundert zum ersten Mal in einem Essay („The right of infants“) des Engländers Thomas Spence auf. Es garantiert jedem Menschen ein monatliches Grundgehalt durch den Staat, ohne dass eine Gegenleistung zu erbringen ist. Weltweit werden zwei unterschiedliche Formen des BGE diskutiert: ein Grundeinkommen, das unabhängig von der Höhe des Einkommens einer Person ausgezahlt wird (Schweiz) und eines, das abhängig von der Einkommenshöhe (Finnland, Niederlande) ist. Das BGE wird in den USA, Japan, Kanada und Australien und in vielen europäischen Staaten diskutiert.

Obwohl jede Nation eine andere Kultur und andere Lebensumstände hat, wird das BGE weltweit angeschoben. In Finnland wurde ein bundesweiter Feldversuch in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Das größte BGE-Pilotprojekt findet derzeit in Kenia statt: Den Bewohnern von einem Dutzend Dörfern soll zehn bis 15 Jahre lang ein Grundeinkommen ausgezahlt werden. Das Projekt wird wissenschaftlich ausgewertet. Während einige Feldversuche vom Staat gesteuert und finanziert werden, nimmt das Thema BGE und dessen Finanzierungsmöglichkeiten in Deutschland einer gleich selbst in die Hand und lässt es diejenigen finanzieren, die das Grundeinkommen bekommen sollen: die Menschen selbst.

Der Berliner Online-Unternehmer Bohmeyer erfand mit www.grundeinkommen.de im Sommer 2014 die Idee, mittels Geldspenden Menschen ein einjähriges kostenloses Grundeinkommen zu ermöglichen. Jeder kann sich registrieren lassen, jeder kann spenden. Ein Jahr Grundeinkommen ist nicht nur das Wissen darum, dass Lebenshaltungskosten gedeckt und der Kopf frei gemacht werden kann für schöpferisches Arbeiten. Ein Jahr bedingungsloses Grundeinkommen ist vor allem ein neues Gefühl vom Leben, ohne finanziellen Druck, ohne Fremdbestimmung, ohne Zeitdruck. Um in die Lostrommel zu kommen, muss man kein Spender sein. Einzig wichtig ist, sich auf der Website zu registrieren und zu erklären, was man mit dem Geld anstellen möchte. Das sind bisher etwa 300.000 Registrierte und mehr als 45.000 Spender. „Seit einem Jahr erleben wir einen großen Boom durch unsere wachsenden Strukturen und unsere professionellere Öffentlichkeitsarbeit, sicher auch durch die Debatte in der Schweiz“, stellt Mitarbeiter Christian Lichtenberg fest. Mittlerweile wurden 57 Grundeinkommen über den Verein finanziert.

Jesta Phoenix spendete ab Dezember 2014 monatlich einen Euro. Im April 2016 kam die Nachricht: Sie war die 30. ausgeloste Person für das bedingungslose Grundeinkommen. „Das schafft meine Ängste zumindest für ein Jahr ab.“, sagt die kosmopolitische Akademikerin, die drei Sprachen fließend spricht. Die Lebenshaltungskosten, ihres Vierpersonen-Haushaltes seien erdrückend. Ihr Einkommen reiche gerade so für ein „sehr minimalistisches Leben“. 1000 Euro – Was stellen die Leute ein Jahr damit an? Sie wollen sich weiterbilden, ein Kind erziehen, verreisen, ein humanistisches Projekt unterstützen oder einfach nur weiterarbeiten: Einer Befragung von 2033 Personen durch das Meinungsforschungsinstitut YouGov zufolge waren 73 Prozent der Befragten prinzipiell für das BGE. 82 Prozent der Befragten würden weiterarbeiten wie bisher. Nur acht Prozent würden nicht mehr arbeiten gehen.

Foto: Mi Chuthai