Auf eine Zigarette und einen Kaffee mit Toni Mahoni

von Friederike Hagen

Toni Mahoni gilt als einer der bekanntesten Video-Blogger. Von 2006 bis 2008 veröffentlichte er auf www.spreeblick.de seine Podcasts, in denen er immer mit Zigarette, Kaffee und einem breiten Berliner Dialekt seine Geschichten erzählte. Dafür wurde er mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In diesem Jahr hat er bereits die CD „Irgendwat is immer“ und das Buch „Gebratene Störche“ herausgebracht. Für das Maulbeerblatt hat sich Toni Mahoni, der seinen bürgerlichen Namen geheim hält, nach seinem Auftritt beim „Kietzer Sommer“ Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet.

MB: Schön, dass wir Dich auf dem Kietzer Sommer nach Deinem Auftritt interviewen dürfen. Was ist anders, wenn Du zu Hause einen Podcast einsprichst und wenn Du auf einem Straßenfest vor Publikum stehst?
                                                            TM: Bei einem Kotzpast, ähm, einem Podcast, bist Du ja völlig alleine. Keine Reaktion. Beim Liveauftritt hast Du dieses Direkte. Du guckst in die Gesichter, siehst die Reaktionen und kannst dann auch mit diesen Reaktionen spielen, darauf aufbauen oder wenn Du schlechte Laune hast, dann eben auch abbauen. Ich persönlich bevorzuge das live Auftreten mittlerweile.

MB: Wie bist Du eigentlich zum Schreiben gekommen?
                    TM: Schreiben tue ich schon immer. Schreiben ist mir angeboren, von der Kindheit quasi. Anders als andere Kinder früher, die in der Tischtennis-AG waren, war ich in der AG „Junge Poeten“. Nur ich und ein weiterer Kumpel. Da wurde uns alles erklärt: Dichten und Schreiben und so. Und seit dem schreibe ich.

MB: Du bist ja sehr vielseitig. Du machst einen Podcast im Internet, Du schreibst und singst Lieder. Was davon machst Du am liebsten?
                                                                                                     TM: Musik. Ja, am liebsten mache ich Musik. Musik, Musik, Musik – mit meinen Jungs.

MB: Wie viel in Deinen Geschichten ist wirklich Toni Mahoni und wie viel davon ist ausgedacht?                                                            
TM: Es ist so, dass es wie bei einem guten Bier eine Stammwürze an Wahrheit gibt. Eine, die jede Geschichte braucht. Dieser Wahrheitsgehalt ist elementar und von dem aus kann man dann verwässern, wie man gerade Lust und Laune hat.

MB: Wie schreibst Du?
                                                                                 TM: Was ich auf jeden Fall brauche, ist so ein bisschen Ruhe und Gemütlichkeit. So einen kleinen, kurzen Abstand zu all dem Trubel. Ein bisschen einschließen und dann einfach die Gedanken laufen lassen. Ein kurzes Momentchen des In-Sich-Kehrens ist vonnöten.

MB: Und Kaffee und Zigaretten?
                                                             TM: Genau, das gehört dazu, zur Gemütlichkeit. Manchmal auch ein Bierchen – je nach Tageszeit. Das reicht mir dann erst mal.

MB: Woher kommen Deine Geschichten?
                                             TM: Sehr inspirierend sind Straßenbahnfahrten für mich, komischerweise, und auch Aufenthalte an Haltestellen. An Haltestellen ist mir schon so viel passiert und in den Kopf gekommen. Einfach auch dieser Moment: Man läuft schnell zu dieser Haltestelle, dann hat man Zeit und steht und wartet und dann kommen so Gedankenblitze. Man sieht die ganzen anderen Leute, dann steigt man mit denen in die Bahn und irgendwie hab ich dann manchmal so Bock, mir die Lebensläufe dieser Menschen vorzustellen und weiterzuspinnen.

MB: Welche Projekte beschäftigen Dich im Moment und welche hast Du noch geplant?
TM: Mein ganz großes Ziel vor Augen ist gerade Urlaub. Ich hatte eine Tour, die ein bisschen anstrengend war und einen Haufen Kram. Und jetzt mach’ ich Urlaub und das ist auch gut, um die Gedanken mal zu ordnen. Ansonsten bin ich ganz heiß darauf, noch ein Buch zu schreiben. Nach den „Gebratenen Störchen“ habe ich mal vorsichtig bei meinem Verlag nachgefragt – „Wie sieht’s aus? Ich hab Lust noch ein Buch zu schreiben, wer bringt das raus?“ Da haben die gesagt: „Wir!“ Und da habe ich jetzt die Chance, noch ein Buch zu schreiben.

MB: Weißt Du schon, wie es heißen soll?                                             
TM: Ich könnte mir vorstellen „Gesottene Ratten“.

MB: Was ist Dir neben Deiner Arbeit wichtig? 
                                 TM: Familie, Freunde. Meine Frau Peggy ist mir natürlich wichtig. Ich habe einen Freundeskreis, den ich auch pflege. Man kann nicht einfach denken, dass Freundschaften so dahin laufen, dahin plätschern und alles gut ist. Ich veranstalte auch oft so kleine Feste und Sachen, die nur für meine Freunde sind. Ich glaube, das ist mir das Wichtigste, dass die ganzen alten Kumpels zusammenbleiben, dass es ein Kreis bleibt. Das ist mein Ding.

MB: Was magst Du an Berlin?
                                                                  TM: Ich mag, dass es so viele Nischen gibt, dass wirklich jeder der herkommt, hier seine Nische finden kann. Dass jeder die Chance hat, in Berlin aufzublühen. Ich mag die ganzen Zugezogenen. Ich finde, das macht Berlin aus. Das Bunte und das Tolerante.

MB: Hast Du eine besondere Beziehung zu Köpenick?
                   TM: Ja, ich habe 25 Jahre meines Lebens hier verbracht und bin rumgetollt. Ich kenne Köpenick gut, das ist meine erste Heimat gewesen.

MB: Welche Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft hast Du?
                                                                                                                      TM: Ganz banale Sachen: Gesundheit, Familie und die Freunde sollen nicht so schnell wegsterben.

MB: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Maulbeerblatt verlost je ein Buchexemplar von „Gebratene Störche“ an die ersten Kommentarschreiber zu diesem Artikel.