Die Tage werden wieder kürzer, aber trotzdem trifft man in diesem Herbst in der Köpenicker Altstadt auffallend viele glückliche Menschen, die alle fröhlich und beschwingt die gleiche Melodie auf den Lippen und im Kopf vor sich hersummen: Think Pink. Die „Junge Oper Berlin“ hat sich im Schlossplatztheater nichts Geringeres vorgenommen, als ihre Besucher glücklich zu machen. Das Glück steht diesmal auf dem Programm. Nicht mehr und nicht weniger. Das individuelle Glück ist, wie wir alle schon erfahren haben, eine unbefriedigende Angelegenheit. Das ärgerliche am Glück ist, dass es, einmal gefunden, sich nicht halten lässt.

Unser Gehirn hat für Glücksmomente keinen Speicherplatz, es lässt sich nicht einfrieren, um es dann für den gewünschten Moment zum neuerlichen Erleben auftauen zu können. Leider. Die Pharmaindustrie arbeitet intensiv daran, das Glücksgefühl künstlich zu erzeugen. Aber nicht nur die Pillendreher wittern das großes Geschäft. Selbsternannte Ratgeber überschwemmen den Büchermarkt. Das Glück geistert auf allen Kanälen. An Workshops und Seminaren herrscht kein Mangel. Doch das Glück stellt sich bei den Menschen nur mühsam ein. Zögernd. Widerwillig. Das Märchen von „Hans im Glück“, so scheint es fast, verrät die ganze Wahrheit, die in unserem konsumorientierten Kulturkreis allerdings kaum Akzeptanz findet. Was bei der Glückssuche ebenfalls häufig übersehen wird, ist die Farbe. Farbpsychologen haben längst die für den Menschen glücklich machende Wirkung der Farbe Rosa auf unser seelisches Befinden in wissenschaftlichen Tests nachgewiesen. Rosa beruhigt unser Gemüt, es macht uns sanft und tatsächlich glücklich. Selbst Gewaltverbrecher verlieren, kaum in ihrer rosa Zelle sicher verwahrt, jegliche Aggression.


Die Farbe Rosa ist dem Glück am nächsten.

So überrascht es nicht, dass in der Werbung Rosa eine übergeordnete Funktion einnimmt und nicht nur kleine Mädchen damit auf ein glückliches Leben eingestimmt werden. Nun wird das Schlossplatztheater allerdings nicht zu einer rosa Einzelzelle mutieren, sondern, wenn gelingt was die Macher sich vorgenommen haben, zu einer rosa Wolke aus Farben, Klängen, Bildern und Musik. Mit allen musiktheatralischen Mitteln wird das Publikum hineingeführt in einen rosa Rausch. Aber dieser Abend soll kein Alleingang der Protagonisten auf der Bühne werden, sondern das Publikum wird aktiv einbezogen, denn das Glück kann man nicht stellvertretend für andere erleben. Das ist klar. An diesem Abend soll das Glück gemeinsam gefunden werden. Ein kollektives Erlebnis. Think Pink.

Nach „Katte – Ein Prozess“ und „Das gelbe Herz“ hat das Team von Birgit Grimm (Regie) und Steffen Thiemann (Text) diesmal den Komponisten und Musiker Sebastian Undisz gebeten, eine rosa Musik zu schaffen, welche nicht nur die Wörter und Videoprojektionen (Felix Grimm), sondern auch die Farbe Rosa zum Klingen bringt. Das Glück ist endlich zum Greifen nah. Man kann es hören und erleben. Think Pink.

Im Schloßplatztheater, Alt-Köpenick 31, 12555 Berlin, T. 030-651 65 16