Denn Rodina heißt Heimat

In diesem Sommer zog das große Los jener, der unserer vereinten Republik mit Marschrichtung Süden den Rücken kehrte. Da der Urlaub des Schriftgeleerten lang und der Bankauszug kurz ist, blieben mir in diesem wie auch im letzten Jahr Ballermann, Antalya und Co erspart.
Aber auch daheim war mein Sommer wieder mit zahlreichen Highlights gespickt, wie des Schwagers Junggesellenabschied auf Eddie-lines „Viktoria“ und der dazugehörenden Hochzeit im Köpenicker Rathaus.

An der Stelle noch mal meinen herzlichen Glückwunsch an das Traumpaar aus Köpenick…besonderen Gruß auch an den schwitzenden Trauzeugen im Präsent 20 und all die vielen Gratulanten.

Weil ein Großteil der bei der Hochzeit Anwesenden jetzt Müggelseeanwohner sind, die montags statt auf dem Markt zu demonstrieren ihren Geschäfte nachgehen und nach getahener Arbeit erledigt in den Wohlverdienten sinken, mache ich mich auf den Weg, um in Tegel vielleicht leidgeprüfte Unterstützung zu finden. Vorbei an Bonnies Ranch und JVA, Borsigwerken (ein Stern in der Industriekultur) und einer verkehrsberuhigten Einkaufsstraße parke ich mehr schlecht als recht an der Berliner Straße und bewege mich zur Greenwichpromenade. Da lässt es sich bei Sonnenschein auch trotz des unmerklichen Fluglärms herrlich promenieren, ich Glückspilz habe mir für meine Stippvisite natürlich nen Regentag ausgesucht, aber das ist mir auf Grund von Regenschirm und der herrlichen Umgebung ziemlich Käse (stinkt von allen Seiten).

An den Anlegestellen von Stern und Kreis lässt es sich mit der Fähre auf die zahlreichen Inseln wie die Raketeninsel Lindwerder, Hasselwerder und Scharfenberg schippern oder gleich eine Fahrt über Tegel in die Mitte unserer geilen Stadt buchen. Weil ja so gut wie alle von uns Unionfans sind, kann man zu diesem Zwecke bestimmt auch Eddie-lines „Viktoria“ buchen, da hat man Spaß und trägt auch noch die Rot-Weiße Botschaft in den bösen Westen.

Und was ist nun mit Gleichgesinnten, Fluglärm und Umweltbelastung? Ich treffe einen betroffenen Tegeler, Metalfan wie ich neigt er sicherlich zur Schwerhörigkeit, wie wahrscheinlich auch die meisten der im Laufe der Jahre gealterten Müggelseeureinwohner.
Von Fluglärm hört man in Tegel so gut wie gar nichts, da sind eher die Pankower betroffen, meint der. Am Kurt-Schumacher- Platz kann man beim berflug das Profil der Räder prüfen. Die Flughöhe beträgt hier ca. 200 m. berm See wären die Vögel dann schon auf 2000. Ein Tegel ohne Flughafen? Für ihn undenkbar. Was ein Taxi von Tegel nach Schönefeld kostet? Ja, das weiß ich besser als er.

Mir persönlich ist es fürchterlich egal, von wo die Leute auf ihre unsinnigen Reisen gehen, Schwarzer Peter mocht ich schon als Kind nicht spielen. Und wir haben ja die Idioten gewählt, die diesen Rotz zu verantworten haben. Jetzt melden sich diese eingeschnappten Gemüter: Hey, Ihr habt mich noch nicht gefragt, ob ihr hier drüber fliegen dürft.

Der Tegeler See gehört zu den saubersten in Berlin, er beheimatet seltene Vogelarten. Es gibt auch öffentliche Badestellen mit WRD-berwachung und und und. Ein ca. 1000 m2 großes Grundstück in Pankow gibt’s z.Z. zum Schnäpchenpreis von schlappen um die 240.000 . In Rahnsdorf muss man mehr investieren, hier kosten 2500 m2 schon um die 125.000. Na, wenn das keine Gelegenheit ist, ihr mittelschichtigen Neuberliner. Also, Kinder, macht’s gut und bis bald in Pankow.

Der Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ ist der größere der beiden Verkehrsflughäfen im Großraum Berlin. Im Jahr 2010 wurden hier ca. 15 Millionen Fluggäste abgefertigt; gemessen an den Passagierzahlen lag der Flughafen damit an vierter Stelle in Deutschland (hinter Frankfurt am Main, München und Düsseldorf).
Im Zuge der geplanten Fertigstellung des Ausbaus des Flughafens Schönefeld zum Flughafen Berlin Brandenburg soll der Flughafen Berlin-Tegel am Abend des 2. Juni 2012 geschlossen werden.


Holger Claaßen

Ein Beitrag von Holger Claaßen

Berliner Schnauze. Professioneller Spaziergänger, der seine Streifzüge auch als Taxifahrer unternimmt. Ist mit sämtlichen Kiezgrößen bekannt und selbstverständlich EISERN. Motto: „Watt isn los Mausebeen?“ (Zum Chefredakteur)