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Kolonialgeschichte und Karibik, Korallen und Katamarane

„Ein Licht, das von innen her leuchtet, kann niemand auslöschen.“ Diese kubanische Lebensweisheit charakterisiert das Leben auf der größten Karibikinsel treffend. Gut gelaunte, freundliche Menschen, Livemusik in Gassen und Bars, frische Cocktails und bunte Cadillacs – das sind die Sonnenseiten der „Königin der Antillen“. Hinter den Kulissen der beeindruckenden Paläste bröckelt jedoch vielerorts der Putz, einstige Prunkbauten gleichen heute Ruinen, die Währung der einheimischen Bevölkerung verliert immer weiter an Wert. Auch das ist Kuba. Gut 50 Jahre nach der Revolution durch die Bru?der Fidel und Ral Castro, Ernesto „Che“ Guevara und ihre Rebellen erlebt man auf der 1200 km langen und zwischen 30 und 190 km breiten Insel eine facettenreiche Zeitreise. Oder wie es Fidel Castro bereits 1959 ausdru?ckte: „Eine Revolution ist kein Rosenbett. Eine Revolution ist ein Kampf zwischen der Zukunft und der Vergangenheit“. Mit einer glimmenden Havanna- Zigarre sitzen wir an Bord der Belize 43, einem 13 Meter langen Katamaran. Die Wellen schwappen gleichmäßig an den Rumpf des Bootes, der schneeweiße, kilometerlange Strand aus fein zermahlenen Korallen, die tu?rkisfarbene Lagune, der azurblaue Himmel und die wenigen Schäfchenwolken erinnern an Postkarten und großformatige Wandkalender.

Wir ankern vor der Insel Cayo Largo am Playa Paraiso. Vor zwei Tagen waren wir in der Weltkulturerbestadt Cienfuegos an der Su?dku?ste Kubas in See gestochen. 23 Katamarane und Monohulls der Anbieter Master- Yachting, Platten Sailing, Alboran/Blue Sail und Dreamyacht Karibik können hier fu?r die unterschiedlichsten Törns angemietet werden, das italienische Unternehmen GPS ergänzt dieses exklusive Charterangebot seit diesem Jahr im rund 100 Kilometer entfernten Trinidad. „99 Prozent unserer Gäste buchen ein- oder zweiwöchige Törns“, erklärt der 48-jährige Skipper Santiago Perez, ein Vollblutseemann, bei dem nicht nur der Vorname an die Hauptperson in Ernest Hemingways literarischem Fischerepos „Der alte Mann und das Meer“ erinnert. Schon nach wenigen Stunden auf hoher See hat man den Eindruck, Herr Perez hätte dem Pulitzer- und Literaturnobelpreisträger Pate fu?r seine weltberu?hmte Erzählung gestanden. Der Passatwind weht in dieser Region beständig aus östlichen Richtungen, wobei er im Winter meist mit 10 bis 15 Knoten eher nach Nordost und im Sommer zwischen 5 und 10 Knoten nach Su?dost tendiert. Die gefu?rchteten Hurricanes können erst bei Wassertemperaturen von mehr als 27C entstehen und beschränken sich deshalb auf September und Oktober. Einer Reisezeit, von der Santiago ohnehin abrät. „Ich wu?rde als Tourist nur in den Wintermonaten nach Kuba reisen. Dann liegen die Wasser- und Lufttemperaturen knapp an der 25-Grad-Marke. Danach wird es teilweise unerträglich heiß. Was aber viel schlimmer ist: Mit dem ersten Sommerregen schlu?pfen in den Mangroven Millionen Moskitos, die einem auch den schönsten Traumstrand vermiesen können“.

ber Stechmu?cken und Hurricane-Warnungen können wir in unserem kleinen Urlaubsparadies nur ungläubig mit dem Kopf schu?tteln. Santiago hat „seiner“ Crew, drei Pärchen aus Mu?nchen, Berlin und Bamberg, im Handumdrehen einen Mojito nach kubanischer Art gemixt – natu?rlich mit frischer Minze und etwas mehr Havanna-Rum, als man das aus deutschen Szenebars kennt. Dementsprechend „tranquillo“ ist die Stimmung auf dem Vorderdeck. Entspannt liegen wir in dem geknu?pften Netz, welches die beiden Kufen unsres Kats u?berspannt. Unter uns karibisches Blau und ein rund ein Meter langer Barracuda. Seinen kleinen Bruder hat vor gut einer Stunde ein Freund von Santiago fangfrisch mit einem Schlauchboot vorbeigebracht und gegen eine Flasche Havanna-Rum eingetauscht. Einige gekonnte Messerschnitte, ein paar Gewu?rze und schon brutzeln die Filets in der Bordku?che, während die Passagiere den Sundowner genießen und sich an einige Passagen aus der oben bereits angesprochenen Hemingway-Saga erinnern.

