schach

Wir alle kennen die Geschichten von Postkarten, die jahrzehntelang verschollen waren und plötzlich wieder auftauchen. Beim Schach gibt’s das auch, da sind es Eröffnungsvarianten und Ideen, die teilweise ewig vor sich hin schlummern. Großmeister Viktor Bologan (45, aus Moldawien) packte vor kurzem bei einem Weltklasse-Turnier in Westsibirien so einen Gedanken aufs Brett. Der war vor etwa 40 Jahren in der Giftküche des polnischen Meisters Jacek Bednarski (1939–2008) diskutiert worden, Bednarski analysierte ihn in Berlin mit einer Handvoll Schülern und Kollegen, wandte die Zugfolge auch an, wovon in den heutigen Datenbanken allerdings nichts mehr zu finden ist. Das Geheim-System wurde offenbar durch Mund-zu-Mund-Weitergabe von der einen Generation ohne viel Aufhebens der nächsten übergeben.

Was ziemlich selten ist. Reichlich Zoff gab’s zum Beispiel in der deutschen Nationalmannschaft, die eine wichtige Eröffnungs-Neuerung in petto hatte. Bis sie einer ihrer Spieler bei einem ganz unwichtigen Turnier einsetzte. Danach sprach sich der entscheidenden Zug schnell rum. Ex-Weltmeister Garri Kasparow (53) witterte ebenfalls Verrat, als einer seiner Ex-Sekundanten Varianten aus gemeinsamen Trainings veröffentlichte. Umgekehrt war’s bei Viktor Kortschnoi (1931–2016), der von seinen Helfern dringlichst darum gebeten wurde, sich die erarbeiteten Neuerungen für WM-Kämpfe aufzuheben. Kortschnoi lehnte ab: „Dann denke ich mir eben was Neues aus.“ Auch Bologan ist am Zug. Mit Bednarskis Idee erlangte er mit Weiß nur etwas Vorteil. Zu wenig. Remis nach 32 Zügen …

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J.Levitt – A.Martin, England 1992. Schwarz am Zug setzt matt oder gewinnt entscheidend Material.


Auflösung (#103) … f4 2.Kd5 (2. ef4 h4, 3.gh4 g3, fg3 e3) h4 3. Ke4 (3.gh4 g3, 4. fg3 fe3) f3 4.gf3 h3 und der Bauer wird zur Dame.