Ein Rathaus zieht um

Ab Anfang 2022 wird das historische Rathaus Köpenick umfassend saniert. Rund 300 Beschäftigte müssen ihre Büros verlassen. Auch das Bürgeramt zieht um.
Noch wird gerechnet und geplant, doch bald werden sich die Umzugs-Lkw in Alt-Köpenick stauen. Dort läuft in den kommenden Wochen ein Groß-Umzug, der auch in Berlin nicht alltäglich ist: Das gesamte Rathaus Köpenick wird ausgeräumt; alle rund 300 Beschäftigten müssen ihre Büros verlassen. Denn das historische Rathaus wird ab Anfang 2022 umfassend saniert, wie Bürgermeister Oliver Igel (SPD) mitteilt: „Die Umzüge sollen bis Ende Januar abgeschlossen sein, anschließend soll kurzfristig mit den Bauarbeiten begonnen werden.“
rathaus koepenick
Foto: Matthias Vorbau

Auch der Bürgermeister sortiert Papiere

In vielen Büros im Rathaus werden derzeit Akten und andere Papiere für den Umzug vorsortiert. Besonders viele sind es im Stadtplanungsamt, wo Ordner voller Bauakten ganze Räume füllen. Auch Bürgermeister Igel, dessen SPD nach der jüngsten Wahl erneut die meisten Stimmen im Südost-Bezirk errang und der voraussichtlich auch für die kommenden fünf Jahre der Rathauschef sein wird, bereitet sich auf den Umzug vor. Regelmäßig sortiere er derzeit alte Papiere aus, die nicht mehr benötigt würden oder die digital vorlägen, sagt er.
„Dann muss ich vielleicht nicht mit so viel Papier umziehen.“
Die Kisten für den Umzug seines Büros werde er selbstverständlich selbst packen.

Zweieinhalb Jahre Bauarbeiten

Für voraussichtlich zweieinhalb Jahre wird das historische Rathaus eine Baustelle sein. Die Liste der Arbeiten ist lang. Sie reicht von der dringenden Aktualisierung des Brandschutzes über die Instandsetzung der Fenster und den Umbau der Sanitäranlagen und der Kantine bis zu neuer Beleuchtung im gesamten Haus sowie der Grundinstandsetzung der Aufzüge.  

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  Die Sanierung wird gut zehn Millionen Euro kosten. Das Geld kommt aus dem sogenannten SIWANA-Fonds des Landes Berlin, einem 650-Millionen-Euro-Sonderfonds für den Erhalt und den Ausbau der Infrastruktur der wachsenden Stadt. Treptow-Köpenick hat davon rund 30 Millionen Euro abbekommen. Neben der Sanierung öffentlicher Dienstgebäude wie dem Rathaus werden davon unter anderem auch die Erweiterung und die Modernisierung von Schulen und Kitas finanziert.

Umzug zur Allianz und Eheschließungen in Treptow

Für die rund 300 Mitarbeiter des Bezirksamtes, die im Rathaus arbeiten, ändert sich also demnächst vieles. Etwa 70 von ihnen ziehen in andere Dienstgebäude, wo die Mitarbeiter zusammenrücken müssen. Rund 230 Beschäftigte werden in Adlershof in neuen, modernen Büros untergebracht. Im dortigen Campus der Allianz nahe dem S-Bahnhof hat das Bezirksamt Büros angemietet. Bürgermeister Igel:
„Die Verträge laufen bis zum vierten Quartal 2024, das heißt, in zweieinhalb Jahren müssen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein.“
Auch das Bürgeramt im Rathaus wird nach Adlershof umziehen. Bei laufendem Betrieb sei auch dort ein Arbeiten auf einer lärm- und staubintensiven Baustelle für Mitarbeiter und Besucher unzumutbar, sagt Igel. Wer also ab Anfang kommenden Jahres beispielsweise neue Ausweise oder Pässe braucht beziehungsweise Wohngeld beantragen muss, wird sich auf längere Wege einstellen müssen. Gut, dass es vor dem Rathaus eine direkte Straßenbahnverbindung zum Ausweichstandort in Adlershof gibt. Aber nicht alle Ämter werden von Alt-Köpenick nach Adlershof ziehen. Das Standesamt zum Beispiel wird im Rathaus Treptow an der Neuen Krugallee weiterarbeiten. Der Umzug dorthin ist für Dezember vorgesehen.

Denkmal Rathaus

Das Rathaus Köpenick ist eines der bekanntesten Rathäuser in Berlin. Erbaut wurde es von 1901 bis 1905 in märkischer Backsteingotik für die damals eigenständige brandenburgische Stadt Cöpenick. Mehrfach erweitert, steht das Gebäude mit seinem 54 Meter hohen Turm an der Ecke zur Rosenstraße seit 1982 unter Denkmalschutz. Weltbekannt wurde das Haus nur ein Jahr nach seiner offiziellen Eröffnung durch den arbeitslosen Schuster Wilhelm Voigt, der am 16. Oktober 1906 als falscher Hauptmann die Stadtkasse stahl und den Bürgermeister verhaftete. Seit 1996 erinnert vor dem Haupteingang des Rathauses eine Bronzeskulptur an die Geschichte des „Hauptmanns von Köpenick“, im Erdgeschoss gibt es zudem einen Raum, in dem der Coup nacherzählt wird. Ab 1990 entstanden durch Ausbau der Dachetage weitere Büroräume, und im Jahr 2005 wurden Sitzungssaal und Treppenhaus denkmalgerecht rekonstruiert. Als ab 2010 der Rathaushof saniert wurde, wurden dort Mauerreste des Vorgänger-Rathauses aus den Jahren 1720 bis 1750 freigelegt.

Ratskeller bleibt offen

Ein Anziehungspunkt im Rathaus soll auch während der Sanierungsarbeiten bestehen bleiben: Der Ratskeller mit seinen historischen Gewölbe-Restaurant soll – nach aktuellem Kenntnisstand – weiter geöffnet bleiben. Restaurantchef Wolfgang Pinzl begründet das so: „Wir sind von den Bauarbeiten wenig berührt.“

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