Sprachlos

Das visuelle Theater der Companie Bodecker Neander gastiert in Köpenick
Sie sind eine Kapazität in ihrem Fach, die beiden Mimen Alexander Neander und Wolfram von Bodecker geben sich ein Stelldichein im Stadttheater Cöpenick.

Am 13. und 14. Dezember präsentieren sie ihr Programm „Silence“ auf für ihre Verhältnisse kleiner Bühne und verzaubern ganz sicher auch hier ihr Publikum.

Als ehemalige Schüler und Bühnenpartner von Marcel Marceau begleiteten sie den Spitzenmimen aus Frankreich mehr als zehn Jahre auf seinen Tourneen rund um den Globus. Seit 15 Jahren spielen sie als eigene Companie ihre Stücke ebenso fast überall auf der Welt, nur Afrika fehlt ihnen noch.

Mit ihrem ersten Stück „Out of the Blue“ kassierten sie zu Beginn ihres gemeinsamen Schaffens den Berliner Publikumspreis – nach eigener Betrachtung (natürlich) durchaus verdient.

Mit außergewöhnlichem Einfallsreichtum ergänzen sie ihre Shows mit Elementen aus Zauberei und Tanz, der Schweriner Wolfram von Bodecker bestritt vor seinem Pantomimestudium

in Paris als gelernter Zauberer sein Leben und war über zehn Jahre lang tricktechnischer Berater von Marceau bis zu dessen Tod im September 2007.

Die Regie ihrer Stücke führt der Franzose Lionel Menard, kaum verwunderlich, auch er war Schüler, Assistent und Ensemblespieler des Meisters aus Straßburg. Er sorgt mit enormen Einfühlungsvermögen und phantasievoller Abstraktion für das Bühnenarrangement und die sensible und gelungene Inszenierung der Shows.

Diese drei Wahlberliner unterrichten auf höchstem Niveau die wortlose Kunst und eröffnen ungeahnte Perspektiven und Möglichkeiten der Darstellung für Laien und selbst für Profis. Die vermeintliche Schwäche, das nicht gesprochene Wort wird zur Stärke – in der erzwungenen Reduzierung auf das Wesentliche und das schnörkellose Spiel liegt die Wahrhaftigkeit, die sich hinter keinem geschliffenen Dialog zu verstecken braucht.

Daß ihnen das Erbe Marceaus über das eigene Schaffen hinaus am Herzen liegt, zeigte der Stuttgarter Alexander Neander zu der Premiere der Revue über das Leben und Wirken des

Meisters im vergangenen November, der er völlig überraschend beiwohnte und anbot, durch Insiderinformationen der Show den letzten Schliff zu geben.

Nach einem Besuch der Companie Bodecker Neander wird klar: Pantomime ist nicht zwingend die unsichtbare Wand, der Ringelpulli, eine halbvolle Büchse mit weißer Schminke gleichmäßig aufgetragen in den Gesichtern der Darsteller und ein, Pardon, zwei Paar weiße Baumwollhandschuhe.

Das verstaubte Image dieser Kunst wird nach einem Theaterbesuch aus den Köpfen der Zuschauer verschwunden sein.
Stadttheater Cöpenick

Friedrichshagener Straße 9

12555 Berlin-Köpenick

Karten unter: 030 / 650 16 23-0

www.bodecker-neander.com