„Die Brise war stetig. Sie hatte ein wenig weiter nach Norden gedreht, und er wusste, dies hieß, dass sie nicht abflauen würde. Der alte Mann blickte in die Weite vor sich, aber er konnte keine Segel sehen, noch konnte er den Rumpf oder den Rauch irgendeines Dampfers erblicken. Es gab nichts als die Fliegenden Fische, die vor seinem Bug aufstiegen und nach beiden Seiten davonsegelten, und die gelben Flecken vom Golftang. Er konnte nicht einmal einen Vogel sehen.“

Im Grunde gibt es bei der Auswahl eines Chartertörns von Cienfuegos oder Trinidad nur zwei Optionen. Entweder Richtung Su?dosten in das „Archipilago Jardines de la Reina“, die beru?hmten „Gärten der Königin“. Diese einmalige Inselwelt mit seinen Hunderten Felsen und Untiefen genießt gerade bei Tauchern und Anglern einen herausragenden Ruf, nicht wenige Experten schwärmen beim Golfo de Santa Maria von einem der schönsten, fischreichsten und farbenfrohesten Korallenriff e auf unserem Globus. Hier kann man Haie fu?ttern, ihnen bei Tauchgängen ganz nahe kommen und eine weitestgehend unberu?hrte Unterwasserwelt genießen. Oder Richtung Westen nach Cayo Largo, Cayo Rosaria und die Isla de Juventud. Auch hier lohnt sich der Griff zur Taucherbrille, natu?rliche Lagunen und karibische Endlos-Strände lassen hier vor allem die Herzen von Badenixen und Strandwanderern höher schlagen. „Die Mehrheit unserer Gäste zieht es Richtung Cayo Largo, das ist Karibik-Feeling pur“, erklärt Santiago. Aufgrund des rund zehnstu?ndigen Schlags von Cienfuegos nach Cayo Largo empfiehlt Santiago zuku?nftigen Kuba-Seglern einen zweiwöchigen Törn. Denn typisch Kuba: Von der Cayo Sal, der östlichsten Insel vor Cayo Largo bis Cienfuegos, im Schlagschatten der beru?hmt-beru?chtigten Schweinebucht (Bahia de Cochinos) ist der Seeraum fu?r Schiff e aller Art komplett gesperrt. Zwar wird seit einigen Monaten hinter den Kulissen um eine Auflösung dieses Verbots und die damit verbundene Aufwertung des Segellandes Kubas gekämpft. An eine zeitnahe Entscheidung der Behörden glauben aber selbst die ku?hnsten Optimisten nicht.

„Nur wer etwas Zeit mitbringt, kann in Kuba richtig abschalten und unsere wunderbare Natur perfekt genießen. Sicher lässt sich auch in einer Woche auf dem Wasser viel erleben. Dann erlebt man das Paradies aber nur im Schnelldurchlauf“, so Santiago. Und mit einem Lächeln und einer ruhigen Handbewegung fu?gt er nach einer kurzen Pause hinzu.
„Tranquillo!“

KUBA-YACHTCHARTER IM INTERNET

In Cienfuegos
Die Schiffe können u?ber Master Yachting Deutschland gechartert werden. www.master-yachting.de, www.alboran-charter.com, www.dreamyachtcharter.com, www.amazingfleet.com

In Trindad
www.trend-sailing.de


Matthias Vorbau

Ein Beitrag von Matthias Vorbau

Matthias Vorbau nennt sich Chefredakteur des Maulbeerblattes. Eigentlich ist er Kommunikationsdesigner mit Diplom. Zitat: "Das Leben zwingt einen zu zahlreichen freiwilligen Entscheidungen."