Verkehrsgünstige Lage
Zwischen den S-Bahnhöfen Köpenick und Hirschgarten sollen auf 58 Hektar Fläche 1.700 Wohnungen entstehen

Schule statt Supermarkt, Wohnungen statt Brache: Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Köpenick soll ein komplett neues Wohnviertel entstehen. Auf der Brache nördlich und südlich der Gleise zwischen den S-Bahnhöfen Köpenick und Hirschgarten, wo Anfang der 1990er-Jahre der Güterbahnhof stillgelegt wurde und wo seitdem zwischen verfallenen Baracken und Brandruinen viel Grün wuchert, planen Senat und Bezirk rund 1.700 Wohnungen. Das heißt, dass dort einmal rund 5000 Menschen leben könnten. Geplant sind auch Gewerbehöfe, Schulen, Kitas und Freizeiteinrichtungen.
Der alte Güterbahnhof Köpenick
Foto: Matthias Erhardt

Der  ehemalige Güterbahnhof Köpenick ist eines von elf neuen Stadtquartieren in Berlin, in denen bis  zum Jahr 2030 insgesamt 37.000 neue Wohnungen gebaut werden sollen.

„Berlin wächst. Bis 2030 erwarten wir zirka 181.000 weitere Zuzügler in der Stadt.“

sagt Sabrina Böttcher von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Knapp 200.000 Wohnungen seien bis dahin notwendig.  Treptow-Köpenick spielt in den Senatsplänen eine große Rolle – verfügt doch der Südostbezirk über vergleichsweise viel Platz. Flächen für mehr als 13.000 Wohnungen, auf denen  bis zum Jahr 2020 gebaut werden kann, hat das Bezirksamt ausgemacht.

Und anders als in der Innenstadt, wo Baulücken knapp werden, geht es  Treptow-Köpenick nach der Devise „Klotzen, nicht Kleckern“ an. Hier wird gleich in Hunderter-Schritten geplant: Auf einer Brache am Eisenhutweg in Adlershof sollen 600 Wohnungen entstehen.

Auf dem Gelände des ehemaligen Funkwerks an der Wendenschlossstraße sind es ähnlich viele.  An der Grünauer Straße, wo früher am Dahmeufer ein Chemiewerk stand, werden bis zu 800 Wohnungen gebaut.

Ebenso viele sollen es auf dem ehemaligen Rewatex-Gelände in Spindlersfeld werden. Gut tausend neue Wohnungen sind auf der Brache des ehemaligen Kabelwerkes Köpenick an der Friedrichshagener Straße geplant. Das Gelände wurde jüngst vom Unternehmen Deutsche Wohnen erworben.

Platz für sogar noch mehr Wohnraum ist auf einem ehemaligen Gartenbaugelände in Wendenschloss. Das dortige, gut 16 Hektar große Grundstück in bester Wasserlage, ist gerade an einen neuen Investor verkauft worden. Im Bezirksamt hoffen sie, dass das Projekt Marienhain, das seit Jahren geplant wird, nicht zum Spekulationsobjekt verkommt.

In Berlin sollen inzwischen etwa 60 Prozent aller Immobiliengeschäfte ausschließlich der Wertsteigerung und damit der Profitmaximierung dienen: In diesen Fällen wird nicht gebaut, sondern immer neue Käufer warten ab, bis sie das Grundstück für noch mehr Geld weiterverkaufen können.


Gewerbe am Brandenburgplatz konzentriert

Auf  dem ehemaligen Güterbahnhof in der Dammvorstadt soll es ganz anders laufen. Auch was den Bewohner-Mix betrifft. Denn anders als bei vielen Projekten, bei denen vorrangig teure Eigentumswohnungen entstehen, sind hier moderate Mietpreise geplant.

„Unsere landeseigenen Wohnungsunternehmen sollen vor allem für bezahlbare Mieten sorgen.“

sagt Sabrina Böttcher. Für einen gesunden sozialen Mix will man auch  Genossenschaften und Baugruppen mit ins Boot holen.

Und weil nicht nur ein reines Wohnquartier entstehen soll, werde auch an Arbeitsplätze, Bildung und Freiräume gedacht. Eigens dafür wurde das Areal rund um den Brandenburgplatz ins neue Quartier mit einbezogen, so dass dieses jetzt statt wie ursprünglich geplant 53 nun 58 Hektar umfasst. Rund um den Brandenburgplatz und entlang der Seelenbinderstraße haben sich ja bereits viele  Betrieben angesiedelt: Autohäuser, Werkstätten, Malerfirmen, kleine Bauunternehmen, ein Fliesenhandel….

Die Gewerbemöglichkeiten sollen erweitert und rund um den Brandenburgplatz konzentriert werden. Für etliche Betriebe bedeutet dies, dass sie umziehen müssen. Und einige müssen auch ihre Grundstücke aufgeben.

