Sechs Fragen an Katalin Gennburg
Die direkt gewählte Treptow-Köpenicker Abgeordnete im Schnellcheck

Die missglückte Berlinwahl vom September 2021 wird wiederholt, dies ist nun amtlich. Wir haben die direkt gewählte Abgeordnete Katalin Gennburg nach ihrer Sicht auf die Dinge und ein Mood-Selfie zur Situation gefragt.
Die Gennburg mit lila Schirmmütze und erhobenen Zeigefinger
Selfie by Katalin Gennburg

 

1. Wie sehr von 1 – 10 nervt Dich die Wahlwiederholung und warum?
Eine solide fünf. Von der Geld-, Ressourcen- und Energieverschwendung einmal abgesehen, bewegt mich, dass der Noch-Bausenator Andreas Geisel zum Zeitpunkt der Wahlen Innensenator war und damit zuständig ist für das Debakel. Ich kritisiere den SPD Bausenator sonst ja vor allem wegen seiner Betonpolitik – weil er keine klare Kante gegen Spekulanten zeigt und immer wieder Politik gegen die Menschen und ihre Kieze macht. Jetzt ist aber glasklar, dass er als Pannensenator zurücktreten und Verantwortung für die Wahlprobleme übernehmen muss!

Wir haben als LINKE Berlinweit und im Bezirk vor und nach den Wahlen 2021 ohne Pause für eine gerechte und lebenswerte Stadt gestritten und als direkt gewählte Abgeordnete bin ich wöchentlich im Wahlkreis unterwegs und drehe jeden Stein um. Damit mache ich, machen wir, jetzt konsequent weiter mit mutiger Politik für soziale Gerechtigkeit und eine Stadt für alle – daran ändert auch eine Wahlwiederholung nichts.

2. Hast Du noch Wahlmaterial von 2021 übrig oder startest Du mit einem neuen Slogan?
Glück im Unglück – als Historikerin liegt mir das Sortieren und Archivieren im Blut und ja, wir haben noch Wahlmaterial gelagert aber auch seit dem Wahltag fleißig neue Materialien zu unseren Forderungen wie Gaspreisdeckel, Mietendeckel und Übergewinnsteuer gedruckt und die politische Arbeit auf der Straße und an den Haustüren geht bei uns nahtlos weiter. Ich bleibe bei meiner Forderung: „Mieten deckeln, Klima schützen“ – denn dies ist (leider) nach wie vor aktuell und wir haben hier noch viel zu tun, vor allem die konsequente Umsetzung des Berliner Bürger*innenwillens mit der Vergesellschaftung der Finanzmarktspekulanten von Deutsche Wohnen & Co.

3. Wie motivierst Du Dich, um zum zweiten Mal in das gleiche Rennen zu gehen?
Vor 20 Jahren habe ich angefangen Politik zu machen und brenne nach wie vor für soziale Gerechtigkeit, Umverteilung und mutige Politik zur Bewältigung der Alltagssorgen der ganz normalen Menschen und gegen den Ausverkauf der Stadt. Eine andere Welt ist möglich und dafür kämpfe ich zu allen Zeiten!

4. Laut rbb muss Berlin mit 39 Millionen Euro für die Wiederholung rechnen. An welcher Stelle könnte man diese Summe aus deiner Sicht besser einsetzen?
Dass eine Wahlwiederholung fast 40 Millionen Euro kostet und damit dreimal so viel wie ursprünglich, macht mich so sauer. Ich bin sauer auf die Wahlpannen, weil die Demokratie unverletzlich sein muss und so ein Desaster einfach nicht passieren darf. Ich bin sauer dass diese enorme Summe nicht in Schulen, ÖPNV oder beispielsweise kostenlose öffentliche Toiletten stadtweit fließt. Wichtig wäre es aber auch, dass jetzt die Bezirksverwaltungen wieder aufgepäppelt werden, damit Wahlen sicher und ohne Probleme durchgeführt werden können, denn wer die Wahlwiederholung fordert muss auch die Krise in den Verwaltungen benennen und diese wieder handlungsfähig machen.

5. Welche Energiesparmaßnahmen hast Du für den kommenden Winter bei Dir zu Hause geplant?
Ich finde diese Frage sehr schwierig und möchte darauf hinweisen, dass wir längst LINKE Antworten haben und mit Übergewinnsteuer, Gaspreisdeckel, Mietendeckel und Vermögenssteuer vor allem die kleinen Leute deutlich entlasten könnten. Dass die Bundesregierung aus SPD, GRÜNEN und FDP lieber Waschlappentipps gibt statt die Strom- und Gaskonzerne sozial zu steuern und zu rekommunalisieren ist sehr schlecht und lässt noch mehr Menschen unverschuldet verarmen. Dagegen müssen wir den sozialen Protest organisieren, denn es ginge anders wenn wir uns mit den Reichen und Mächtigen anlegen!

6. Bis zum voraussichtlichen Wahltermin aber erst recht danach bin ich hier erreichbar:
Ich komme gern zu den Menschen in die Kieze und in meinem offenen Wahlkampfteam machen viele Freiwillige mit – meld dich gern unter dieser Mailadresse und bin erreichbar bei meinen regelmäßigen Sprechstunden und unter meiner Büroadresse.


Matthias Vorbau
Ein Beitrag von

Medienzar ohne Presseausweis. Zitat: „Das Leben zwingt einen zu zahlreichen freiwilligen Entscheidungen.“