Die Entdeckung

Das Wurmloch zum Saturnmond Ganymed

alfEs war einmal ein junger Mann aus Bielefeld, der gerade ein Pädagogikstudium in Berlin absolvierte. Mit ein wenig Unterstützung von Seiten seiner Eltern und des Staates, sowie einem kleinen Nebenjob in einem Getränkelager konnte er bald seine erste Wohnung beziehen. Sie lag in einem beschaulichen Randbezirk namens Friedrichshagen und war auch nicht allzu groß, hatte nur ein Zimmer, dafür aber einen sehr geräumigen Keller. Leider war dieser vollgestopft mit Schrankteilen, einem kaputten Fahrrad und drei Kartons voller Schuhe. Als er sich daranmachte, ihn zu entrümpeln, entdeckte er in der Ecke eine Anomalie im Raum-Zeit- Kontinuum.

Es war ein stabiles Wurmloch von der Größe einer Bratpfanne, und wenn man hindurch sah, erblickte man die Oberfläche des Saturnmondes Ganymed im Jahre 3200. Nachdem er eine Stunde fassungslos davor gesessen hatte, überlegte er, was nun zu tun sei. Durchzuklettern schien zu riskant, denn erstens wusste er zu wenig über Temperatur und Atmosphäre auf Ganymed, und zweitens gab es keine Garantie für eine Rückkehr. Die Behörden darüber zu informieren, gefiel ihm auch nicht. Denn erstens bestand die Möglichkeit, dass er als Mitwisser einer solch bedeutenden Entdeckung vom Geheimdienst getötet wird, und zweitens hatte er keine Lust, den gerade entrümpelten Keller wieder an irgend eine Behörde zu verlieren.

Am sichersten erschien es ihm, zunächst genau zu prüfen, womit er es hier zu tun hat, und welche Institution am wenigsten die Gefahr in sich barg, so etwas bedeutendes für finstere Machenschaften zu missbrauchen. Er dachte auch darüber nach, seine Entdeckung einfach im Internet zu veröffentlichen. Doch damit würde er sich eventuell die Möglichkeit verbauen, Kapital aus dieser Sache zu schlagen. Außerdem wäre es durchaus möglich, dass eine solche Aktion zu einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen könnte. Also stellte er ein paar Bretter vor das Loch und ging in seine Wohnung zurück.

Tagsüber war er Student und Lagerarbeiter. Nachts jedoch saß er vor dem Computer und sammelte Informationen über Ganymed, Teleportation und Zeitparadoxa. Er erfuhr, dass bald ein großer Kongress von Astrophysikern in Heidelberg stattfinden wird. Einen Monat später war er dort. Sein erster Kontakt war eine junge Physikprofessorin aus Leipzig. Sie waren einander sehr sympathisch, kamen schnell ins Gespräch, sicherheitshalber weihte er sie noch nicht ein, doch durch seine Recherchen stand er nicht ganz doof da.

Sie sahen sich nun öfter, mal war sie in Berlin, mal besuchte er sie in Leipzig. Sie verliebten sich, heirateten, bekamen zwei niedliche Kinder, und als er sein Studium beendet hatte, zogen beide in das Haus seiner Eltern in Bielefeld, wo er eine Stelle als Lehrer für Deutsch und Geschichte bekam. Sie gab ihren Beruf für die Familie auf, und als die Kinder größer waren, wurde sie ebenfalls Lehrerin an seiner Schule. Jeden Sommer fuhren sie nach Dänemark, wo ein fest installiertes Wohnmobil stand. Er erwies sich bald als unschlagbarer Grillmeister.


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