Unter neuen Menschen
Zur Geschichte des DEFA-Actionstreifens „Die Glatzkopfbande“

Es ist das Jahr 1961. Die DDR wird in wenigen Tagen in Berlin den Zugang zu den West-Sektoren abriegeln. Im Bierzelt „Rakete“ auf dem Ostsee-Zeltplatz Bansin herrscht jedoch Partystimmung. Jugendliche spielen Gitarre, saufen sich die Hucke voll und tanzen Rock 'n' Roll.
Unter ihnen: fünf Gestalten mit geschorenem Kopf. Wie Westernheld Yul Brunner sehen die aus - und halten das für einen guten Jux.
Die Glatzkopfbande im DEFA Film
Foto: Aus dem DEFA-Filmprospekt

Für den Wirt ist das nichts anderes als „westliche Unkultur“. Es wird ihm zu bunt. Er alarmiert die Genossen der Volkspolizei. Als die Jugendlichen abgeführt werden sollen, umstellen prompt einige hundert Camper die VP-Wache und machen ihrem Unmut Luft:

„Kartoffeln könnt ihr nicht liefern, aber die Leute einsperren!“

Die Polizei ist nicht mehr Herr der Lage. Mit einem Einsatzkommando der VP kommt für den kleinen Aufruhr das knüppeldicke Ende: erst gibt’s auf die Nase und für elf der jungen Männer geht es ab in den Bau.

Und zwar richtig. Sieben von ihnen wird Landfriedensbruch zur Last gelegt, den anderen vier „staatsgefährdende Gewaltakte“. Dem „Beispiel der faschistischen Provokation vom 17. Juni 1953“ folgend, sollen sie laut Anklage mit Terror und Morddrohungen einen Putsch angezettelt haben. Ein Staatsverbrechen wird konstruiert, zwei Schauprozesse inszeniert. Die jungen Leute werden zu insgesamt mehr als 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.


War das der neue Mensch?

Sah so die „sozialistische Persönlichkeit“ aus? So viel Mühe hatte man sich seit Jahren gegeben, den Menschen „der sozialistischen Gesellschaft“ zu formen. Elternhaus und Schule taten gemeinsam. Vorgesetzte und Kollegen am Arbeitsplatz, Freunde und Bekannte. Mach mit! Mach’s nach. Mach’s besser. Alle!

Die Pädagogen waren eingenordet. Und den Kunstschaffenden, wie Dichter und Maler, Filmemacher und Musiker genannt wurden, schrieb Walter Ulbricht, der Chef der Staatspartei, ins Stammbuch, sie sollten das Bild „des neuen Menschen mit seinen Problemen und Konflikten, mit seiner Schönheit und Würde“ beschreiben und malen, filmen und besingen. Und die Arbeiter selbst, sie wollten „das moralische Antlitz des neuen Menschen“ in den Büchern lesen und in den Filmen sehen – schenkt man Leserbriefen jeder Tage Glauben.


Die sozialistische Persönlichkeit

Der neue Mensch, die sozialistische Persönlichkeit sollte sich auszeichnen durch vielseitiges Wissen und Können, arbeitsam sein, ein ausgeprägtes sozialistisches Bewusstsein besitzen, sich stets diszipliniert und nach sozialistischer Moral verhalten. Für all diese großen Aufgaben stellte Walter Ulbricht im Juli 1958 auf dem 5. Parteitag der SED den Menschen in der DDR die „Zehn Gebote der sozialistischen Moral“, die Norm der sozialistischen Persönlichkeit hilfreich zur Seite: Du sollst Dein Vaterland lieben und … Deine ganze Kraft … für die Verteidigung der Arbeiter- und Bauernmacht einzusetzen. Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen und Du sollst das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen. (Jawohl!)

Aber irgendwie schien all das den jungen Leuten, die im Sommer 1961 über den Zeltplatz von Bansin wie ein Unwetter hinweggefegt waren, niemand gesagt zu haben.


Jugendkriminalität in der DDR

Schauen wir uns also einmal um und fragen nach, wie es so gewesen sein soll in Springers Gänsefüßchenland, der kleinen „DDR“. Dort will die sozialistische Gesellschaft zwischen Elb- und Oderstrand sich mit Kriminalität nicht abfinden.

