In Freiheit leben
Die fünf ausgefallensten Aussteiger-Enklaven Europas

In absoluter Freiheit zu leben und den Einklang mit anderen Menschen und der Natur zu genießen ist wohl das, wovon viele Menschen an einem verregneten Tag im Büro träumen. Doch die wenigsten entschließen sich zu diesem drastischen Schnitt und entscheiden sich für ein Leben als Aussteiger. Ohne Geld und ohne Sicherheit zu leben, ist für die meisten dann doch undenkbar und sie entscheiden sich lieber für die nächste Urlaubsbuchung oder einen Jobwechsel.
Altes Boot auf einer Wiese am Meer
Foto: liggraphy from Pixabay

Während in den 1970er Jahren viele Hippie-Kommunen gegründet wurden, haben sich viele auch schon wieder aufgelöst. Dennoch gibt es immer noch einige Möglichkeiten in Europa ein Leben fernab des Systems zu führen.


1. Waldbewohner im Bremgartenwald in der Nähe von Bern

Die Schweiz ist eines der wohlhabendsten Länder Europas mit dementsprechend hohen Lebenshaltungskosten. Wer in den Städten der Schweiz ein gutes Leben bestreiten will, braucht einen gutbezahlten Job. Eine Liste der seriösen Schweizer Online Casinos abzuarbeiten und verschiedene Casinos auszuprobieren kann zwar ebenso wie Lotto spielen ein netter Versuch sein, auch ohne Job durchzukommen. Vielen Aussteigern geht es aber nicht mal um das Arbeiten an sich, sondern um das System, dem sie entfliehen wollen.

Sie wollen in einer friedlichen Gemeinschaft mit ihrer Umwelt leben und suchen sich dafür Konzepte abseits des Mainstreams. Der Bremgartenwald bei Bern ist so ein Konzept. Holz sammeln und Beeren pflücken gehört ebenso zur täglichen Routine der Waldbewohner wie das Waschen von Wäsche im Fluss. In der meisten Zeit wohnen nur fünf Männer unter Zelten und Planen in der kleinen Enklave. Ab und zu kommen mal ein paar hinzugezogen, verabschieden sich aber meist auch schnell wieder. Offiziell ist das Campen im Bremgartenwald nicht erlaubt, das hält die eingeschworene Gemeinschaft aber nicht davon ab.


2. Aussteiger in Beneficio in Spanien

Im Süden Spaniens liegt der kleine Ort Beneficio. Dabei ist Ort eigentlich nicht die richtige Bezeichnung. Es gibt keine Häuser oder festen Strukturen in dem kleinen Dorf im Tal der Alpujarras in der Nähe von Granada. Zelte und Bretterbuden dominieren das Bild der Aussteiger-Enklave, die immer von 300 bis 400 Menschen bewohnt wird. Es gibt dort sogar einen Kindergarten und eine Schule. Beides wird von den Bewohnern selbst organisiert. Einige Leute bleiben nur einige Tage oder Wochen, andere leben schon seit mehreren Jahren dort.

Manche Bewohner haben Autos oder Wohnmobile und bestreiten ihr Leben mit Geld. Andere wiederum versuchen weitestgehend ohne Geld zu leben und beziehen ihre Nahrungsmittel aus der Natur. Im Winter gibt diese oft nicht genug her, sodass sie dann ihre selbstgebackenen Kekse oder selbstgenähte Kleidung auf Märkten verkaufen. Auch der Anbau von Marihuana ist in Beneficio an der Tagesordnung.

Die Welt draußen bezeichnen die Bewohner Beneficios als Babylon. Sie ist ein System, zu dem sie nicht gehören möchten. Sie haben sich für ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit entschieden, mit allem was dazu gehört.


3. Hippies im Valle della Luna auf Sardinien

Im Norden der italienischen Insel Sardinien leben in der Nähe des Capo Testa einige Menschen wild und frei, im Einklang mit der Natur. Künstler, Vagabunden und Sinnsucher bewohnen die verschiedenen Höhlen des Tals und bleiben dort meist mehrere Wochen oder Monate. Dank einer Trinkwasserquelle müssen sie nur selten in den nächsten Ort gehen – dort werden nur gelegentlich einige Lebensmittelvorräte eingekauft. Auch Touristen mischen sich regelmäßig unter die Aussteiger, da das wilde Campen in dieser Ecke Sardiniens erlaubt ist.


4. Freistaat Christiania in Kopenhagen

Eine der bekanntesten Aussteiger-Kommunen Europas ist der Freistaat Christiania in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. In den 1970er Jahren entstand Christiania durch Hippies, die eine ehemalige Kaserne besetzten und dann den Freistaat ausriefen. Dieser hat sich bis heute gehalten und ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Kopenhagens. Der Staat Dänemark duldet den autonomen Raum und die Bewohner haben ihm im Jahr 2012 sogar mit 10 Millionen Euro Teile des Gebiets abgekauft und ein lebenslanges Wohnrecht erwirkt. In Christiania gelten ganz eigene Regeln:

  • Fotografieren ist streng verboten.
  • Harte Drogen sind verboten.
  • Weiche Drogen sind erlaubt.
  • Die Polizei kann dort nicht durchgreifen, hier gilt das Faustrecht.

Die Bewohner Christianias leben dort mittlerweile in der dritten Generation und haben sich komplett selber organisiert. „Sie verlassen jetzt die EU“ steht über dem Eingang des Freistaats und so ganz falsch ist das definitiv nicht.


5. Matavenero in Spanien

Ebenfalls in Spanien liegt das Dorf Matavenero. Rund 60 Bewohner leben dort eng verbunden mit der Natur in den Bergen und haben der Konsumgesellschaft abgeschworen. Hier gibt es keine Elektrizität (außer aus Solarzellen), keinen Stress und keine Straßen. Die meisten Bewohner kommen aus Spanien und aus Deutschland.

Die spanische Regierung lässt sie in Ruhe, was sowohl Vor- als auch Nachteile hat. So gibt es keine Infrastruktur und keine Müllabfuhr – die Mataveneros sind auf sich gestellt. Sie bauen ihre Lebensmittel selber an, heizen mit Holz und unterstützen sich gegenseitig wo es notwendig ist. Direkte medizinische Versorgung gibt es nicht, Handy- und Internetempfang seit einigen Jahren jedoch schon. Dadurch ist die Moderne etwas näher gerückt, was nicht allen Bewohnern gefällt.


Die Überzeugung entscheidet

Wer nun Blut geleckt hat und neugierig auf ein Leben in einer Aussteiger-Kommune geworden ist, wird in den meisten mit offenen Armen empfangen. Allerdings muss die Einstellung stimmen und die Überzeugung groß sein. Schließlich ist das Leben fernab der Gesellschaft nicht für alle Menschen auch wirklich das Richtige und der Traum manchmal romantischer als die Realität.