plumps-in-den-sommerJa, richtig gelesen! Tür auf, Arsch raus, Tür zu! Da draußen gibt es eine Welt, die nichts mit eurer gemütlichen Couch neben Mustertapete zu tun hat. Ab Ende März ticken die Uhren wieder anders, nämlich im Takt der Sommerzeit. Dann ist es schon höchste Zeit. Da sind andere Vögel schon wieder zurück aus Afrika!

Moralisch sind notorische Radfahrer, Kanuten und andere Vagabunden da klar im Vorteil, zumal wenn das Wetter auch moralisch werden sollte. Die Couchies hingegen werden es schwer haben, sich zu rechtfertigen, wenn sie jetzt nicht geistesgegenwärtig eine Arthrose vorschieben. Doch Vorsicht: Nicht jeder Einwand funktioniert. Der in Finanzkrisen beliebte Hinweis auf das verschwundene Geld, das jetzt woanders und nicht im eigenen Portemonnaie ist, hilft da wenig, denn Rausgehen geht auch barfuß und im Büßerhemd – letzteres insbesondere für jene, die jahrelang meinten, dass es eh zu spät sei, noch ein Leben jenseits der Wohnungstür zu beginnen. Tut Buße, gerne auch gleich für die vielen Sünden, die sich im Winter so angesammelt haben.

Gelegentlich kommt die Frage nach dem Warum auf. Eine Antwort darauf braucht kein Mensch mehr, wenn er erst einmal draußen angekommen ist. Aber das zweckfreie Umherschweifen dient letztlich doch einem Zweck: dem Umherschweifen. Zusätzlich kommt es häufig noch zu anderen Nebenwirkungen wie sich wohl zu fühlen, fit und eben auch schön zu sein, denn fit macht sexy und ein harter Hintern sieht besser aus als ein weicher Bauch.

Und alle, bei denen der erste Versuch mal wieder schief geht, weil sie sich verirrt oder an einem Baum gestoßen haben, seien damit getröstet, dass sie die wichtigste Erfahrung von allen gemacht haben: Demut. Sie stellt sich dann ein, wenn man mal wieder feststellt, wie groß und gefährlich doch die Welt im Vergleich zu unser aller kleinen kläglichen Existenz ist. Für alle Irritierten: Demut ist ein Wort, das man im Duden nachschlagen kann. Was dort jedoch nicht steht: Demut ist eine Eigenschaft, die uns in der egozentrikfördernden Umgebung des heiligen WWW der Exhibitionisten und in den eigenen vier Wänden nur allzu leicht abhanden kommt; besonders dann, wenn man sich der permanenten Strahlung von giftig-schrillen Mustertapeten aussetzt und sich dabei von unzähligen Castingshows berieseln lässt. Dann kann es durchaus vorkommen, dass der Nebenmann plötzlich mit einer Television vor Augen von der Couch aufspringt und den festen Glauben findet: Ich bin ein Star, holt mich hier ab! Wer jetzt den irrigen Schluss zieht, die Welt hätte auf ihn gewartet und steht bereits vor seiner Haustür, um jeden Augenblick anzuklopfen, der wird spätestens nach dieser unvermeidbaren Enttäuschung eines bitter nötig haben: Rausgehen als Selbsterfahrung.

Allen intellektuellen Einsiedlern, die jetzt mit dem Vorwand kommen, sie hätten bei so viel geistiger Beschäftigung, die ihnen zuteil ist, gar keine Zeit, um sich aus den Schatten der Bücherregale zu wagen, denen sei mitgeteilt, dass Bewegung die Ausschüttung von Dopamin anregt. Ja und? So ein bisschen chemisches Glück kann ich gut entbehren, denn dann ist es auch nicht so traurig, wenn’s wieder verflogen ist, könnte der Einwand lauten. Aber: Dopamin steht im Verdacht, unmittelbar positiv auf die Entwicklung neuer Gehirnzellen zu wirken – schlau durch Boxen oder zumindest eine Vorraussetzung dafür erreichen. Und jedem Zweifler, der jetzt an Stephen Hawking denkt, halte ich Dr. Klitschko dagegen. Schon die antiken Griechen – auch wenn sie es gelegentlich damit übertrieben haben – betonten, dass Körper und Geist zusammengehören. Man muss sich ja auch nicht gleich auf die Fresse hauen, zumal das anatomische Komplikationen mit sich bringen kann, wenn ständig die Hirnrinde an der Schädeldecke schabt. Bis zum Biergarten ist ja auch schon ein Anfang, und wer dann Angst um seine Gehirnzellen bekommt, weil er wieder einmal zuviel getrunken hat, der kann sich ja neue machen, indem er nach Hause läuft.

Wer sich dennoch nicht aus dem WWW wagen möchte oder noch Tipps und Anregungen für Freiluftabenteuer sucht:www.roadreport.de