Denn eine sozialistische Gesellschaft nach den Lehren von Marx, Engels und Lenin – und das wurde ausdrücklich betont, will den Menschen so verändern, dass es letztlich zu keiner Kriminalität mehr kommt, denn: „Die menschenfeindliche sozialökonomische Grundstruktur des Kapitalismus“ als Wurzel aller Kriminalität wird im Sozialismus beseitigt.

Doch weil der Sozialismus nur eine Etappe auf dem Weg in den Kommunismus ist – wie Marx erklärte -, ist dieser Sozialismus „noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Gesellschaft“. Damit meint er die Kriminalität. Und das bemerkten auch die Genossen in der DDR zur Genüge – und sahen es vor allem an ihren Jugendlichen.

Soweit es die Entwicklung der Allgemeinkriminalität betraf, tröstete sich die Parteiführung bis zum Mauerbau mit der Theorie, nach der die Kriminalität in der DDR ein Relikt der alten, kapitalistischen Gesellschaft sei, fortlebend in den Menschen, die zuvor ihre Prägung durch diese überholte Gesellschaftsformation erhalten hatten. Zudem hätten die offene Grenze und der „Eiterherd“ West-Berlin die innere Entwicklung der DDR maßgeblich – und zwar negativ – beeinflusst.


Zunahme der „Bereicherungskriminalität“

Nach dem Mauerbau im August 1961 hatte sich die Jugendkriminalität jedoch keinesfalls verringert. Im Gegenteil: Zum Entsetzen der DDR-Führung schnellten die Deliktzahlen bei den unter 25-Jährigen an. Eine dominierende Rolle innerhalb des Komplexes der Jugendkriminalität spielte Anfang der 60er Jahre vor allem die so genannte „Bereicherungskriminalität“, die etwa 60 Prozent der gesamten Jugendkriminalität ausmachte. Im Jahr 1963 lag die „Belastungsziffer je 100.000 Jugendliche … im Bereich von Diebstahl und Unterschlagung bei den 14- bis 18-Jährigen“ bei 847 Straftaten.

Die Bezirksverwaltung der Deutschen Volkspolizei in Leipzig kam im August 1962 zu der Einschätzung: „Der Anstieg der Staatsverbrechen sowie Verstöße gegen das Passgesetz hat eine wesentliche Ursache darin, daß ein Teil der Jugendlichen noch immer der ideologischen Beeinflussung des Westens unterliegt.

In der Straf- und Einleitungspraxis durch die Volkspolizei und Staatsanwaltschaft hat sich in steigendem Maße eine Differenzierung bei Tätern durchgesetzt. Konsequente Maßnahmen werden gegenüber den einzelnen Rädelsführern bzw. Hauptverantwortlichen für die Begehung strafbarer Handlungen ergriffen. In nicht wenigen Fällen verbringen Jugendliche ihre Freizeit in Gaststätten und begehen unter dem Einfluß von Alkohol strafbare Handlungen …, (während) Rowdytum und organisiertes Bandenwesen wie es noch in den Jahren 1960 und 1961 zu verzeichnen war, jetzt nicht mehr so massiv auftritt.

Es zeigt sich z.B. in Sachbeschädigungen oder auch einzelnen gewaltsamen Körperverletzungen und Notzuchtsverbrechen. So bestanden im Bezirk Leipzig im Berichtszeitraum 34 solcher Gruppierungen mit 150 Angehörigen, die durch die aufklärende Tätigkeit der Volkspolizei in Zusammenarbeit mit den staatlichen und gesellschaftlichen Organisationen aufgelöst werden konnten.“

Mit 139 021 festgestellten Straftaten (806 je 100 000 Bewohner) hatte die Kriminalität 1960 ihren seit Gründung der DDR bisher niedrigsten Stand erreicht. Für die drei folgenden Jahre musste ein Anwachsen der Kriminalität auf 867 Straftaten je 100 000 Einwohner im Jahre 1961 und auf 956 im Jahre 1963 eingestanden werden.


