Maulbeerblatt führte ein Exklusivinterview mit Michael Kiessling.

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Vor knapp zehn Jahren debütierte in der Berliner „Kalkscheune“ eine Barrevue namens „Bukowski Waits For Us“, die sich innerhalb kürzester Zeit vom lokalen Geheimtipp zum landesweiten Erfolg entwickelte. Der wortverspielte Name war Programm, in dem das (in der Realität nie stattgefundene) Aufeinandertreffen des Schriftstellers Charles Bukowski (1920-1994) und des Sängers Tom Waits (*1949) als furioser Mix aus Bukowskischen Geschichten und Waitsschen Songs auf das Publikum herniederfuhr.
Begeisterte Presse und euphorische Fans führten folgerichtig zu langen Tourneen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Musiker Michael Kiessling (Gesang), Matthias Behrsing (Piano) und Jens Saleh (Kontrabass) gastieren am 19.Oktober 2007 um 21:00 Uhr im Alten Ballsaal des Friedrichshagener Bräustübls.
Wir hatten Gelegenheit, Michael Kiessling einige Fragen zu stellen.

MB: Eure bisherigen Revues warteten mit einem Wechselspiel zwischen musikalischen und schauspielerischen Anteilen auf. In der ursprünglichen Revue brillierte Karl-Heinz Heil als Reinkarnation Bukowskis höchstselbst, später in „Bukowski ist tot – aber ich habe ihn gut gekannt“ überzeugte Marie Gruber in der Rolle der lebenserfahrenen langjährigen Freundin, in der letzten Revue spielte Franziska Hering eine junge Hure, die einer Bukowskischen Geschichte entsprungen sein könnte. Nunmehr präsentiert ihr mit den „Liedern unterm Säufermond“ ein reines Musikprogramm. Gehören die Schauspieleinlagen damit der Vergangenheit an?

K: Keineswegs, das sind Projekte, die parallel existieren. Die Zusammenarbeit mit Franziska Hering hat ja auch gerade erst begonnen, da wird es definitiv weitergehen.

MB: Wie entstanden die „Lieder unterm Säufermond“?

K: Ich würde sagen, vordergründig aus dem Bedürfnis heraus, verschiedene künstlerische Ansprüche und Wünsche zu verbinden. Da sind zum Einen herausragende unsterbliche Songs anderer Musiker, die wir nach wie vor leidenschaftlich gerne covern und interpretieren. Auf der anderen Seite ist es so, wenn Du als Band viele Jahre erfüllend und inspirierend zusammenspielst, dann entwickelt sich ein besonderer, ureigener Stil. Diesem möchten wir mit eigenen Songs zum Ausdruck verhelfen.

MB: Der schöne poetische Begriff „Säufermond“ kommt mir bekannt vor..?

K: Gut möglich, denselben besang Udo Lindenberg auf seinem 91er Album „Gustav“. Unser Titel ist insofern auch als Hommage an diesen herausragenden Vertreter deutschsprachiger Musik zu verstehen.

MB: Was erwartet nun also den geneigten Friedrichshagener Musikliebhaber am 19.Oktober?

K: Der Name ist wieder Programm, ist ein Hinweis auf die Grundstimmung, die sich durch unser Programm zieht. Es geht um Songs, die auf, neben und unter dem Barhocker spielen. Wir werden z.B. Coversongs von Tom Waits, Leonard Cohen und Van Morrison bringen sowie eigene Kompositionen. Des Weiteren haben wir bekannte Songs mit deutschen Texten versehen, teilweise wechselt der Text sogar innerhalb eines Songs zwischen deutsch und englisch.

MB: Da ja nicht jeder mit der Bedeutung der Originaltexte vertraut ist, gibt das sicher beim Publikum nette Aha-Effekte, wenn der Text eines seit langem bekannten Liedes auf einmal direkt verstanden wird?

K: Oh ja, das spiegelt sich oft deutlich in den Gesichtern wider.

MB: Ihr arbeitet ja bereits seit der ersten Revue vor zehn Jahren in dieser Besetzung zusammen und seid perfekt aufeinander eingespielt. Sind gleichwohl Änderungen geplant?

K: Ja, der verehrte Kollege Matthias „Brandy“ Brandt wird uns am 19.10. erstmalig mit seinem Schlagzeug verstärken. Auf diese Zusammenarbeit freuen wir uns sehr.

MB: Ihr wart mit Euren verschiedenen Revues immer auch im Friedrichshagener Bräustübl, hat es damit eine besondere Bewandtnis?

K: Auf jeden Fall, wir spielen einfach gerne hier, weil alles stimmt. Die Location hat Stil, die Akustik ist klasse und die Friedrichshagener haben uns von Anfang an die Treue gehalten.

MB: Vielen Dank für das Interview, wir freuen uns auf ein Wiedersehen und –hören am 19. Oktober im Alten Ballsaal.