Der Sitzmensch

92% : 8%! und 48 kg : 1,5 kg!

Der SitzmenschSetzen Sie sich doch erst einmal zum Lösen dieser Aufgabe! Oder sitzen Sie sowieso schon? Und das vielleicht sogar schon länger und auf einem „post-modernen“ Möbel weil es ihnen ergeht wie dem Autor, bei dem das Sitzen z. B. auf dem Boden zu Zerrungen bis Auskugelungen führen würde?

Eigentlich war die Ursprungsidee des modernen Sitzens – auch auf Stühlen – durchaus sinnvoll. Geistige Ressourcen sollten durch körperliche Einsparungen frei werden. Dies war bereits im 19. Jahrhundert an deutschen Schulen angekommen. „Was dabei dem körperlichen Bewegungsdrang vorenthalten wird, soll sich zu einem geistigen Bewegungsdrang, zu einer geistigen Freiheit weiten.“ (Eickhoff, H.)

zu 1.) 92 Prozent aller Unterrichtsstunden an einer deutschen Schule in z. B. einer 8. Klasse dienen dem Gehirn – 8 Prozent dem Körper! Aber benötigt nicht auch ein Gehirn Sauerstoff zum Arbeiten? Wie kommt dieser nun eigentlich ausreichend oben an, wenn da drunter nichts passiert und die nur durch Bewegung zu trainierende Pumpe ignoriert wird? Bei schmerzhaften Selbstversuchen, mehr Bewegung in die Grundschule zu bringen, hat auch der Autor erfahren, dass es immer mindestens 2 Eltern(paare) pro Klasse gibt, die davon überhaupt nichts halten. Der Unterricht sei ja schließlich dafür da, etwas „Richtiges“ zu lernen! In einem Land, wo Kinder bereits mit 6 Monaten zum Karriere fördernden Fremdsprachenunterricht geschickt werden, nachdem sie bereits im Bauch der Mutter mit entwicklungsoptimierter Musik beschallt wurden, ist dies nicht sonderlich verwunderlich.

zu 2.) Ein 80 kg schwerer Mitteleuropäer besitzt ca. 48 kg Bewegungsapparat (Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder) und ca. 1,5 kg Gehirn. Das sind 60% bzw. 2% seiner Gesamtmasse. Das extreme Missverhältnis von vorhandener zu beanspruchter Körpermasse führt zwangsläufig zu einer Veränderung des genetischen Codes des Menschen. Der Sitzmensch: Sieht so der Mensch in einigen Jahren aus? Der Sitzmensch zeichnet sich durch eine optimale Anpassung an die vorherrschenden Lebensbedingungen aus. Die Beine sind fast unnötig und deshalb deutlich kürzer als heute. Filigrane Füße sucht man vergebens. Das Becken ist erheblich breiter, was die Sitzauflage des Oberkörpers vergrößert und eine höhere Stabilität auf dem Stuhl ermöglicht. Insgesamt ist der Oberkörper eher birnenförmig. Der dadurch sinkende Schwerpunkt erfordert viel weniger Muskeln für das Sitzen. Die Arme sind wesentlich dünner als heute. Dafür haben die Hände jeweils sieben Finger. Dieser Zuwachs an Fingern ermöglicht ein noch schnelleres Tippen auf Computertastaturen. Das Gehirn ist durch die Denkleistungen weiter gewachsen. Die stark verkürzte Halswirbelsäule mit dem bergang in eine breite Rumpfauflage benötigt kaum noch Muskeln, um den zehn Kilogramm schweren Kopf mit einem vier Kilogramm schweren Gehirn zu tragen. Aber zum Schluss natürlich etwas Positives: Diese Veränderung der Evolution dauert wahrscheinlich so lange, dass die meisten von uns das wohl nicht mehr erleben müssen!

Und nun viel Spass beim Weitersitzen!