Weihnachtswunschzettel eines kleinen dummen Mädchens

Weiß am Zug gewinnt
Zuerst mal wünsche ich euch allen Gesundheit und Zuversicht. Ich wünsche mir, dass alle Menschen genug zu essen und zu trinken haben. Auch in meinen letzten 70 Jahren sollte es Wale, Wildgorillas, die Malediven und Heringe geben. Afrika, die Wiege der Menschheit, soll von den entwickelten Industrieländern liebevoll umarmt und nicht so schamlos ausgebeutet werden. Jemand sollte eine Religion erfinden, die alle anderen Religionen enthält, damit das gegenseitige Morden im Namen des Glaubens aufhört. Ich möchte, dass in den Managern, Bankern, Spekulanten und Geschäftemachern plötzlich eine Seele wächst. Ich wünsche mir, dass Politiker die Wahrheit sagen müssen und dass sie lernen, das Gemeinwohl über ihre persönlichen Interessen zu stellen. In unseren Städten dürfen keine Sauerstoff- Automaten zum Atmen benötigt werden. Ich wünsche mir einen gewaltigen Aufstand der Philantropen aller Länder. Aber wenigstens einen erfüllbaren Wunsch habe ich noch: In der folgenden Stellung meiner Schachpartie gegen Puh soll er doch bitte, bitte nicht den Gewinnweg finden. Ein Blick in Puhs Gesicht genügt, auch dieser Wunsch erfüllt sich nicht. Aber – Puh steht auf, bietet mir Remis an, zieht mich in seine Arme, gibt mir auf jede Wange einen dicken Kuss und wünscht mir und euch eine frohe Weihnacht. Liebe Grüße, Clarissa

maulbeerblatt ausgabe 58 Editorial

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