Denn das Land Berlin muss sämtliche Grundstücke für das neue Quartier ankaufen. Dafür hat sich der Senat Anfang des Jahres ein entsprechendes Vorkaufsrecht gesichert. Die potenziellen Bauflächen befinden sich größtenteils im Eigentum des Bundeseisenbahnvermögens.

Aber auch private Eigentümer gibt es. Und die haben mitunter ganz andere Pläne als der Senat. So sollen dort, wo derzeit ein Netto-Markt steht,  zwei Schulen gebaut werden – eine Grund- und eine Oberschule. „Wir sind in Gesprächen mit dem Grundstückseigentümer, der den Netto dort erhalten will“, sagt Sabrina Böttcher von der Senatsverwaltung. Einzelhandel soll künftig aber am Brandenburgplatz angesiedelt werden, entlang einer neuen Straße, die vom Stellingdamm über eine neue Bahnbrücke zum Brandenburgplatz führen soll und für die auch mehrere Grundstücksteile angekauft werden müssen.

Man wolle sich grundsätzlich gütlich einigen und allen Beteiligten den aktuellen Verkehrswert bezahlen, heißt es in der Senatsverwaltung. Kaufangebote lägen allen Beteiligten vor. Auch für „ländliches Wohnen“, das nördlich der der Bahntrasse in Form kleinteiliger Eigenheime geplant ist, sollen Grundstückseigner Teile ihrer Flächen verkaufen.

Südlich der Bahn, beginnend hinter dem Finanzamt, soll es baulich höher hinaus gehen. Dort sind Vier- bis Sechsgeschosser geplant. Wegen des Schallschutzes soll es eine Verglasung zwischen den Gebäuden geben, heißt es in der Senatsverwaltung.


Elsengrund-Siedlung bleibt unangetastet

Geplant war ursprünglich auch eine Nachverdichtung der denkmalgeschützten Elsengrund-Siedlung nördlich südlich der Bahntrasse. Das ist vom Tisch, die Siedlung wird nicht angetastet. Spannend wird die Entwicklung auf dem ehemaligen Gaswerk am Stellingdamm werden. Dort sollen eine Grundschule und ein Kieztreff für die Bewohner entstehen. Vielleicht auch eine Kita.

Eine weitere Kita und eine Senioreneinrichtung sind in Richtung Hirschgarten geplant. Dort, wo sich in den vergangenen Jahren ein Biotop mit seltenen Tieren und Pflanzen entwickelt hat, soll es großräumig grün bleiben, einzig Spielplätze könnten dort untergebracht werden.

Direkt am Bahnhof Köpenick, der auf der südlichen Seite durch einen Regionalbahnhof erweitert werden soll, sind aus Lärmschutzgründen keine Wohnungen geplant. Das hatte zwar vor einigen Jahren ein Investor vor, doch wurden dessen Pläne im Bezirk abgelehnt. Jetzt  sollen dort Dienstleistungsangebote und ein so genanntes Mobilitätszentrum entstehen: Parkmöglichkeiten für Fahrräder, Carsharing-Angebote, Aufladestationen für Elektroautos… Auch beim Thema Mobiliät ist man bei der Planung der Gegenwart ein Stück voraus.

Und weil das gesamte Gelände bislang wie eine Insel wirkt, bekommt es auch eine neue Erschließungsstraße. Die wird schon lange geplant, als Teil der Altstadtumfahrung. Die Straße soll insgesamt zweispurig werden und vom Stellingdamm über eine neue Bahnbrücke zum Brandenburgplatz führen.

Auch eine BVG-Buslinie soll dort fahren. Wann die Straße gebaut wird, ist jedoch ungewiss – der Bereich Verkehr gehört seit der jüngsten Berlin-Wahl nicht mehr zur Stadtentwicklungsverwaltung, sondern ist in Hand der Grünen.

Noch in diesem Jahr soll die konkrete Planung für das neue Stadtquartier beginnen. Der Baustart ist für 2022 geplant.  Vorher soll es noch Architektenwettbewerbe geben und man wolle mit den Anwohnern im Gespräch bleiben. Stadtplanung sei langfristig. Auch wenn die  neuen Wohnungen, Schulen, Kitas und anderen Einrichtungen dringend gebraucht würden, heißt es. Aber, so macht Sabrina Böttcher von der Stadtentwicklungsverwaltung deutlich: „Wir bauen erst, wenn die neue Straße wirklich kommt.“

Strukturplan Güterbahnhof

Bild- und Kartenmaterial: elf62.net

Karin Schmidl
Ein Beitrag von

diplomierte Journalistin mit Erfahrung. Nachrichten-Junkie. Weiß, wie Politik und Medien funktionieren. Bleibt trotzdem Optimistin. Verteidigt den Genitiv. Sucht die Geschichte hinter der Geschichte. Hält Entscheidungen im Kiez für essentiell für das Lebensgefühl. Motto: „Köpenick, du bist wunderschön!“


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