150 Tage zu Hause, den Rest des Jahres auf Reisen. Rein in den Flieger, rund um den Globus, zehntausende Kilometer, um Turniere zu spielen, Vorträge zu halten. So läuft’s im Alltag von Schach-Profis und nur Spieler der Weltelite können es finanziell wuppen, sich ihren Lebensmittelpunkt auszusuchen. Weltmeister Vishy Anand (43) aus Indien etwa residiert in seinem Haus bei Madrid, sein Vorgänger Wladimir Kramnik (37) aus Russland wählte Paris. Auch die letzten beiden WM-Herausforderer machen fern der alten Heimat Quartier. Der Bulgare Veselin Topalov (38) packt in Salamanca (Spanien) die Koffer, der aus Weißrussland stammende Boris Gelfand (44) tut’s in Rischon LeZion (Israel).

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Klar, der Südosten Berlins gehört zu einer der schönsten Flecken überhaupt, trotzdem gibt es bisher nur einen Supergroßmeister, der es zumindest bis in die Nähe geschafft hat. Levon Aronian (30) heißt der, immerhin Platz zwei der Weltrangliste, in Armenien bekannt und verehrt wie Franz Beckenbauer hierzulande. Jugendweltmeister war er, Juniorenweltmeister. An Anands Thron darf Aronian aktuell allerdings nicht rütteln. Als neuer Herausforderer qualifizierte sich der Norweger Magnus Carlsen (22). Typisch für die Schach-Genies, der Weg zur WM ist weit. Der Kampf gegen Anand findet im November in Chennai (Indien) statt. Zurück zu Aronian. Vor knapp zehn Jahren bezog er mit Verwandten ein Einfamilienhaus in Alt-Hohenschönhausen. Keine Sekunde dachte er bislang an Umzug. Etwas bizarr klingt allerdings seine Begründung; „Ich fühle mich sehr wohl in der Gegend. Sie erinnert mich so an Moskau.“