Jazz am Kaisersteg
11. Juli um 15:00
Willi Kellers – The Circle
Besetzung
Hans Peter Hiby – Reeds
Rieko Okuda – Piano
Meinrad Kneer – Bass
Willi Kellers – Drums
Mit The Circle hat Willi Kellers ein außergewöhnliches Projekt ins Leben gerufen, das musikalische Begegnungen auf höchstem Niveau zelebriert. Die Idee: Musikerinnen und Musiker, mit denen er in den vergangenen Jahren auf Bühnen von Moers über Peitz und ganz NRW bis hin zu internationalen Festivals und Clubs zusammengearbeitet hat, in einem Kreis – einem „Circle“ – zu vereinen.
Im Zentrum steht die gemeinsame Leidenschaft für zeitgenössischen Jazz: eine Musik, die im Moment entsteht, getragen von Live-Komposition und radikaler Improvisation. Genau darin liegt ihre Kraft, denn Improvisation ist und bleibt die Seele des Jazz und unterscheidet ihn grundlegend von anderen Musikformen.
Alle Mitglieder des WK Circle sind international renommierte Künstlerpersönlichkeiten. Jede Musikerin und jeder Musiker bringt eine eigene, unverwechselbare Stimme ein – auf höchstem künstlerischem Niveau. Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Verständnis von Jazz als freier Kunstform: fernab von bloßer Reproduktion großer Vorbilder, hin zu einer lebendigen, offenen und stets überraschenden Klangsprache.
Publikum und Presse zeigen sich gleichermaßen fasziniert und oft auch erstaunt: Kaum zu glauben, dass diese dichten, komplexen musikalischen Strukturen ohne festgelegte Kompositionen entstehen – allein aus dem Moment heraus, aus Leidenschaft, Vertrauen und der Freude am gemeinsamen Spiel.
Der Musiker Luten Petrowski brachte es einmal auf den Punkt: Viele hätten vergessen, dass Jazz eine Kunstform ist. Im WK Circle wird genau dieser Gedanke eindrucksvoll Wirklichkeit.
Witold – Orchestrale Musik fürs Trio
Besetzung
Kalle Kalima – Gitarre
Uli Kempendorff – Reeds
Moritz Baumgärtner – Drums
Das Trio Witold mit dem Gitarristen Kalle Kalima, dem Saxophonisten Uli Kempendorff und dem Schlagzeuger Moritz Baumgärtner hat sein jüngstes Album Witold Plays Lutosławski dem polnischen Dirigenten und Komponisten Witold Lutosławski gewidmet – genauer gesagt dessen Volksliedbearbeitungen, den Melodie Ludowe, die in der Nachkriegszeit entstanden.
Die Geschichte begann 2019, als Kalle Kalima eine Bearbeitung von Lutosławskis Folk Melodies für Gitarre zu einer gemeinsamen Session mitbrachte. Die drei Musiker leben in Berlin und treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Musizieren. Auf die Musik Lutosławskis stieß Kalima eher zufällig:
„Ich bin plötzlich auf diesen faszinierenden Komponisten aufmerksam geworden und habe im Internet nach Noten gesucht, die wir fürs Jammen nutzen könnten.“
Fündig wurde er bei einer Sammlung von Volksliedern aus den 1940er-Jahren, arrangiert für klassische Gitarre. Das Trio war sofort von den harmonischen Ideen Lutosławskis begeistert.
„Als Jazzer haben wir diese Stücke genommen, darüber improvisiert und die Kompositionen mit Akkordsymbolen ergänzt“, erklärt Moritz Baumgärtner.
Dabei ging es nie darum, die Vorlagen lediglich nachzuspielen.
„Vielmehr haben wir dazugetan, was uns eingefallen ist. Damit haben wir die Grundlage für unsere eigenen Arrangements geschaffen“, sagt Uli Kempendorff.
Diese Arrangements erprobte das Trio bei Konzerten und stellte fest, dass auch Werke anderer Komponisten mit ähnlicher musikalischer Sprache geeignet sein könnten – insbesondere aus der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und den späten 1940er-Jahren.
So entdeckten sie Kompositionen von Béla Bartók und Dmitri Schostakowitsch, insbesondere Streichquartette und andere Kammermusikwerke, die sie für ihre ungewöhnliche Trio-Besetzung neu arrangierten.
„Schostakowitschs Streichquartette auf Gitarre, Saxophon und Schlagzeug auszurichten, war superschwierig“, erinnert sich Kalle Kalima. „Da vieles in c-Moll geschrieben ist, musste ich sogar die tiefste E-Saite meiner Gitarre auf C herunterstimmen.“
Während der Pandemie fand das Trio die notwendige Zeit, sich intensiv mit dieser aufwendigen Arbeit auseinanderzusetzen. Ziel war es, die musikalische Substanz der Originale zu bewahren und gleichzeitig eine eigene künstlerische Handschrift zu entwickeln.
„Wir waren am Ende selbst überrascht, wie die ursprünglichen Stücke nach unserer Überarbeitung klingen würden – es war eine Entdeckungsreise“, sagt Uli Kempendorff.
Dabei sehen die Musiker ihre Arbeit durchaus in einer Tradition mit den Komponisten selbst:
„Im Prinzip haben wir dieselbe Arbeit gemacht wie unsere Komponisten: Sie haben Volkslieder genommen und neu arrangiert. Und wir nehmen jetzt ihre Arrangements, schreiben sie um und improvisieren.“
Da die Improvisation eine zentrale Rolle spielt, versteht das Trio sein Album Witold Plays Lutosławski als Momentaufnahme.
„Schließlich kann aus den Grundlagen bei den Konzerten immer etwas Neues entstehen“, betont Moritz Baumgärtner.
Dieses Prinzip prägt das gesamte Ensemble, das bewusst ohne Bandleader arbeitet.
„Auch wenn ich damals die Musik von Lutosławski ins Spiel gebracht habe, arbeiten wir alle gleichberechtigt zusammen und diskutieren über die Umsetzung. Auch bei den Improvisationen bringen sich alle ein. So wie es für jeden passt“, sagt Kalle Kalima.
