Was macht die Kunst, Kerstin Studt?

Das 21. Türchen des Maulbeerblatt-Künstler-Adventskalenders
Was können wir von Künstlern über uns und die Zeit erfahren, in der wir leben? Und: Was kommt 2024 wohl auf uns zu? Das wollten wir von ihnen selbst wissen und haben deshalb über die vergangenen Monate hinweg 24 bildende Künstler befragt, denen wir im Berliner Südosten begegnet sind. Hinter dem Türchen Nummer 21 arbeitet die Künstlerin Kerstin Studt, die mit uns über ihren künstlerischen Ansatz und den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Kunst sprach.
Die Künstlerin Kerstin Studt vor einem ihrer Werke im Helga-Hahnemann-Haus in Schöneiche bei Berlin
Foto: Caroline Gubig

Natürlich nimmt der Künstler das auf, was, was um ihn herum ist, und er reagiert darauf. Andere Leute reagieren vielleicht mit Sprache oder mit Musik oder irgendwelchen Aktionen oder sind politisch aktiv. Mein Arbeitsmittel ist der Pinsel oder der Bleistift. So versuche ich, mich auszudrücken.

Es ist nicht so, dass ich jetzt 1:1 den Krieg darstelle oder die Klimakatastrophe, aber meine Emotionen dazu, die stecken natürlich in einigen Bildteilen mit drin. Ich kann mich schließlich nicht abkoppeln von der Gesellschaft. Wenn der Betrachter jetzt aber ein klares Statement sucht, dann soll er lieber einen politischen Bericht lesen. Es geht ja auch nicht darum, dass man das widergibt, was die Gesellschaft gerade verlangt. Wenn man politische oder gesellschaftliche Ereignisse abbildet, dann kann man auch Fotos machen. Ich bin auch nicht für das Agitieren als Künstler.

Ich arbeite zwischen Abstraktion und Realität. Man kann auch Figuren erkennen. Ich denke schon, dass man die Stimmungslage des Künstlers in dessen Werk erkennen kann. Ich selbst arbeite ja z. B. mit aggressiven Farben, die auch immer wiederkehren. Ich glaube schon, dass meine inneren Zustände und Haltungen in meinen Bildern mit drin stecken.

 

Bitte unterstütze unsere redaktionelle Arbeit!

 

Vor der KI habe ich aus künstlerischer Sicht keine Angst. Ein wichtiger Teil eines Kunstwerks ist immer noch der Betrachter. Den brauchen wir weiterhin. Die Menschen haben ja die KI mit ihren Ideen gefüttert, also hat die KI auch etwas mit dem Menschen zu tun, mit deren Emotionen und mit dem Gedanken der Menschen. Es wurde alles aus dem zusammengestellt, was schon mal von jemanden gedacht wurde. Die KI erfindet nichts. Die KI setzt nur neu zusammen. Der Mensch bleibt weiterhin notwendig.

Mir ist die KI vollkommen egal. Ich kann allen nur raten, weiterzumachen. Mit Spaß. Etwas machen, was man gerne macht. Mit anderen Menschen etwas zusammen machen. Was auch immer. Darauf kommt es an. Ich spiele z. B. Klarinette in einer Band. Das schafft Gemeinschaft, die die Gesellschaft noch viel mehr braucht.


Interview

Ein Name als Programm

auTark heißt das Geschöpf, dass soeben – auf CD gebrannt – das Licht der Welt erblickte. Es ist das jüngste...

Interview

Ein Hellseher sieht Schwarz

Foto: Krauthöfer Anschließend war er als Politikberater für die Linken im Berliner Abgeordnetenhaus tätig. Inzwischen hat er sich aus der offiziellen...

Stadträtin für Weiterbildung, Schule, Kultur und Sport Cornelia Flader Interview

Bezirksstadträtin Cornelia Flader

Was bringt 2018 für Treptow-Köpenick. Wir haben eine handverlesene Auswahl von Akteuren und Verantwortungsträgern im Bezirk gefragt. Heute: Cornelia Flader,...