Friederike Hagen – Ich bin dann mal da

Friederike Hagen fällt ins Sommerloch

Friederike Hagen – Ich bin dann mal daLetztlich wird wohl niemand mehr genau sagen können, wie lange der Brief bereits dort am Boden lag. „Als ich am Montag ins Büro kam, war er mit Sicherheit noch nicht da.“ „Wenn ich mich recht entsinne, habe ich ihn vorgestern zum ersten Mal gesehen, aber warum sollte ich ihn aufheben? Schließlich hatte ich ihn dort nicht hin geworfen.“ „Was schaut ihr mich an? Bin ich hier als Müllmann engagiert?“ „Es wäre doch möglich, dass ihn jemand unter der Tür hindurch geschoben hat.“ Neugierig ergreift Friederike Hagen die Initiative und macht sich daran, dem Rätsel auf den Grund zu gehen. „Ich hebe das Ding jetzt auf und dann können wir schauen, was drin ist!“

MiT heRZLIChEn GruEssEN! – hat jemand sorgfältig aus einzelnen Zeitungslettern auf den braunen Umschlag geklebt. Das ist ungewöhnlich. Augenblicklich sind alle elektrisiert. Würde sich darin der große Knüller finden, auf den wir schon so lange warten? Friederikes Augen funkeln, als sie zur Schere greift. „Drückt die Daumen, denn einen richtigen Kracher, der wie eine Feuerwalze durch die deutsche Medienlandschaft fegt, hatten wir zuletzt in unserer Juni- Ausgabe!“ Behutsam öffnet sie den Umschlag. Eine Handvoll eigenwilliger Fotografien fallen auf den Tisch. „Jawoll! Das ist doch mal ein echter Knaller! So was gehört definitiv auf die Titelseite!“ „Oh Mann, ich fass es nicht, jetzt haben wir endlich mal eine wirklich heiße Fotostory!“ „Zeigt mal her! Um Gottes Willen, seid ihr wahnsinnig? Das können wir nicht bringen, schließlich blättern auch Eltern und Kinder gerne mal in unserem Magazin und bei älteren Herrschaften könnte dabei glatt das Toupet Feuer fangen!“ Am Ende der hitzigen Debatte richten sich alle Blicke auf unsere künftige Bürgermeisterin. „Nun sag doch auch mal was!“

Friederike Hagen, Mutter, Frau und Ehefrau, klammert sich kreidebleich an die Schreibtischkante, schnappt nach Luft und scheint einer Ohnmacht nahe. Mit den Worten kehrt schließlich die Farbe in ihr Gesicht zurück. „Das ist ja widerwärtig! Wer kommt nur auf solche Ideen? Ich habe absolut keine Ahnung, wer diese Bilder gemacht hat, aber offenbar verfolgt er nur das eine Ziel, mich im Kreis meiner Kollegen unmöglich zu machen und am liebsten wohl auch in den Augen unserer Wähler! Zum Glück kann ich mir bei Euch ganz sicher sein, dass ihr so einen Mist niemals drucken würdet. Glaubt mir Freunde, so viel Vertrauen, das ist ein verdammt gutes Gefühl.“

Jetzt schauen wir noch einmal genauer hin – und tatsächlich, auf den zweiten Blick ist die hnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. „Nun ja, du hast ja recht, haben wir da gesagt. „Warum sollten wir nicht ganz sachlich und in Ruhe darüber reden?“, haben wirgefragt. „Unter künstlerischen Gesichtspunkten wird man diesen Bildern schwerlich ihren Reiz absprechen können und unsere Leser werden das mit Sicherheit ebenso sehen.“ „Genau, Friederike, du hast weiß Gott keinen Grund dich zu verstecken. Und auch unsere Wähler werden es gewiss honorieren, wenn ihnen klar wird, dass du eigentlich genau so bist wie sie – ein einfacher, netter Kumpeltyp – eben eine Frau wie du und ich.“ „Und außerdem kennst du ja das alte Sprichwort, mit Speck fängt man Mäuse und unter uns und jetzt mal ganz ehrlich: Was hast du denn den Wählern schon zu bieten? Den sofortigen Atomausstieg oder ein einfaches, niedriges und gerechtes Steuersystem? Also bitte.“ Friederike ist sprachlos und scheint nicht wirklich überzeugt.

„Also nun mach es uns doch bitte nicht so schwer. Die Sonne lacht, der Sommer ist da, die Kinder haben Schulferien und wenn nicht noch plötzlich eine Kuh vom Himmel fällt, herrscht hier in den nächsten Wochen wahlkampfmäßig und medial ohnehin tote Hose. Also stürze Dich entspannt ins Sommerloch! Nimm dir all deine Lieben und fliege mit ihnen in den Süden. Dank dieser Fotos musst du dir keine Sorgen machen, dass Du währenddessen daheim in Vergessenheit gerätst.“

Friederike schaut traurig in die Runde. „Und ich dachte, wir würden gemeinsam die Welt verändern.“ „Aber Friederike, genau das machen wir doch. Du wirst staunen, wenn du aus dem Urlaub kommst!“ Mit hängenden Schultern wendet sie sich ab. „Ich geh dann mal meine Koffer packen. Soll ich euch etwas mitbringen?“ „Schreib uns doch einfach eine Karte!“ „Ja, eine Karte wäre toll und wenn du wiederkommst, das versprechen wir, dann bist du wieder da!“

Unser Dank geht an alle Menschen, die die Kandidatur Friederike Hagens zur Köpenicker Bürgermeisterin mit ihrer Unterschrift unterstützt haben. Ob die Anzahl der Unterschriften zur Kandidatur tatsächlich ausreicht, ist bei Redaktionsschluss noch nicht ganz klar. Das Maulbeerblatt hält seine Leser über seine Website: mbbrelaunch.elf62.de und das soziale Netzwerk Facebook auf dem Laufenden


Sebastian Köpcke

Ein Beitrag von Sebastian Köpcke

Grafiker, Illustrator, Kuriositätensammler und Ausstellungsmacher. Geistiger Vater von Müggula, dem Biest aus dem Müggelsee, und anderen schlimmen Abscheulichkeiten. Zitat: „Nicht über unseren Köpcke hinweg.“