Die Borke lebt
Sonnenuntergang mit Happy End

Diverse Gerüchte um einen Verkauf oder die Bebauung des Geländes schossen ins Kraut und halten sich bis heute hartnäckig. Dabei sieht es für das legendäre Fleckchen Wiese direkt am Wasser nach einem Happy End aus.
Neue Bewirtschaftung in der Borkenbude am Müggelsee
Foto: Matti Fischer

Nach dem pandemiebedingten Lockdown werden in der Gastronomie vielerorts die Karten neu gemischt. Restaurants mussten in den letzten Monaten aufgeben, Personal hat sich umorientiert und ein kühles Feierabendbierchen war nirgends zu kriegen. Als auch die Borke ihre Pforten schloss, schien es Abschied nehmen für immer. Ein Großinvestor hat sich das komplette Areal einverleibt und pflastert auf das schöne Gelände ein Luxusresort – so hieß es. Doch das entspricht nicht ganz der Realität.

Seit Anfang Juni hat die Borke mit Jan Möhwald einen neuen Pächter, der mit seinem Team die Gäste fleißig mit Kaltgetränken vom Vintage-Schankwagen versorgt. Ein neuer Anblick ist dieser Ausschank für die Stammgäste allemal, schließlich wurden sie über lange Jahre in der kleinen Holzhütte bedient. Diese soll erhalten bleiben, jedoch steht vor einer Wiedereröffnung zunächst eine umfangreiche Sanierung der Innenräume an.

Dort soll bis zum Jahresende ein rustikales Restaurant namens „Fisch–Borke“ entstehen, welches ganzjährig geöffnet bleibt. „Wir setzen dabei langfristig auf eine überschaubare Auswahl an wechselnden Gerichten, die zu diesem Ort passen und preislich fair sein sollen“, erklärt Möhwald, der als Geschäftsführer der Kochzirkel Berlin GmbH ein alter Hase in der hiesigen Gastronomieszene ist.

Der gelernte Koch bringt sich bei der Konzeptionierung des Umbaus bis hin zum Ausschank selbst ins Tagesgeschäft mit ein und verliert dabei das Wohl der Gäste nie aus den Augen. Am wichtigsten sei dem neuen Pächter, dass die Atmosphäre erhalten bleibe und sich alle Besucher mindestens genauso wohlfühlen wie in alten Zeiten.

Die vorherigen Betreiber sind ebenfalls noch auf dem Gelände anzutreffen, wo sie weiterhin ihre Surf- und Segelschule unterhalten. Was die Chemie zwischen den alten und dem neuen Inhaber angeht, ist die Stimmung freundschaftlich entspannt. Gelegentlich steht man bei einem Kaffee zusammen, fachsimpelt über die Vergangenheit oder tauscht Erfahrungen aus.

Den Übergang nehmen die Gäste bislang eher vereinzelt wahr, obgleich viele neugierig nachfragen, wie und ob es denn nun weitergehe. Die Reaktionen auf die Antworten fallen durch die Bank weg positiv aus und reichen dabei von überraschtem Staunen bis hin zur bloßen Erleichterung, dass die Liegewiese mitsamt Bewirtung nun doch für jedermann/-frau erhalt bleibt.

Zwar gibt es derzeit lediglich an den Wochenenden etwas zu essen, Liegestühle sind nurmehr eine Handvoll am Strand zu finden und auch an anderen Stellen hapert es noch im Detail. Aber daran wird kontinuierlich gearbeitet. So entstand bereits ein kleiner Biergarten mit Blumenkästen und demnächst wird eine unfiltrierte Kellerbier–Spezialität einer kleinen Privatmanufaktur vom Fass das Angebot bereichern.

Beim Comeback der Borke bleibt oberste Prämisse, dass das charmante Flair des Platzes nicht verloren geht. Tagesausflügler wie Einheimische sollen weiterhin die Natur mit dem Ausblick auf den Müggelsee genießen und bei gelockerter Stimmung ausspannen können. Geheimtipp und Höhepunkt bleibt natürlich der malerische Sonnenuntergang, von dem nicht wenige behaupten, er sei der schönste in ganz Berlin.