alf_simsalabim

Ich habe einen tollen Zaubertrick erfunden. Pass auf: Du bekommst von mir eine Kamera und einen Hammer und musst dich entscheiden: Entweder du zerschlägst die Kamera, oder du gibst sie mir unversehrt zurück. Wenn du eines davon getan hast, ziehe ich aus meiner Hemdtasche feierlich einen Umschlag, in dem deine Aktion vorhergesagt wurde. Zauberei? Nein, pure Physik! Die Lösung hat mit dem Doppelspalt-Experiment zu tun. Hä? Doppelwas? Also, um jetzt nicht ewig mit Wissenschaft rum zu nerven, erkläre ich für die Unwissenden schnell mal nur das, was für meinen Trick wichtig ist. Und die Nerds unter euch verzeihen mir bitte meine Oberflächlichkeit.

Also: Es geht um eines der großen ungelösten Rätsel der Physik. Wenn man ein einzelnes Elektron auf eine Platte mit zwei Spalten schießt (ja, das geht!), entsteht auf einer dahinter befindlichen Leinwand ein so genanntes Interferenzmuster. Anders gesagt: Es sieht so aus, als wäre das Teilchen wie eine Welle in alle Richtungen und somit durch beide Spalten gleichzeitig geflogen. Kaum zu glauben! Aber es kommt noch besser: Wenn man direkt an den Spalten nachschauen will, was da mit dem Teilchen eigentlich genau passiert, „entscheidet“ es sich plötzlich für eine einzige Flugbahn, durch nur einen Spalt, und auf der Leinwand entsteht nur ein einziges „Einschussloch“. Als ob das Elektron merkt, dass es beobachtet wird.

Als ob der Liebe Gott sich nicht von uns in die Karten gucken lassen will. Frechheit! Und was hat das Eine jetzt mit dem Anderen zu tun? Ganz einfach: Angenommen, wir würden die Spalten nicht direkt beobachten, sondern lediglich eine Kamera hinstellen, uns die Aufzeichnung dann aber NICHT ansehen? Wir erinnern uns: Solange keiner hinguckt, passiert gleichzeitig alles und nichts. Erst unter Beobachtung nimmt das Teilchen einen konkreten Weg. Wenn die Bilder nun ungesehen gelöscht werden, liegt auch keine wirkliche Beobachtung vor. Also braucht der Liebe Gott nicht einzugreifen, also fliegt das Teilchen unbehelligt in alle Richtungen. Somit kann ich bereits am Muster auf der Leinwand erkennen, ob ich mir später die Bilder anschauen werde oder nicht. Ergo: Sehe ich ein Interferenzmuster, weiß ich, dass du die Kamera zerschlagen wirst. Sehe ich nur einen Punkt, bleibt das Gerät heil. Simsalabim!


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“