Ein Lächeln, eher ein Hauch eines Lächeln umspielt die wunderbaren Lippen meines Weibes. Fassungslos rücke ich die Brille gerade, schaue, ob ich richtig schaue, stelle fest, die Brille auch seit Jahren nicht mehr da, aber das Lächeln – das Lächeln wird romantisch verschmitzt. Die erotisierende Stimmung unseres Frühstücks scheint zu bersten, konzentrierte Neugier übernimmt! Folge den Blicken meiner lächelnden Schönheit.
Da sitzen sie, die beiden, ca.120 Jahre alt, zusammen, gleich verteilt. Sie müssen frisch verliebt sein – sie reden. Frau offensichtlich auf der Suche nach Zucker. Der außergewöhnlich freundliche Kellner kann leider nicht helfen, da er wirklich flink zwischen den 4 Tischen wuseln muss. Mann findet für Frau genau neben sich, in einem kleinen verwirrt wirkenden Bücherregal, mehrere Zuckerdosen. Die kleinen Gefäße, eindeutig Zuckerdosen, kein Zweifel, bringen sie sofort verliebt zum Lächeln, sicher ihr erstes Date, wirken so aufgeregt und jung, fallen kaum auf zwischen den Anderen.
Aber Frau wäre nicht Frau, wenn sie, trotz aller Liebe (oder wegen?) Mann nicht misstrauen würde. Ein bisschen weißes Pulver auf die Hand, schnell noch ein Blick, guckt jemand? Lecken! Bäh, Salz, Gesichtverziehen, er erschrocken, sie albern, beide lachen. Jungverliebte!
Aber was ist Zucker? Die anderen Dosen, schön anzusehen, Inhalt unbekannt. Hilfloser Blick zum Kellner. Mutiger Griff zum großen Glas mit braunen Kristallen, ohne zu zögern, ab in den Kaffee. Die Klappe öffnet sich schnell und lange, ein strahlender Blick in die Augen ihres Liebsten, der Zucker füllt die Tasse etwa zur Hälfte. Kaffee süß, sehr süß. Versuche, einen neuen Kaffee zu bestellen, scheitern an dem immer noch unglaublich freundlich umherirrenden Kellner und dessen Versuchen wirklich leckere und bunte Teller sowie hoch aufgeschäumte Milch-Heißgetränke den vermuteten Tischen zuzuordnen. Winken einstellen, verliebt lächeln und den Kaffee süß wie das erste Date schlürfen.
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