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Im Grunde war es ein ganz simpler Plan: Vater und Sohn fahren mit den Fahrrädern zu einer kleinen Gartenparty bei Freunden. Plötzlich jedoch ruft ein Kumpel des Sohnes an, ob er uns besuchen kann. „Kein Problem eigentlich“ sage ich, „aber wir fahren alle zu einer kleinen Gartenparty bei Freunden.“ „Kein Problem eigentlich“ sagt er, und irgendwann ist er da. Leider erfahre ich erst jetzt, dass er zu Fuß gekommen ist, weil sein Fahrrad kürzlich geklaut wurde. „Kein Problem eigentlich, mein Sohn hat ja noch ein Rad – wenn man das mal so nennen kann.“ Es ist so ein winziges Spaßmodell, wo man sich einen Wolf trampelt, um am Ende nicht schneller zu sein als ein Fußgänger. Doch den Kindern macht das natürlich Spaß, und sie diskutieren bereits darüber, wer zuerst darauf fahren darf. Mir allerdings missfällt die Vorstellung, nur im Schritttempo voranzukommen, weil wir immer auf das Zwergenfahrrad warten müssen.

Da fällt mir mein Bollerwagen ein. Ich muss ihn erst noch noch aufpumpen, aber die Zeit holen wir wieder raus. Mit einem Kind hinten drin kann ich zwar nicht rasen, aber wir werden immer noch schneller sein als mit dem Mikro-Bike im Schlepptau. „Passt auf,“ sage ich „Wir fahren mit 2 normalen Rädern, und einer sitzt im Bollerwagen, okay?“ „Na gut“ antworten die Kinder, „Bollerwagen fetzt auch!“ Also diskutieren sie nun darüber, wer zuerst gezogen werden darf. Als ich mit dem Aufpumpen fertig bin, beschließen sie, dass der, der gerade nicht im Bollerwagen sitzt, zum Ausgleich das Zwergenfahrrad nimmt. Und auf halbem Wege wird gewechselt. Na toll!

Aber kein Problem eigentlich, wenigstens fällt der Geschwindigkeitsverlust durch das Kind im Wagen nicht mehr ins Gewicht, weil wir ja ohnehin das Spielzeugrad am Hacken haben. Egal Mann, Schwamm drüber, schließlich spielt sich das alles in Friedrichshagen ab, es geht hier also letztendlich nur um ein Paar Minuten. Auf geht’s. Der Sohn sitzt hinter mir, der Kumpel fährt vor mir, und seine Füße hüpfen schnell auf und ab. Irgendwann wird gewechselt, irgendwann kommen wir an, die Party ist toll und alles ist gut. Hatte ich schon erwähnt, dass der Kumpel schon um 18:00 Uhr zu Hause sein muss? Wir wollen gern noch länger bleiben, und alleine will ich ihn auch nicht losschicken. „Kein Problem eigentlich, ich fahr dich schnell im Bollerwagen hin.“ „Ich komm mit!“ ruft der Sohn. Ja! Zuerst versuche ich ihn zu überreden, auf unsere Tasche aufzupassen, doch die Gastgeberin bietet sich an, dies zu übernehmen. Ich gebe mich geschlagen: „Kein Problem eigentlich, dann fahre ich dich eben langsam hin.“ Darüber hinaus stelle ich die Bedingung, dass der Sohn, wenn wir schon in die Richtung fahren, gleich zu Hause das Zwergenfahrrad gegen das etwas größere tauscht, damit wenigstens ab da alles schneller geht. Irgendwann Kumpel abgegeben, irgendwann zu Hause angekommen – und festgestellt, dass der Schlüssel für das etwas größere Rad in der Tasche auf der Party ist. Kein Problem eigentlich …

Am 16.10. um 21:00 Uhr im Admiralspalast: Alf Ator mit dem interaktiven Playbacktheaterstück „Das noch neuere Testament“


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“