Am 12. Mai beginnt die digitale Freiluftkinosaison

Im Film Inglourious Basterds von Quentin Tarantino macht sich eine unbändige Gruppe US Army-Rabauken auf, um Nazis im besetzten Frankreich zu jagen und mit Hakenkreuzen auf gut sichtbaren Körperstellen zu verunzieren. Höhepunkt im kontrafaktischen Actionstreifen ist ein geplantes Attentat auf Adolf Hitler während einer Kinopremiere des neuesten Propagandastreifens „Stolz der Nation“. Damit die Umsetzung dieses Plans gelingt, machen sich die wilden Widerstandskämpfer die explosionsartige Brennbarkeit von alten Filmrollen zu nutze.

Tatsächlich fallen die leicht entzündlichen Filmrollen mit Nitrozelluloseträger in Deutschland heutzutage unter das Bundessprengstoffgesetz. Seit den Fünfziger Jahren wurde deshalb der sogenannte Sicherheitsfilm in europäischen Kinos zum Standard, die Lagerung der kiloschweren Filmrollen gestaltete sich jedoch weiterhin als aufwändig und kostenintensiv. Und auch wenn sich in den USA derzeit eine Bewegung aus Liebhabern formiert – vertreten u.a. von Tarantino und Scorsese – welche bestrebt ist, den analogen Film vor dem endgültigen Aussterben zu retten, stehen die wirtschaftlichen Zeichen auch im Kinobetrieb seit mehreren Jahren klar auf Digitalisierung.

Digital ist besser!

Während das Kino Union bereits vor sieben Jahren endgültig die alten, analogen Projektoren einmottete und auf den digitalen Betrieb umstellte, zog das Freiluftkino Friedrichshagen im letzten Jahr nach. Neben der Erneuerung und Instandsetzung der Bestuhlung ermöglicht die Verwendung moderner, digitaler Filmtechnik auch wirtschaftliche Planungssicherheit.

Sollte der romantische Sternenhimmel im Freiluftkino doch einmal mit dicken Regenwolken verhangen sein, ermöglicht das neu geschaffene Nervenzentrum des Kinos den Betrieb in Ausnahmefällen durch nur einen Mitarbeiter. Wetterbedingte Ausfälle sind so kalkulierbarer und sichern auf lange Sicht den Fortbestand der traditionsreichen Anlage.

Bereits 1931 als Naturtheater eröffnet, war die damalige Bühne – ausgestattet mit Orchestergraben, Beleuchtungstürmen und einer vor dem Autoverkehr schützenden Lärmschutzmauer – Teil eines ausgefuchsten Kurortkonzeptes für stressgeplagte Innenstädter. Wenige Jahre später übernahm das Schiller Theater, unter Intendat Heinrich George, die Leitung der Bühne. Was während und nach dem Krieg dann von der einstigen Freilichtbühne nicht als Feuerholz verwendet wurde, riss der Bagger mit der Errichtung des Tennisstadions nieder. Und obwohl von Bühne und Gebäuden des einstigen Kurparks kaum etwas übrig blieb, wurden ab den 60er Jahren vereinzelt Kulturveranstaltungen neben dem Tennisbetrieb durchgeführt. Unter anderem griff die später politisch geächtete Klaus Renft Combo hier in die Saiten. Mitte der 90er Jahre engagierte sich dann der Pfeiffer e.V. um Erhalt und Bespielung des Geländes. Seit 2006 ist Matthias Stütz Betreiber des Freiluftkinos.

In Tradition der Kulturbühne sind neben dem normalen Kinobetrieb auch weiterhin kulturelle Veranstaltungen wie etwa Konzerte, Theater und Poetry Slam geplant. Der Filmbetrieb läuft erstmals täglich, der Fokus liegt auf Musikfilmen. Den Anfang machen unter anderem das Filmmusical LaLaLand und der neue Film von Kult-Regisseur Jim Jarmusch über die Band The Stooges – Urväter des Punkrocks. Darüber hinaus ermöglicht die Digitalisierung nun auch die Aufführung aktueller Blockbuster.

Liebhaber der analogen Technik seien jedoch beruhigt. Trotz unaufhaltsamer Digitalisierung bleibt im Freiluftkino weiterhin ein analoger Projektor für die Aufführung von Klassikern zu besonderen Anlässen erhalten.

 

Saisonstart am 12.05. 2017
mit Expedition Happiness
Freiluftkino Friedrichshagen
Hinter dem Kurpark 13, 12587 Berlin
Programm und Tickets auf www.kino-union.de


Foto: Björn Hofmann


Bjoern Hofmann

Ein Beitrag von Bjoern Hofmann

Typophiler Printjunkie mit 6. Dan in Code-Ninjutsu und ungebrochener Schnellfuß-Liebe, derzeit sesshaft im heimelichen Maulbeerblatt.