Wenn einer einen Sponsor hat, dann kann er Geld ausgeben. Immer? Nö, nicht immer. Eine etwas andere Art von Kooperation haben sich der 1. FC Union Berlin und die Ampelmann GmbH ausgedacht. Wie das gehen soll, erklären uns Jörg Taubitz, Marketing- Chef des FCU, und Markus Heckhausen, Geschäftsführer der Ampelmänner.* Sponsorensuche ist ein bisschen wie Brautwerbung, findet Jörg Taubitz. Er war derjenige, der sich auf die Suche gemacht hat. Das Konzept Ampelmann hat ihm gefallen. Dann galt es, Überzeugungsarbeit zu leisten. Das dürfte nicht ganz leicht gewesen sein, denn Markus Heckhausen ist einer, der WM guckt, und manchmal auch Bundesliga. Aber erst am Ende, „wenn es spannend wird“. Sein erster Besuch in der Alten Försterei muss allerdings überwältigend gewesen sein. „Das ist kein dumpfes Fußballgetue“, sagt er. „Da geht es auch um soziale Aspekte. Das Stadion, der Verein sind Treffpunkte.“ Die Bedeutung über den Fußball hinaus war das, was ihn begeistert hat. Die Idee, die Bestimmung über das Stadion in die Hände der Fans zu legen, überzeugt ihn davon, dass das alles ernst gemeint ist. „Die Umbenennung von Stadien ist eine Katastrophe“, findet er. Er kauft drei Aktien. Nicht für sich. „Die sollen an drei Stadionbauer verlost werden, die es sich nicht leisten konnten, eine zu kaufen.“

Es ist eben dieses Engagement im gesellschaftlichen Bereich, das die Ampelmann GmbH auszeichnet. „Wir machen selten Werbung für uns. Wir suchen authentische Geschichten und Aktionen. Es ist uns wichtig, dass die Leute dahinter engagiert sind.“ Deshalb unterstützt er etwa das Berliner Kurzfilmfestival „interfilm“ – und eben den 1. FC Union Berlin. „Wir profitieren vom guten Ruf der Stadt, und davon geben wir gern etwas zurück. Das ist ja auch für uns gut“, erklärt er.An Union schätzt Markus Heckhausen vor allem den Eigensinn oder, wie es Jörg Taubitz formuliert: „Unfertiges ist charmant.“

Genau wie Union-Präsident Dirk Zingler glaubt auch Heckhausen an langfristigen und nachhaltigen Aufbau anstelle zu schnellen Wachstums. Man wolle – und da spricht er von seiner eigenen Firma – nicht zu schnell zu viele Produkte auf den Markt werfen und für Touristen präsentieren, sondern die Designqualität hochhalten. Auch wenn das in einer Stadt wie Berlin, in der es von allem zu viel gibt, nicht so einfach ist. Für beide Unternehmen ist der Osten Deutschlands wichtiger Teil ihrer Identität. „Wir sind kein Ostalgie-Hotel, aber Geschichte hat man natürlich“, sagt Markus Heckhausen. Dennoch verstehen sich sowohl Union als auch der Ampelmann als Gesamtberliner, auch wenn jeder den jeweils anderen in dieser Hinsicht anfangs anders wahrgenommen hat.

Die Ampelmann GmbH spült bei Union keine Unsummen an Geld in die Kassen, dennoch profitieren beide Seiten. Man spricht von Imagetransfer, wenn einer vom guten Ruf des Anderen etwas abbekommt. „Das Erlebnis Union ist gut für den Ampelmann, und das moderne Design, das der Ampelmann mitbringt, ist gut für Union“, fasst Jörg Taubitz zusammen. Jetzt suchen sie nach gemeinsamen Projekten. Vorstellbar ist auf lange Sicht die Nutzung gemeinsamer Vertriebskanäle. Als erstes wird es probehalber ein gemeinsames T-Shirt geben. Das wird im Union-Fanshop und in den Ampelmann- Läden verkauft. Alles andere, da sind sich Jörg Taubitz und Markus Heckhausen einig, wird einfach mit der Zeit wachsen.

* Bei der Ampelmann GmbH begann übrigens auch die steile Karriere unseres Maulbeerblatt-Chefredakteurs. Als Grafikpraktikant und Babysitter hat er angefangen. Beides hat er inzwischen professionalisiert. Er hat seine eigene Grafikagentur gegründet, und seine Kinder sind auch schon ganz schön groß.


Stefanie Fiebrig

Ein Beitrag von Stefanie Fiebrig

schreibt, fotografiert und designt. Von Zeit zu Zeit hat sie eine Idee. Angeblich war auch schon mal was Gutes dabei! Zitat: „Ich geh jetzt in mein Stadion.“