Jetzt mit korrigiertem Diagramm. Die Redaktion bittet um Entschuldigung.

Diese Geschichte kommt von ganz weit her und führt von Montreal bis nach Tiflis. Dort läuft fast den gesamten September der World Cup, ein K.o-Turnier mit 128 Spielern (darunter vier Deutsche, kein Berliner), die zum Start noch alle theoretische Chancen haben, 2018 Weltmeister zu werden. Mit von der Partie ist auch Großmeister Bator Sambuev (37). Ein Russe mit kanadischem Pass, der aussieht wie ein listiger Fuchs.

Wenn Bauern beim Schach auf die Grundreihe vorrücken, verwandeln sie sich meist in Damen. Bei der alles entscheidenden Partie um den Trip nach Georgien und den Meistertitel Kanadas wollte Sambuevs Gegner genau das tun, konnte aber in Zeitnot-Hektik keine schwarze Königin am Brettrand finden. Deshalb knallte er einen umgedrehten Turm auf das Feld d1, rief „Queen“ und dachte, er hätte Remis sicher. Sofort schritten mehrere Schiedsrichter ein, bestanden auf die Regel, wonach ein Turm ein Turm sei – und keine Dame. So gewann Sambuev und es hätte keinen Skandal gegeben, wenn nicht ein Video von der Szene aufgetaucht wäre. Es zeigt, dass Sambuev beide Damen in seiner linken Hand versteckte und sie später im Schiri-Tumult heimlich neben das Brett stellte. Unfair ist das in jedem Fall, möglicherweise sogar Betrug. Dennoch blieb es bei der Schiri-Entscheidung. 8550 Flugkilometer sind es von Montreal nach Tiflis, acht Stunden Zeitunterschied. Für Sambuev wird es ein zweifelhaftes Vergnügen. In der Setzliste steht er auf Platz 115. und dürfte nach der 1. Runde raus sein, aber 6000 Dollar Antrittsgeld kassieren.

Aufgabe aus #106: Garakov – Kratochvil, Tschechien 2017. Weiß am Zug setzt matt.

 

 

Auflösung (#105):
1. Tg7 Kg7 (1… Lg7 2. Lg7 Kg7. 3. Dg5 Kh8
4. Df6 nebst Tg1 und matt) 2. Dg5 Kh8 3. Df6 Lf6 4. Lf6 Kg8 5. Tg1 Lg4 6. Tg4 matt