Hölle, Hölle, Hölle!

Auf einer Skala von 1 bis Apfelmus: Wie wahnsinnig sind wir eigentlich? Es fängt ja immer im Kleinen an. Und meist ganz harmlos. Ich zum Beispiel wollte jüngst meine Fenster putzen, suchte dann zu diesem Zwecke meine Knoblauchpresse, fand nicht sie, stattdessen aber ein Fensterleder und dachte so bei mir: „Was soll ich denn jetzt damit?“ Wahnsinnig absurd. Einmal verließ ich mit dem Müllbeutel das Haus (wahnsinnig lobenswert) und fand mich kurz darauf mit selbigem in der Hand am Bahnhof wieder (wahnsinnig zerstreut), wo aber zufällig gerade ein Bahnhofsmüllabholwagen bereitstand. Wahnsinniger Glücksfall. Irgendwann ging ich mal da weg, wo ich hingehöre. Wahnsinnig wahnsinnig. Und kam dann wieder dort an. Wahnsinnig richtig. Der Wahnsinn im Kleinen also. Beziehungsweise ein Zeichen dafür, dass dieser Begriff doch recht inflationär gebraucht wird. Es sagt sich ja so leicht: „Das war wahnsinnig schön“, „Das ist ja der Wahnsinn“ oder auch „Bist Du wahnsinnig?“ Wirklich wahnsinnig könnte man wegen ganz anderer Dinge werden. Alles und jeder wird überwacht, es herrschen Kriege, deren Hintergründe man nur teilweise begreift, dort werden Steuergelder verprasst, andernorts wütet das Ebola-Virus – überall hier fühlt man sich klein, unbedeutend, macht- und hilflos. Seien wir also froh, darüber dennoch vielleicht doch noch nicht ganz wahnsinnig geworden zu sein. Das nämlich ist der eigentliche Wahnsinn. Die kommende Ausgabe natürlich auch.

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