Ein Maulbeerveteran erzählt vom Gestern und Morgen

Ganz unter uns – aber es ist ja ein offenes Geheimnis: Deinen Erfolg hast Du allein dem Maulbeerblatt zu verdanken, das dieser Tage seine 100. Ausgabe feiert. Kais Kleine Köpenickkolumne machte Dich im ganzen Bezirk schlagartig bekannt, Deine Schimpftiraden waren berühmt-berüchtigt und Dein Chefredakteur musste so manchen juristischen Strauß für Dich ausfechten. Wie sind Deine Erinnerungen an die Zeit vor zehn Jahren? Was war in Deinen Augen der Höhepunkt als Maulbeerchefkolumnist?
Natürlich ist für mich die Kaperausgabe der Höhepunkt meiner Kolumnen-Zeit gewesen. In meiner Erinnerung allerdings habt ihr mich damals schon so ein bisschen aus dem warmen Maulbeer-Bett gestoßen. Denn da gab es ja dann plötzlich diesen anderen Köpenicker Lokalfuzzi, der auch ’n einsilbigen Namen hat und schreibt und in einer ziemlich populären Boyband den Ton angibt. Außerdem kann er besser malen als ich und hat wahrscheinlich insgesamt weniger Widerworte als ich gegeben und hielt sich an die Deadlines. Aber das waren meiner Meinung nach alles nur vorgeschobene Argumente, um mich loszuwerden! Ich denke, ihr hattet Angst vor meinem Output! – Und den Gerichtskosten!

Kai Lüftner und das Maulbeerblatt: Zusammen ward Ihr unschlagbar. Wie kam es damals zu Deinem Bruch mit dem beliebtesten Magazin des Berliner Südostens? Gerüchten zufolge hatte man Dich tagelang im Redaktionskeller eingesperrt, um eine Schreibblockade zu kurieren. War das der Grund? Hat es geholfen?
Nein, es war eine Entscheidung gegen die ganz große Karriere und für meinen Weg als eigenbrötlerischer Querkopf. All die Gerüchte stimmen. Stimmen nicht. Stimmen. In meinem Kopf. Na, du weißt schon!

Andere Quellen behaupten, Du wolltest in einer Nacht- und Nebelaktion den Chefredakteur wegputschen, um endlich den Dir Deiner Meinung nach rechtmäßig zustehenden Platz von 48 Seiten im Heft zu bekommen und ganz nebenbei den Dir lästigen Redaktionsschluss bis nach Drucklegung, zu verschieben.
Was wäre das MB ohne MV? Niemals wollte oder würde ich gegen ihn putschen. Einer muss ja die Drecksarbeit machen und das Magazin mit fadenscheinigen, oberflächlichen Inhalten füllen, damit nicht auffällt, wie sehr es eigentlich ein Werbeschmierblatt für meine Produkte und Projekte ist! Und PS: Mit Druck kann ich sehr gut umgehen. Sonst wäre ich nich verheiratet!

Aber schauen wir nicht zurück – schauen wir nach vorn: Du bist Rotz`N`Roll-Star geworden und hast eine beachtliche Karriere hingelegt: Rotz`N`Roll Radio geht in die dritte Runde!
Ja, das stimmt. Wobei sich für mich dieses Album wie das erste anfühlt. Oder wie das dritte erste. Wie das Richtige. Keine Ahnung, irgendwie anders eben. Das liegt an der Art und Weise, wie es entstehen wird, aber auch daran, wie ich mich im Moment dabei fühle. Die ersten beiden Alben entstanden nebenbei, haben mich quasi komplett überrollt und wurden erst step by step vom Neben- zum Hauptprodukt. Und heute, jetzt, gerade ist es so: Ich mache genau das, was ich machen will, mit den Menschen, die ich gern dabei hätte. Mal schauen was kommt. Auch hier empfinde ich wieder einen Druck, aber vor allem empfinde ich bedingungslos Bock auf alles, was damit zusammenhängt!

Das Album hast Du mit Hilfe Deiner Fans per Crowdfunding finanziert. Welche Erfahrungen hast Du mit der Kampagne gemacht?
Ich glaube, dass diese Art der Fan-Einbindung, der Nähe zum Konsumenten, der direkten Verknüpfung von Künstler und Community extremes Potential hat. Sie erwartet auch einiges mehr von einem, viel über die eigentliche Kunst hinaus, aber sie bietet eben auch viel mehr. Es ist zu früh, um ein Fazit zu ziehen, aber es ist gerade richtig um zu sagen: Bis hierher war alles gut so. Und ich kann nur jedem, der schreibend, musizierend, gestaltend, künstlerisch tätig ist empfehlen, diese Option zu bedenken. Es ist extrem anachronistisch und vor allem unbefriedigend, mit Strukturen zusammenzuarbeiten, die nicht deine Verwirklichung als Kreativer oder deine Rechte als Urheber, sondern ihre eigene Gewinnmaximierung als Primärziel verfolgen. Das soll und wird kein Rundumschlag gegen alle und jeden im Verlags- oder Label-Business sein, aber es ist eben sehr komplex.

Wie man hört, schleifst und feilst Du noch an den Songs für das Rotz`N`Roll III und hast Dich dafür in den kleinen Musiksalon deines Mecklenburger Landsitzes zurückgezogen. Wie kommst Du voran? Wenn es irgendwo klemmt, hilft Dir gern unsere Lektoratsabteilung weiter. Es wäre uns eine Ehre.
Stimmt in Teilen: Bin mittendrin und es klemmt nirgends. Wofür ich ’ne Lektoratsabteilung bräuchte, fällt mir nicht ein. Aber ich komme ggf. drauf zurück! Mein CD-Motto lautet: Keep it simple, make it fett! Und so wird’s auch werden! Der optische Soundtrack ist die unvergleichliche Idylle der Feldberger Seenlandschaft! Kleiner persönlicher Nachtrag: Ich liebe euch. Echt, ihr seid wirklich eines der tollsten und schönsten Magazine Berlins. Ach was, DAS tollste.
(So und jetzt macht die Werbung schön fett!)

 

VORVERKAUFSSTART
Kinder-OpenAir in der Kindl-Bühne Wuhlheide
Kai Lüftners grosse Rotz`N`Roll Radio ShowTickets gibt es an allen Vorverkaufsstellen und im Online Ticketshop des FEZ-Berlin
Am 28. Mai 2017 präsentieren das FEZ-Berlin und das Deutsche Kinderhilfswerk zum bevorstehenden Kindertag und zum 25-jährigen Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland das Kinder Openair in der Kindl-Bühne Wuhlheide mit der grossen Rotz´N`Roll Radio Show.

 

Foto: Wiebke Lüftner


Matthias Vorbau

Ein Beitrag von Matthias Vorbau

Matthias Vorbau nennt sich Chefredakteur des Maulbeerblattes. Eigentlich ist er Kommunikationsdesigner mit Diplom. Zitat: "Das Leben zwingt einen zu zahlreichen freiwilligen Entscheidungen."