Urlaubsträume – Die ABER schönsten Orte

Holger Claaßen im Zwiegespräch mit sich selbst und seinen Urlaubsplänen
Erstveröffentlichung am 22.07. 2016
Die schönste Zeit im Leben eines Mannes ist ihm sein Urlaub. Es ist die Zeit, in der man seine kleinen Träume verwirklichen kann, man kann wie Columbus ferne Länder bereisen, auf Malle Eimer um Eimer leeren, um zu beweisen, was für ein tougher Säufer(innen) man/frau ist oder in der Ägäis auf dem Bananenboot die Wellen bezwingen. Jeder, wie er es braucht. Oder Ski fahren. Oder auf dem Balkon Geranien gießen, dabei schwitzen, Bier saufen und nach kurze Röcke schielen.

Meines ist das alles nicht. Ich verbringe meinen Urlaub gern arbeitend. Mir ist es Urlaub genug, wenn ich Urlaubsreife mit dem Taxi zum Flughafen oder Bahnhof fahren darf. Ich bin zufrieden, wenn ich startenden Flugzeugen und ausfahrenden Zügen nachsehen kann. Da stellt sich schnell Fernweh ein und Fernweh ist eine Regung deines Bewusstseins und damit ist bewiesen, das man noch nicht bis auf den Tod abgestumpft ist.

Gern verzichte ich aufs Trinkgeld, und wenn ich das Fahrgeld nicht bei meiner Firma abrechnen müsste, ich würde unentgeltlich arbeiten, weils mir solch einen Riesen-Spaß macht. Wer braucht schon Geld, wenn er Arbeit hat. Ich hatte mal einen Chef, der empfahl mir das tägliche Arbeiten ohne freie Tage, weil man so weniger Geld ausgibt. Wo er Recht hat, da hat er Recht, mein ehemaliger Chef.

Taxifahren ist bekanntermaßen viel zu teuer, aber ins besonders für den Fahrer, denn der verschenkt nämlich Lebenszeit statt nur ein paar Euronen. Also, wem die Kohle fehlt, der fährt besser Bahn, als mit dem Taxifahrer zu feilschen. Gut Schluss jetzt. Nicht weiter nachdenken und Schwamm darüber.

Jetzt halt die Fresse, ich bin noch nicht fertig. Am liebsten fahre ich Touristen. Es ist mir als Berliner zwar unerklärlich, wie man Berlin zu seinem erklärten Traumurlaubsziel machen kann. Liegt wahrscheinlich an den ausgedehnten Stränden oder den vielen Baustellen. Viele Berlinbesucher kommen nämlich aus Ländern, um die es, statistisch gesehen, wirtschaftlich viel schlechter steht und auch mit hoher Arbeitslosenquote. Da gelten unsere schwitzenden Bauarbeiter als so etwas wie eine Touristenattraktion. Das erklärt auch, warum hier keine Baustelle fertig wird. Ist ein wenig wie in einem Museumsdorf, da wird nur Programm gemacht, wenn Zuschauer da sind. Gruppenermäßigung ausgeschlossen. Ach, ja. Und natürlich die deutschen Pausenvorschriften.

Und: Es gibt mehr Leute, als man denkt, die gern dort Urlaub machen, wo andere arbeiten. Das führt jetzt aber ins Bodenlose und wenn ich ehrlich bin, ich würd` mein Geld zurückverlangen, wenn ich das Adlon gebucht und seit gefühlten Jahrzehnten ein Baustelle vor der Nase hätte. 5-Sterne-Workspotting, muss jeder selber wissen, wie er seine Kohle verbrennt.

Kann natürlich sein, die Reichen und Schönen stehen masturbierend am Fenster ihres Hotelfensters und zum Höhepunkt kommend mit sich und der Welt zufrieden seiend, weil es immer noch so viele Trottel gibt, die den feinen Herrschaften die Kohlen aus dem Feuer holen.

Genug gejammert, sonst denkt noch einer, ich wäre neidisch. Das bin ich nicht. Ich bin nur stinksauer, in der Gesellschaft derer zu leben, die offensichtlich zu blind ist, die Dinge zu sehen, wie sie sind und ihre Probleme anderen armen Teufeln in die Schuhe schieben. Und ich fürchte mich vor den Trotteln, die autoritäre Kackparteien wählen in der Hoffnung, das die ihre Probleme beseitigen, sprich diese anderen armen Teufeln in die Schuhe schieben. Ich bin nicht blind, ich sehe auch, das es Probleme gibt mit Einwanderern, aber…

Jetzt ist is aber wirklich genug damit. Du versaust uns den wohlverdienten Urlaub und den sollt ihr haben. Noch eine klitzekleine Empfehlung und weil es zum Thema der Ausgabe passt: Für alle die, die mehr auf Abenteuer stehen als auf Flüchtlinge empfiehlt das Reisebüro in diesem Jahr eine Reise nach Falludscha. Stornieren der Rückfahrt ohne Extrakosten, Bananenbootfahrt übers Mittelmeer, wenn nötig, inklusive.

Ja,ja, Herr Claaßen, immer wieder die alte Leier. Antworten hast Du aber auch keine. Hab ich schon, die passen nur leider nicht ins Maulbeerblatt. Aber wenn Du ganz lieb `bitte, bitte sagst, dann werde ich vielleicht noch Politiker und gerne auch Bürgermeister von Köpenick. Das zumindest kann ich allemal.


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