l11Es begann mit EVP 6 Mark – Ich hatte einen dieser begehrten Perlenkästen ergattern können.

Böhmische Glasperlen. Jede Menge. Kunterbunt. Anstandslos besorgte ich noch eine Rolle Klingeldraht, Kupferkern, mit Legierung. Wahrscheinlich extrem nickelhaltig; darüber hat man eben damals nicht nachgedacht. Und auch der junge Bürger war mitunter recht erfinderisch. Ich war ziemlich gut im Umfunktionieren.

Mein Vorhaben stand fest: Ich wollte mir selbst Ohrringe bauen. Und meiner Mutter. Und meinen Klassenkameradinnen. Und meiner Tante Ulla. Und Cousine Sylvia auch. Es gelang mir gut. Ich hatte einen Riesenspaß dabei und konnte nicht mehr aufhören. So entstand Paar um Paar, bis es 150 (!) waren. Jetzt hatte ich so viele, dass ich sie verkaufen konnte.

Kurz entschlossen stellte ich mich mit einer großen, gefalteten Pappe voller Ohrhänger an der Berliner Markthalle einer breiten Öffentlichkeit vor. Meine Theke war eine halbhohe Mülltonne. Meine Kasse: ein altes Theaterkästchen, Fassungsvermögen unerprobt. Was dann geschah, hätte ich nicht im Traum erwartet.

Ein Paar meiner Ohrringe kostete 6 Mark. Die Resonanz hat mich fast überwältigt. Die Leute kauften und kauften. Die „Kasse“ quoll über. Nach „Ladenschluss“ ging ich zur Entspannung in Richtung Lustgarten. Dort erst habe ich dann gewagt, die Ausbeute in Augenschein zu nehmen. Es waren 750 (in Worten: siebenhundertfünfzig) Mark.

Das Gehalt eines Ingenieurs. Ich war 14 Jahre alt. So ging es lange Zeit weiter. Ich experimentierte mit den Materialien, der Klingeldraht war schon längst vom Dentaldraht abgelöst worden. Mein Verkaufsradius erweiterte sich auf die gesamte Republik.

Wahrscheinlich wäre es ewig so weiter gegangen. Aber dann kam die Wende und erstmal vieles anders.

Inzwischen bin ich über zwei Dekaden älter. Vor gut zehn Jahren erfüllte ich mir einen Traum, indem ich im hinteren Teil der Bölschestraße meinen Laden „Löwenherz“ eröffnete, wo ich selbst gestalteten Schmuck und Zubehör verkaufe.

Der Anfang war nicht einfach. Das Schaufenster war klein und vor der Tür stand lange Zeit ein Baugerüst. Es fehlte nicht viel und ich hätte aufgegeben. Aber ich wollte diesen Traum nicht aufgeben und setzte alles daran, den Laden zu halten.

Fotos: Martin Weinhold

Inzwischen ist in Friedrichshagen viel passiert, auch der hintere Teil der Bölschestraße wurde aus seinem Dornröschenschlaf wach geküsst. Einige Menschen mit guten Ideen und Zauberhänden haben dazu beigetragen. Nach achteinhalb Jahren in meinem ersten Laden zog ich im September 2007, der Gegend die Treue haltend, einige Häuser weiter, wo ein Geschäft mit zwei großen Schaufenstern frei geworden war. Die Entscheidung war richtig. So werden es nun zehn Jahre „Löwenherz“ im April ’09. Und ich nutze die Möglichkeit, Sie einzuladen, die Tür, die sich zwischen den beiden großen Schaufenstern befindet, zu öffnen und in die Welt meiner Träume einzutreten.