Das Problem mit dem Humor

MBB90_Alf_0001

Ich liebe Witze. Schwarzer Humor ist mir am liebsten. Hier ein bisschen Blut, da ein bisschen Tod, gern auch Schweinereien, Sex, Kackehaufen, Popel und so weiter. Alles, was mir im Rahmen meiner Erziehung als anstößig verkauft wurde. Das Verbotene gibt dem Witz erst die gewisse Würze, manchmal den entscheidenden emotionalen Kick, ohne den es oft nur eine wirre Geschichte mit einer flachen Pointe wäre. So mache ich auch Musik. Wahre Gefühle sind nicht mein Ding. Ich kratze lieber virtuos an der Oberfläche und fülle den leeren Raum mit Witzen. Wenn die Musik hart und schnell ist, kommen böse Worte richtig cool rüber. Und wenn es um Pimmel oder Kackehaufen geht, unterstreicht eine harte Gitarre den rebellischen Aspekt dieser Äußerungen. Nun kommt es aber hin und wieder vor, dass einem doch mal etwas Ernstes auf der Seele liegt. Kein Problem, jeder weiß, dass auch schwere Themen auf humoristischem Weg souverän angegangen werden können. Wenn es Spaß macht, sich über die Unzulänglichkeiten anderer zu amüsieren, kann man das ja auch mal auf Kosten von Arschlöchern tun. Ob man die Welt jetzt damit besser macht, sei dahingestellt. Zumindest zeigt man, wo man steht. Was aber ist, wenn einem die Lösung eines Problems wichtiger ist, als die Originalität des eigenen Statements? Oder besser: Wenn ausgerechnet die unterhaltsamsten Beiträge die Chance auf eine Lösung eher schmälern? Wenn man besorgt feststellt, dass selbst im Angesicht katastrophaler Zukunftsaussichten die meisten Leute nur damit beschäftigt sind, die eigene Meinung pointiert in Szene zu setzen und die Ansichten anderer zu verspotten, anstatt schleunigst nach einem Konsens zu suchen, um gemeinsam das Schlimmste zu verhindern? Dann – so doof ich das auch finde – wäre ja ein noch so genialer Witz genau das, was mir doch eigentlich gerade problematisch erscheint. Was tun? Plötzlich was Ernstes sagen? „So höret doch! Reicht euch die Hände und redet miteinander, denn nur vereint haben wir eine Chance gegen die wirklichen Schwerverbrecher, die genüsslich beobachten, wie leicht doch die dummen Massen gegeneinander aufzubringen sind.“ Nee! Das kommt so langweilig und unsexy rüber, dass ich damit lediglich die Zahl meiner Fans reduziere. Und was nützt der Welt ein noch so wichtiger Satz, wenn ihn keiner liest? Ergo halte ich mich lieber raus und male kleine lustige, unverfängliche Geschmacklosigkeiten.

Text und Illustration von Alf Ator


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“