Gerade bin ich dabei, wieder einmal den Lieben Gott auszutricksen. Ich habe nämlich erkannt, dass er sich einen Jux daraus macht, mich zu necken. Genauer gesagt versucht er immer, die Dinge so geschehen zu lassen, dass ich meine Entscheidungen bereue. Das nervt. Komme ich pünktlich zum Bahnhof, hat der Zug Verspätung. Lasse ich mir Zeit, ist er schon losgefahren. Kaufe ich mir auf dem Heimweg eine Bockwurst, hat meine Frau garantiert ein tolles Essen gekocht. Komme ich hungrig nach Hause, hat sie nix gemacht.

JEDOCH: Wenn man das weiß, werden die Dinge vorhersehbar. Ja, man kann geradezu die Geschicke der ganzen Welt zum eigenen Vorteil lenken. Wäre ich ein Bauer, dem zu wenig Regen fällt, müsste ich nur sorglos leicht bekleidet einen Tagesausflug machen und irgendwelchen Papierkram auf dem Gartentisch liegen lassen. Der Liebe Gott wäre geradezu gezwungen, einen ordentlichen Regenschwall über mich und meine Unterlagen – und somit auch auf mein Rübenfeld – zu schütten. Andernfalls wäre er gezwungen, hilflos zuzusehen, wie ich unbehelligt trocken heimkehre und mit dem Schreibkram fortfahren kann, ohne dass ich ihn vorher hin und her räumen musste.

Nun ist folgende Situation: Obwohl ich mich in den letzten Jahren so richtig daran gewöhnt habe, ohne Auto zu leben, könnte es 2009 durchaus Sinn machen, mir doch wieder eins zu kaufen. Es stehen nämlich deutschlandweit ziemlich viele Lesungen an, zu denen ich sicherlich auch mit dem Zug fahren könnte. Aber bei mir sind das ja doch eher kleine Theaterstücke, und mein Requisitenkoffer wird immer schwerer. Außerdem wäre es mal an der Zeit, mein Atelier endlich ein wenig auszubauen. Und da werde ich hin und wieder Dinge aus dem Baumarkt transportieren müssen.

Aber will ich diesen Stress wirklich wieder in mein Leben lassen? Wochenlang in Gebrauchtwagenanzeigen blättern, mit unsympathischen Leuten rumhandeln, am Ende dennoch zu viel bezahlen, Rennereien, Ummelden, Nummernschilder, Haftpflicht, Steuern, Reparaturen, Bußgelder, Benzinkosten, ständig mit dem Saufen aufpassen, Anschnallen, Ölstand, Reifendruck, Akku, Kühlwasser, Scheibenwischwasser, Frostschutzmittel, Winterreifen, Sommerreifen, TÜV, ASU, Umweltplakette, Keilriemen, Stoßdämpfer, Kupplung – HORROR!

Also, es müsste schon ein Super-Auto zu einem Super-Dumpingpreis vor meiner Nase tanzen, damit ich schwach werde. Aber das würde der Liebe Gott nur dann zulassen, wenn er sich absolut sicher wäre, dass ich entweder völlig blank bin oder es aus irgendeinem anderen Grund momentan definitiv nicht will oder kann.

Darum tat ich Folgendes: Für die Baumarktsachen kaufte ich mir einen hochwertigen Fahrradanhänger, quasi als Manifestation einer Entscheidung. Und für die Lesungen besorgte ich mir eine Bahnkarte. Basta! Nun noch ein Auto zu kaufen, wäre Blödsinn. Also müssten jetzt eigentlich unzählige Traumautos zu Traumpreisen in mein Leben flattern, wo ein Nicht-Zugreifen ein Verbrechen wäre. Mal sehen, wie der liebe Gott sich entscheidet …

 


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“