Ein DEFA-Film erzählt

Die sozialistische Gesellschaft war also aufgefordert, dem entgegenzuwirken. Und „die sozialistische Nationalkultur gehört zu den Grundlagen der sozialistischen Gesellschaft. Die Deutsche Demokratische Republik fördert und schützt die sozialistische Kultur … Das künstlerische Schaffen beruht auf einer engen Verbindung der Kulturschaffenden mit dem Leben des Volkes.“

So stand es in der Verfassung der DDR und so taten die Filmkünstler der DEFA und zeigten ihr Bild vom Leben im Land. Als einen Beitrag dazu bringt der Regisseur Richard Groschopp im Jahr 1963 in die Kinos der DDR seinen „nach authentischen Ereignissen frei gestaltete(n) Film, in teilweise expressionistischem Dekor, der seine erzieherischen Absichten unverhohlen vorträgt und die Rowdys als Mitglieder einer schlampigen Maurerbrigade ausweist: „Die Glatzkopfbande“!


Die Filmfiktion

Es sind nur wenige Tage, bevor in Berlin die Mauer gebaut wird. Noch ahnt niemand etwas davon. Aber auf einer anderen Baustelle im Land stürzt ein Neubau zusammen, zwei Menschen kommen dabei ums Leben. Leutnant der K Czernik stellt fest, dass „Schluderarbeit“ das Unglück verursacht hat.

Die Schuldigen sind nur mühsam ausfindig zu machen. Einer der Übeltäter ist Gastarbeiter aus Westberlin. Seine rauhen Kumpel nennen ihn: King. Das ist amerikanisch und schon mal sehr verdächtig. Und King ist Anführer einer Gruppe junger Männer, die am Ostseestrand wochenlang ihr Unwesen treiben.

Auf Kosten friedlicher Urlauber amüsieren sich die Halunken und tyrannisieren die Gäste eines Zeltplatzes. Und sie geben sich und ihre Vorbilder zu erkennen: Ganz wie der dekadente Kinoheld made in Hollywood, Yul Brunner, haben sie sich Glatzen scheren lassen. Im Bierzelt tanzen sie dann Rock ‘n’ Roll und singen wilde Lieder. Westschlager versteht sich.

Und obendrein schrauben sie Reifenventile aus den Autorädern. Nun muss die Polizei herbei. Die Situation eskaliert. Es kommt zur Randale. Die „Glatzkopfbande“ wird in den folgenden Tagen immer brutaler. Doch Leutnant der K Czernik und sein Schäferhund spüren den Verbrechern nach und kommen ihnen auf die Schliche. Da plant King, über die Grenze in den Goldenen Westen zu fliehen. Aber die Staatsmacht kommt ihm und seiner Kamarilla loser Gesellen zuvor und bringt sie allesamt zur Strecke. – –


Marketing und Action für „Die Glatzkopfbande“

Als „Die Glatzkopfbande“ im Februar 1963 in die Kinos der DDR kommt, wird sie unterstützt von einem propagandistischen Marketingfeuerwerk. Die Kulturfunktionäre buhlen mit Actionszenen um die Gunst der Kinobesucher und machen wie nebenbei den Film zu einer nachträglichen Rechtfertigung des Mauerbaus.

Dabei wollten die Filmemacher ursprünglich nichts weiter, als einen Krimi auf die Kinoleinwand bringen. Bei der Recherche nach einem Gegenstand dafür waren die DEFA-Autoren Carl Andriessen und Lothar Creutz in der Presse auf den Fall von Bansin auf Usedom gestoßen.


Innenministerium und Parteiführung äußern besonderes Interesse

Ein Gespräch mit der Presseabteilung des Ministeriums des Inneren ergab, dass die Parteiführung besonderes Interesse an einem Film über diesen Stoff hätte, vorausgesetzt er jene derzeit größten Sorgen der Kriminalpolizei aufgreifen würde wie die Jugendkriminalität, namentlich das „Rowdytum“, ferner Delikte in der Landwirtschaft und in der Bauindustrie. Im Gegenzug konnte den Autoren umfänglicher Einblick in die Ermittlungsakten gewährt werden.

