Wieder Schwierigkeiten mit den Geschenken zum Hochzeitstag, er hat ja schon alles, sagt er. Das gemeinsame Wochenende im Harz, das Überraschungsgeschenk letztes Jahr zu Weihnachten. Wieder ein Essen bei Ihrem Lieblingsitaliener oder dem neuen Thailänder, obwohl Barbara ja sagte, der sei „speziell,“ nicht so wie die originalen.
Auf der Suche nach Ideen erwischte sie sich dabei, wie sei mit langem Gesicht seine Garderobe für ihre besonderen Abende inspizierte. Dieses schwarze Samtjacket war nun wirklich nicht mehr up-to-date und so langsam könnte er sich mal wieder was Neues zulegen.

Was sagte Henry Ford über Männer? Wenn sie einer Frau die Autotür aufhalten, ist entweder die Frau neu oder das Auto. Da kann sie ja auch mal vom Angetrauten erwarten, ein wenig Modellpflege zu betreiben, muß ja nicht gleich ein neuer Typ sein. Aber immer dieses Rumgemurre wenn sie mit ihm mal shoppen will: Mit den besten Absichten ihn neu einzukleiden reiten sie vom Hof und er kommt wieder mit leerer Brieftasche und sie mit einer Schrankfüllung neuer Schnäppchen. Für sie. Wie könnte es anders sein. Nein, diesmal soll alles anders werden! Nur für ihn, naja, ein zwei Kleinigkeiten können schon abfallen, aber sie bezahlt es ja auch. Ist ja schließlich ihr Geschenk an ihn. Aber wo bleibt denn da die Überraschung? Schließlich kann sie ihn ja nicht mit verbundenen Augen durch den Herrenausstatter bugsieren, nein, das wäre nun wirklich zu albern.
Vielleicht einen von den Onlineshops probieren? Sich bei eBay die Finger krumm klicken und dann doch nur Ladenhüter und Vorjahreskollektionen? Absolut unübersichtlich und dann keine Garantie auf nix – Dies ist ein privates Angebot ohne Rückname, bitte bieten Sie nur, wenn Sie die Bedingungen… Nee, also doch sich lieber sich die Hacken ablaufen und den Brubbelkopp durch die Boutiquen schleifen? Der ja sowieso nicht versteht, warum nun unbedingt ein neuer Anzug her muß, wo doch der alte noch lange nicht ausgedient hat. Sich noch vollmeckern lassen, obwohl sie ihm ja nur was Gutes tun will? Jede Frau der Welt würde da sofort zustimmen, ohne mit der Wimper zu zucken und damit derangierte Maskara zu riskieren. Wieso soll sie ihn eigentlich rausputzen? Warum wieder diesen Kampf um den adretten Begleiter auf sich nehmen? Damit sich eventuell ´ne andere für ihn interessiert und ihn wohl noch in Versuchung führt? Ziemlich masochistisch dieses Vorhaben, ihn rauszuputzen und die Konkurrenz vom Catwalk zu locken. Es ist nur gerecht wenn allein ihr seine inneren Werte und die anderen Qualitäten zustehen. Was hat sie an ihm rumerzogen, damit er halbwegs manierlich und vorzeigbar mit ihr durch die Jahre schreitet. Zwei Wochen hat sie auf ihn eingewirkt damit „er“ sich für das Jacket entscheidet, was sie nun mittlerweile nicht mehr sehen kann. Wann soll sie denn eigentlich das kurze Schwarze tragen? Sie sehen zusammen aus als gehen sie zu einer Fünf-Sterne-Beerdigung. Wenn sie daran denkt hat sie automatisch das passende Gesicht dazu. Es ist zum aus dem Ballkleid fahren. Aber gleichzeitig die sichere Zweisamkeit aufs Spiel setzen für durchgestylte Opernabende mit gutsitzender Garderobe und hochglanzpolierten Schuhen. Lieber doch die neue Schlagbohrmaschine oder das Surroundboxenerweiterungs-Set. Da geht sie auf Nummer Sicher. Und zwar doppelt! Er kriegt was er will, und sie schießt sich kein Loch in die Kniestrumpfhose mit der lästigen Konkurrenz. Nur dann doch wieder in dem alten Samt mit ihm wochenendlich promenieren? Phuuu, schwere Entscheidung. Am besten erstmal Barbara anrufen, die ist ja schon ewig mit ihrem Tobias unterwegs. Und wenn eine weiß wie frau den Mann so wirklich gut einkleidet, dann sie. Also, ohne selbst innerlich Höllenqualen des modisch-männlichen Unverständnisses zu durchleiden. Läuft. Fegefeuer der Eitelkeiten contra Feuerwasser der Geschmacklosigkeit.

Oder doch bei Otto was online bestellen? Da kann sie ja auch gleich den Klingel-Katalog wälzen. Da war doch auch noch der neue Online-Shop, Fashion ID, mein Gott auf was für Namen die immer kommen. Naja, vielleicht ist ja was brauchbares dabei. Die Konfektionsgröße des Göttergatten steigt fortschreitend kongruent wie die Anzahl der Jahresringe einer Eiche auf bestem Humus. Das kann sie sich an den Hochzeitsjubiläen ausrechnen. Ansonsten haben die ja sicher auch ein adäquates Umtauschsystem, aber wahrscheinlich wieder mit Studentinnen-betriebenen Telefonsupport, wieder die mit den sexy Telefonstimmen. Man ist ja nirgendwo vor ihnen sicher! Wieso kann man eigentlich nicht gemeinsam in eine Online-Oper? Wo einen keiner sieht? Das wäre doch mal ne Erfindung. Ein wahrer Segen stilbewusster Frauen mit geschmacksneutralen Begleitern. Online-Ticketkassen gibt es doch auch! Erstmal Barbara anrufen.