Das Erste, was heut morgen passierte: Ich trat in Katzenkotze.
„Katzenkotze“, entfuhr es mir zwischen zusammengebissenen Zähnen und ich setzte mich in den Sessel (auf den Hund, der winselnd aufsprang – nicht ohne eine kleine Schreck- und Angsturinade auf dem Teppich zu hinterlassen), um sie mir vom Fuß zu wischen.
Katzenkotze an sich ist schon nicht das Schönste, vor allem nicht am Fuß, aber wenn Sie „Katzenkotze“ einfach mal aussprechen – dieses harte, zischende, feindselige Wort – wird Ihnen sicher bewusst, dass Katzenkotze das Letzte ist, was einem am Morgen als Erstes passieren sollte …
Da meine Augen noch nicht wirklich betriebsbereit waren und in Absprache mit meinem morgens nur langsam anlaufenden Hirn ein Duett der Unschärfe betrieben, wischte ich die Katzenkotze leider mit meiner letzten frischen Unterhose, statt, wie erhofft, mit einem der bei mir immer ausreichend vorhandenen Küchentücher ab. – Natürlich stellte ich das erst fest, als ich jene Hose anzog und es mir entsprechend gleich feucht und nass am Gemächt wurde.
Ich hab nichts gegen feucht und nass am Gemächt, aber … (Ich denke, das müssen wir nicht vertiefen!)
Im Versuch, das verräterische Täuschungsduo – Aug und Hirn – wahrnehmungsrelevant zu stimulieren, machte ich Filterkaffee. Ich wollte es zumindest.
Filterkaffee ist eine Erfindung irgendwann aus dem letzten Jahrhundert und existiert eigentlich nur noch in Brandenburger Bahnhofskiosken oder im Garten meines Vaters. (Mein Vater besteht darauf, dass ich sage „im Garten meines Vaters“, deshalb schreibe ich das, denke dabei aber „MEIN Garten!“) Heutzutage trinkt der hippe Wachwerdwoller ja Latte Macchiato, Milchkaffee oder Espresso; ich hatte nur Filterkaffee. Dazu braucht man eine Filterkaffeemaschine und Kaffeefilter. Beides stand im Garten meines Vaters auch zur Verfügung, aber das verräterische Duo machte mir einen Strich durch die Rechnung …

Ich kürze einmal ab, nicht nur dem Medium Kolumne zuliebe, auch deshalb, weil es sich eigentlich ergibt: Beim Versuch, Filter aus dem Schrank zu holen, fiel eine der zwölf hier vorhandenen Thermoskannen herunter. Ich konnte zwar mit meinem Fuß verhindern, dass sie hart aufschlug und zerbrach, aber – naja, sagen wir mal, sie zerbrach nicht, aber mein Zeh.
Vor Schmerz kurz wach werdend, bekam ich in vollem Bewusstsein mit, wie ein Stapel irgendwann zum Abwasch aufgestapelter Teller zum Fallen kam – und es meinem Zeh gleich tat. Mittlerweile verbrannten die liebevoll im Ofen aufgreihten Waffeln, die ich gern früh zu mir nehme, und begannen zu riechen. Ich ignorierte sie (obwohl das Duo Nase-Hirn bereits tadellos funktionierte) und goss mir in ein großes Bierglas (in Ermangelung abgewaschener Tassen) meinen viel zu starken Kaffee. Es explodierte – natürlich erst, als es komplett voll war.
Leicht apathisch saß ich schließlich – aus Protest die verbrannten Waffeln essend, aus Prinzip meine von Katzenkotze feuchte Unterhose tragend und aus dem Hundenapf meinen Filterkaffee trinkend – inmitten meines Guten-Morgen-Chaos und tröstete mich mit einem einzigen Gedanken: Schlimmer wird ja wohl heute nicht mehr werden!
Da klingelte mein Handy und Herr Vorbau rief an.

 


Lypse

Ein Beitrag von Lypse

Maulbeerurgestein, schrieb als Lypse seit 2007 im Maulbeerblatt; heute freier Autor und Kolumnist, Hörbuchautor und Hörbuchredakteur Zitat: „Die Welt ist eine Schreibe.“