Die Ausgabe des Februarhefts der Zeitschrift „Filmspiegel“ lässt 1963 keinen Zweifel am Vorhaben der beteiligten Filmleute und Funktionäre:

„Wichtig erschien uns, die Bandenmoral anzudeuten, der diese labilen Jungs unterliegen: In der Horde sich ungeheuer stark fühlend, pochend auf eine falschverstandene Kameradschaft. Einzeln wurden sie dann kleinlaut und feige“,

sagt der Regisseur. Und Filmautor Lothar Creutz setzte seinen “„Helden“ einige erfundene Missetaten ins Drehbuch: dass “die Bande“ sich gut kannte, vor dem Ostseetrip auf Baustellen gepfuscht hatte oder dass der Chef der Bande ein Ex-Fremdenlegionär war. Der Film soll eine Botschaft sein.


Realität und Fiktion eng verwoben

Neben dem Beitrag im „Filmspiegel“ wird ein Foto vom realen Strafprozess abgedruckt. Der reale Vorfall, auf den sich der Film beruft, sah jedoch gänzlich anders aus, als er auf der Kinoleinwand dann zu sehen ist. Und zwar ungefähr so:

Ende Juli 1961 zelten neun Jugendliche aus Neuenhagen und Berlin auf einem Campingplatz an der Ostsee zwischen Ückeritz und Bansin. Aus Jux und Laune, aber ohne tiefere Absicht, lassen sich fünf der Jugendlichen – einer ihrer Gruppe ist Eleve des Friseurhandwerks – eine Glatze rasieren. Am Abend des 1. August kommt es in einem Bierzelt zum Eklat.

„Wir waren angetrunken, haben Rock ‘n’ Roll getanzt und Sprüche geklopft“,

erinnert sich einer der Beteiligten später. Dort lernt die Gruppe einen Studenten der Freien Universität Westberlin kennen. Ein große Verabredung und einen lang gehegten Plan zur Revolte, geschweige einen vom Westen gesteuerten, gab es nicht.


Was wirklich geschah

Das Bierzelt schloss früh, war total überfüllt, genauso wie der nahe gelegene Zeltplatz. Ständig kam es abends zu kleineren Reibereien zwischen jugendlichen Gästen. An diesem Abend wurde nun ein Junge durch die Volkspolizei festgenommen, was jedoch einen Massenauflauf an der Polizeiwache verursachte. Offenbar war das zu viel für die Ordnungsmacht. Polizisten nahmen später 80 junge Camper in Verwahrung, die zuvor ihre Wut über die katastrophale Versorgungssituation in lautstarkem Protest entladen hatten.

Es ist die einzig authentische Szene der Geschichte, die im Film erzählt, doch wiederum anders geendet wird, als es in der Wirklichkeit geschah. Keiner der Jugendlichen schlug auf Personen ein und eine organisierte „Bande“ von Glatzköpfigen, die wochenlang Zeltplätze in der DDR, wie es im „Filmspiegel“ heißt, terrorisiert, hat es nicht gegeben. „Die Glatzkopfbande“, wie sie im Film dargestellt wird, ist also bis auf wenige Ausnahmen eine durchweg konstruierte Geschichte.

 

Was die Leute aber seinerzeit nicht vom Gang in die Kinos und einem Besuch bei der „Glatzkopfbande“ abhielt. Im Gegenteil brachte es der Streifen in fünf Jahren Laufzeit in den Kinos der DDR auf rekordverdächtige 2,2 Mio. Besucher. Bei den Kritikern hielten Pro und Contra sich die Waage. Das „Neue Deutschland“ lehnte das Opus vehement ab, worauf der Ostberliner Staranwalt Friedrich Karl Kaul öffentlich in die Bresche sprang und „Die Glatzkopfbande“ verteidigte.


