Der große Schock
07. Februar um 19:30
Lesung & Gespräch mit Herausgeberin Katrin Rohnstock
Ostdeutsche erzählen von den Folgen der Treuhand-Politik – Ein Buch über Verluste, Scham und Würde – 35 Jahre nach der Deutschen Einheit
Der radikale Umbruch durch die Treuhand-Politik bedeutete für viele Ostdeutsche den Verlust von Arbeit, sozialer Sicherheit und Lebensperspektiven. Dieses Buch erzählt anhand konkreter Beispiele, warum die Schockwellen der 1990er Jahre bis heute reichen. Ehemalige Arbeiter und Angestellte berichten hier erstmals nach langem Schweigen davon, wie ihre Betriebe untergingen und Jahrzehnte harter Arbeit wertlos wurden. Es sind Geschichten von Verzweiflung, Ohnmacht und Diffamierungen – aber auch von Zusammenhalt und Engagement. Sie zeigen eindrücklich, warum die Wunden der Wiedervereinigung oft noch nicht verheilt sind und warum das Misstrauen gegenüber dem politischen System bei vielen bis heute anhält.
In »Der große Schock« berichten Zeitzeugen aus fünf ostdeutschen Orten, wie sie die Wendezeit und speziell die Folgen der Treuhandpolitik erlebt haben. Sie erzählen von Entlassungen, Kampf, Hoffnung, Ohnmacht – und vom Ringen um Gerechtigkeit.
Die Erzählenden stammen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten: Schichtleiterinnen, Angestellte, Betriebsräte, Techniker, Bürgermeister, Handwerkerinnen. Ihre Geschichten zeigen, wie tief der Systemwechsel in persönliche Lebensläufe eingriff und wie unterschiedlich Menschen damit umgingen. Einige kämpften mit Protestaktionen, Hungerstreiks oder Betriebserhaltungsplänen, andere orientierten sich neu, viele schwiegen lange. Das Buch durchbricht dieses Schweigen.
Katrin Rohnstock (Hg.)
Katrin Rohnstock, geboren 1960 in Jena, ist Literatur- und Sprachwissenschaftlerin sowie Publizistin. Sie gründete und leitet seit 1998 die Firma Rohnstock Biografien, die seit mehr als zehn Jahren Erzählsalons zu den Folgen der Treuhandpolitik veranstaltet und die Erfahrungsgeschichten der Menschen veröffentlicht. Katrin Rohnstock arbeitet seit Jahrzehnten an der Schnittstelle von biografischem Erzählen und Zeitgeschichte. Ihre Methode wurde vielfach ausgezeichnet und gilt als Pionierarbeit in der Aufarbeitung Ost deutscher Transformationsgeschichten.
Die Erzählungen entstanden in einem partizipativen Prozess: In Kooperation mit lokalen Partnern wurden 2023 und 2024 in verschiedenen Thüringer Projekten von Rohnstock Biografien Erzählsalons organisiert, bei denen ehemalige Werktätige und betrieblich Involvierte aus ihrem Leben berichteten. Die persönlichen Erinnerungen wurden professionell verschriftlicht und von den Erzählenden autorisiert.
Stimmen zum Buch
»Die authentischen Zeitzeugenaussagen verdienen es, sehr ernst genommen zu werden. Sie stehen exemplarisch für die Entwicklungen im Zuge der Umsetzung des Beitrittsbeschlusses – ebenso aber auch für den Stolz der Menschen auf ihre Resilienz beim Durchstehen existenziell schwieriger Situationen.« Maritta Tkalec, Berliner Zeitung
Das Theater ist ab 18:30 Uhr geöffnet.
