Gute Besserung!

Es war einmal eine kleine Gruppe von Himmelskörpern, wie es sie häufig im Universum gibt: Ein großer, stolzer, heller Stern, umkreist von einer Handvoll kleinerer und größerer Planeten. Es herrschte erhabene Stille und Kontinuität – der erstrebenswerteste Zustand im Universum. Doch dann geschah etwas schreckliches: Irgendwo auf dem dritten Planeten entstand ein winziges Molekül, dessen spezielle Beschaffenheit dazu führte, dass sich an beiden Enden immer mehr Atome aneinander reihten, bis es so lang war, dass es auseinander brach. So etwas passiert nur sehr, sehr selten, denn es bedarf unglaublich exakter Temperaturen und einer ganz speziellen chemischen Umgebung. Doch einmal in Gang gesetzt, ist dieser Prozess fast nicht mehr aufzuhalten. Die beiden Hälften wachsen, bis sie ebenfalls zerbrechen, und so weiter.

Man nennt es “Das Leben”. Es frisst die gesamte Materie in der Umgebung auf und verwandelt sie in “Organische Stoffe”. Nach und nach bilden sich verschiedene Formen und Varianten heraus, große, kleine, einfache und komplexe. Mit jeder Generation wird das Leben mächtiger, hartnäckiger. Bald spielen Temperatur und chemisches Milieu kaum noch eine Rolle, manche Formen werden immun gegen UV-Strahlung, manche nutzen sie sogar als Energiequelle, um noch stärker zu werden, manche strotzen extremer Kälte oder Hitze. Innerhalb kurzer Zeit ist der gesamte Planet von einer schleimigen, stinkenden Suppe umgeben, aus der groteske Gestalten ihre Krallen in den Himmel strecken. Es wimmelt, krabbelt, summt, wächst, gedeiht, stirbt, verfault, und hinterlässt riesige Mengen schwarzen organischen Abfalls.

Zwar können Eiszeiten oder Kometeneinschläge den Prozess kurzzeitig zum Stillstand bringen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis in diesem hochenergetischen Sondermüll wieder etwas zu wachsen beginnt. Doch unser kleiner kranker Planet hatte Glück: Er bekam eine gute Medizin verabreicht: Den Wahnsinn. Auch bekannt unter der Bezeichnung “Menschen”. Ein kleiner Defekt im Erbgut führt dazu, dass diese Lebensform beginnt, seltsame überflüssige Dinge zu tun, die sehr viel Energie verbrauchen – mehr, als Muskeln, Sonne, Wind oder Wasser liefern können. Der Mensch zerstört dabei alle anderen Lebensformen, die seinen wirren Projekten nicht direkt nutzen. Früher oder später entdeckt er, dass der besagte Sondermüll, die Leichen der vergangenen Lebensformen, unter der Erde zu l und Kohle geworden – Energie im berfluss liefern kann. Er gräbt, bohrt und saugt sich in die tiefsten Ritzen, um auch noch das letze Gramm dieser Substanzen verfeuern zu können. So säubert er den Planeten zunächst von den ganzen alten Verunreinigungen. Und wenn die alle weg sind, entwickelt er Methoden, um die aktuelle Biomasse auch noch in Energie zu verwandeln. Diese jedoch liefert vergleichsweise wenig davon, also wird mehr Nutzfläche benötigt. Die Vielfalt des Lebens – ein wichtiges Standbein seiner Macht – wird geopfert, um ölhaltige Lebensformen zu züchten und massenweise anzubauen. Ganze kosysteme sterben aus, der Nahrungsnachschub kollabiert. So beginnt der eigentliche Heilungsprozess. Ein Großteil der Menschen verhungert, damit der Rest genug Energie hat. Doch weil selbst bei schwindender Menschenzahl der Energiebedarf immer noch wächst, ist irgendwann alles Leben in reine Wärmeenergie umgewandelt. Und so wurde auch unsere kleine, kranke Erde gerettet. Alle Planeten feierten ein Freudenfest, als der letzte Mensch auf einer sonst sterilen Erde sich selbst als Treibstoff in seinem eigenen Auto verbrannte.

Herzlichen Glückwunsch!


Alf Ator
Ein Beitrag von

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“


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