Unbeabsichtigte Wirkung bei Zuschauern

Ein erzürnter Leser der kulturpolitischen Wochenzeitung „Sonntag“ pestete dagegen, der Film sei nicht abschreckend, sondern rege einen Teil der Kinobesucher zur Nachahmung an:

„Die Bande hatte die volle Sympathie des Publikums, zumindest derer in Lederoljacken. Nach Schluß der Vorführung liefen die Kofferheulen mit voller Lautstärke, und Passanten ‘erfreuten’ sich einiger Anpöbeleien.“

Das hatte der Mann recht bemerkt, denn der Film erzeugte bei großen Teilen des Publikums bald das Gegenteil von dem, was die Funktionäre gewollt hatten. Entgegen aller Absicht sympathisierten viele Zuschauer mit den Glatzköpfigen, ihrer Aufmüpfigkeit und dem Rock ‘n’ Roll. Und manchen dienten die Kahlköpfe Piepel, Schnuppi, Stinker und Warze sogar als Vorbilder für ihr eigenes Leben.

Was der Film als unanständig und verachtenswert darstellen wollte – verdutzten erwachsenen Badegästen ihre Sandburgen am Strand zerlatschen und dann ordentlich einen Saufen gehen – war doch eine allemal gelungene Abwechslung im Alltag vom Blauhemdtragen und Fahnenappell. Im Jahr 1967 verschwand der Film stillschweigend aus dem Verleihprogrammen der DDR. Vielleicht ahmten zu viele Kinobesucher das Auftreten der Glatzkopfbande in Jeans, Lederjacken und auf Motorrädern nach. – –


Inszenierte Kriminalisierung mit Demonstrationswert

Eine inszenierte Kriminalisierung mit Demonstrationswert folgt den Ereignissen des Jahres 1961 am Strand von Bansin: Wie die Jungen im Film als gewissenlose Gangster und von Westberlin gesteuerte Randalierer in Szene gesetzt werden, so werden sie durch die Strafverfolgungsbehörden der DDR auch in der Wirklichkeit wie Schwerverbrecher behandelt – und zu langen Haftstrafen verurteilt.

Noch vor Ablauf des Jahres 1961 werden elf Beschuldigte im Zusammenhang mit den Vorfällen im Ostseebad Bansin und der später sogenannten „Glatzkopfbande“ zu vielen Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Schon am 10. August macht man sieben Angeklagten einen öffentlich inszenierten Schauprozess in Wolgast.

Die Angeklagten werden zu Gefängnisstrafen von bis zu 18 Monaten verurteilt. Vier Angeklagte erhalten im folgenden September in Rostock wegen „staatsgefährdender Gewaltakte und konterrevolutionärer Tätigkeit“ noch höhere Haftstrafen. Mancher der Verurteilten hatte sich bis dahin als unpolitischer Mensch gefühlt. Nun brachte der Abend im Bierzelt monatelange Haft in Bautzen.

Auch nach ihrer Haftentlassung sind die jungen Männer erheblichen Einschränkungen ausgesetzt, erhalten Studierverbote, dürfen gewünschte Berufsausbildungen nicht antreten. Einem Richter, dessen Beurteilung der Taten in den Augen der Funktionäre zu milde ausfällt, da er das Recht „nicht parteilich“ angewendet habe, wird, wie eine Regionalzeitung damals mitteilt, entlassen.


Weitere Folgen des Falles

Und die Folgen des Falls reichten weiter und treiben makabre Blüten: Noch im selben Jahr stehen zwei junge Christen vor einem DDR-Gericht. Auf einer Schifffahrt haben sie in einem vermeintlichen Scherz dem Dampferkapitän einen frechen Brief geschrieben. Der Captain versteht miss und deutet eine Parallele zur „Glatzkopfbande“. Die beiden Männer werden abgeurteilt und erhalten achtjährige Haftstrafen. – –

 

Der Film ist bis heute hin und wieder in den Kinos zu sehen und kann als DVD im Handel erworben werden. Auch die Stiftung Aufarbeitung hat sich um den Fall gekümmert und vor ein paar Jahren die Entstehung eines Dokumentarfilms mit dem Titel: „Revolte am Ostseestrand. Die wahre Geschichte der Glatzkopfbande“ unterstützt. Wer es sehen mag und jetzt noch lachen kann, dem sei gute Unterhaltung auch gewünscht.

Marcel Piethe
Ein Beitrag von

ist Historiker und Publizist. Er leitet die Agentur Zeitreisen – und wenn er Zeit hat, erkundet er mit www.videobustour.de die Welt. Zitat: „Man kann nicht alles wissen. Man muß nur wissen, wo es steht.“


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