Levin Morgenthau im Gespräch mit Alf Ator

LM: Hallo Alf, Du verlässt uns?
AA: Nein.
LM: Wie bitte? Dann lösen sich Knorkator doch nicht Ende des Jahres auf?
AA: Doch.
LM: Erkläre uns das bitte!
AA: Knorkator ist Ende des Jahres vorbei, aber ich gehe nicht weg. Ich weiß, in der Zeitung stand, dass wir uns auflösen, weil ich nach Thailand gehe. In der Tat ist so ein Wunsch unterschwellig vorhanden, seitdem ich meine Frau kenne, die dort geboren wurde. Und als wir Anfang des Jahres unsere Auflösung bekanntgaben, hatte ich das auch wirklich vor. Doch erstens habe ich noch keine Lust, mich zur Ruhe zu setzen, zweitens sieht die politische Lage dort auch nicht mehr so aus wie auf den Postkarten, und drittens – und das ist das Hauptproblem – eignet sich die thailändische Musik auf Dauer auch als Folterinstrument.
LM: Und was ist nun der Grund der Auflösung?
AA: Oh, das ist kompliziert. Eigentlich waren wir alle froh, dass ich abhaue, um genau dieser Frage ausweichen zu können.
LM: Dann hättest du mal lieber bei dieser Ausrede bleiben sollen.
AA: Das Problem dabei ist, dass ich irgendwann keine Lust hatte, mich überall erklären und rechtfertigen zu müssen. Egal, mit wem ich über das nächste Jahr rede, immer heißt es: „Was? Ich denke, du haust ab!“ Das begann ziemlich zu nerven.
LM: Okay, dann hast du nun aber das Problem, auf meine Frage nach dem Grund der Auflösung eine andere Antwort geben zu müssen.
AA: Ja.
LM: Und?
AA: Maaaaan! Es gibt uns jetzt schon seit 1994. Das sind 14 Jahre! Wie viele Bands haben sich in dieser Zeit gegründet und wieder aufgelöst! Da dürfen wir das auch mal, oder?
LM: Verzeih mir meine Schleimerei, aber ihr hinterlasst eine Lücke, die wohl niemand so richtig füllen kann. Außerdem fragte ich nicht, warum ihr es dürft, sondern warum ihr es tut.
AA: Okay, wenn du es wissen willst: Mir fällt nichts mehr ein, was sich auf F… reimt.
LM: Markier hier nicht den Bescheidenen! Wirwissen beide, dass Knorkator für mehr steht als nur „F…“
AA: Vielleicht beim einen oder anderen. Aber machen wir uns nichts vor: Im Lexikon steht Knorkator unter Comedy. Was will man da noch sagen? Dru?cken wir es so aus: Ich möchte mir nicht eines Tages vorwerfen müssen, nie etwas anderes versucht zu haben.
LM: Aah! Dann ist es doch nur eine Pause. Und nach drei Jahren die fulminante Reunion!
AA: Wie würde der Politiker jetzt sagen: „Eine Reunion steht nicht auf unserer Tagesordnung.“ Nee, im Ernst: Natürlich weiß niemand, was in ein paar Jahren ist. Aber im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. He, gerade ist eine tolle Live-DVD erschienen, und das ist nicht die erste. Fünf Alben, unzählige Live-Mitschnitte, dazu die vielen Coverversionen künftiger Bands! Wer auf uns steht, hat genug Material, um uns zu genießen. Wie sagt man so schön: Der Künstler selbst ist nur der Mist, auf dem sein Werk gedeiht!
LM: Was machen die anderen?
AA: Soviel ich weiß, gehen alle anderen nach Thailand.
LM: Danke für dieses Interview!
AA: Selber danke!

Anm. der Redaktion:

Bei Redaktionsschluss erhielten wir einen Anruf:
Alf geht doch nach Thailand.


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“