Kietzspaziergang in Spananien

Für Dirk, weil der es wissen wollte…

Eigentlich bevorzuge ich es, meine Ferien in deutschen Gefilden zu verbringen. Man muss nicht blödsinnig durch die Gegend fliegen, versteht und wird verstanden, bekommt auf den Teller, was auf der Karte steht und muss nicht um sein Wechselgeld feilschen. Diesen und andere Vorteile bekommt man gratis und weil Deutschland mittlerweile das Billiglohnland Nr. 1 in Europa ist, freuen sich Kellner, Portier, Schuhputzer und Zimmerservice noch über einen Euro Tipp. Anderswo ist doch die Mark nur noch 5 Pfennig wert.

Aber weil es der Herr Wettergott nicht immer sonderlich gut mit uns meint, uns die letzten Jahre Dauerregen und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt bescherte, (den wähl ich im September nicht, die Sau, der ist doch bestimmt von die CDU), müssen Alternativen her. Letzerdings fiel mir ja noch Reisebüro Micha Ballack inn` Internet ein. Ok, jetzt weiß Obama auch, wohin die Reise ging, aber fraglich bleibt, in wie weit ihn das interessiert und ob mich das wirklich mit Al Kai-da in Verbindung bringt.

Jedenfalls gab die Urlaubskasse dieses Jahr einen kleinen Spielraum frei, was auch Besserverdienern nicht immer vergönnt ist, und so stand Spanien auf der Speisekarte, Costa Daurada, All inclusive mit allem Chikago, Flug mit 3 Sterne, Mietwagen und Mautgebühr, alles für lächerliche 1500, da lacht das Herz des Schnäppchenjägers. Mit dem Taxi geht’s auf nach Tegel, was für ein herrlicher Provinzstadt-Flughafen. Sicherheitskontrolle mit alles raus aus den Hosentaschen und Schritt fassen. Warum müssen die Männer immer zu den Männern und die Frauen zu den Frauen? Warum müssen alle Lufthansa- Stewarts schwul sein? Na ja, warum auch nicht.

Anflug malerisch vom Mittelmeer aus, Landung 2 Stunden später in Barrtzelohna. Schön im Bayerntrikot. BCN, um in der Sprache unserer Zeit zu bleiben, hat 2 Terminals. Von T1 zu T2 braucht der Shuttle- Bus ca. 15 min und jedes Terminal ist in etwa so groß wie 2x BER und 4 Fußballfelder. Braucht ihr nicht nachprüfen, das stimmt schon. Das Hotel ist eine malerische Bettenburg mit 5 Etagen. Jede hat 16 Zimmer. Das Ganze symmetrisch im Karrée, also mal 4 nach Adam Riese, ergibt reichlich Urlauber. Davon sind 3 Familien spanisch; 7 englisch; 13 aus Holland oder Belgien. Von Teutonengrill ist keine Rede mehr. Jetzt bilden die Russen eine stabile 2/3 Mehrheit. Eine sehr solvente Klientel. Die bezahlen selbst die Klofrau mit einem Hunderter und lassen sich auf Heller und Pfennig rausgeben. Wir sind Exoten und finden wenig Beachtung. Mir soll´s recht sein.

Am Buffet beim HappaHappa zeigen sich die Nachteile der russischen Dominanz. Wenn´s ums Futter geht, dann benimmt sich der Bär wie Iwan der Schreckliche. Haben die noch nicht begriffen, das Stalin schon tot ist und das es jetzt genug für alle gibt? Aber vor den Genuss hat der Herr bekanntlich den Schweiß gestellt und so kämpfen wir um die guten Bissen.

Der Strand ist wahrlich nicht weit entfernt. Endlich Badefreuden ohne Ende. Volle Möhre rein ins Spaghettiwasser. Luft 31 und Wasser 27, das ist es, was ich die letzten Jahre so vermisst hatte.

Wir machen Ausflüge nach Tarragona und Barcelona. Schöne Städte haben die stolzen Katalanen. Auch die Römer der Antike wussten die Vorzügen der Iberischen Halbinsel zu schätzen und hinterließen reichlich Spuren, denen zu folgen man nicht müde wird. Viele junge Leute sind arbeitslos. Könnte ich mir bei dem Wetter auch gut vorstellen. Die Straßen von Barcelona wimmeln nur so von Straßenkünstlern und -musikern. Merkel würden die wohl nicht wählen. Eher schon Putin, den lupenreinen Demokraten.

Wenn wir nicht unterwegs sind oder am Strand, hängen wir am Pool ab. Die Russen spielen Bingo mit Leidenschaft. „Am Sack von Udo“ dröhnt mindestens 100x täglich aus den Boxen der Hotel- Disko. Der Russe tanzt, animiert von 2 scharfen Schnitten der hauseigenen Animation.

Nach 14 Tagen ist der Spaß vorüber und der Condor bringt uns heil zurück nach TXL. Mir graut mehr als vor dem Flug die Taxifahrt nach Haus. Die Stewardess lispelt. Wer weiß, wie häufig der Buchstabe S in den safety instructions vorkommt, der kann sich vorstellen, wie lange die 200 Flugpassagiere kichern. Nach einem schönen Anflug durch Pankow und Hohenschöngrünkohl landen wir unsanft in Tegel. Im Jahrhundertsommer. Nächstes Jahr bleiben wir wieder in Deutschland, damit es wieder regnet hier. Ist doch besser für die Pflanzen, oder?

 


Holger Claaßen
Ein Beitrag von

Berliner Schnauze. Professioneller Spaziergänger, der seine Streifzüge auch als Taxifahrer unternimmt. Ist mit sämtlichen Kiezgrößen bekannt und selbstverständlich EISERN. Motto: „Watt isn los Mausebeen?“ (Zum Chefredakteur)


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