wpid-alftlas_fmtmir ist durchaus bewusst, wie sehr ich Sie mit diesen Zeilen enttäuschen muss. Und bei dem Gedanken, dass die Auflagen und Werbeeinnahmen ihres Blattes in den Keller stürzen, wenn sich herumspricht, dass ALF ATOR eben doch nicht in jeder Ausgabe eine seiner beliebten Kolumnen veröffentlicht, zieht sich mein Herz zusammen, wie ein Igel beim Anblick eines Dinosauriers. Doch so sehr ich mir und Ihnen auch wünsche, dass es anders wäre: Ich bin hoffnungslos überfordert. Wie Sie ja bereits wissen, hat meine Band kürzlich der Menschheit ein neues Album geschenkt, welches einen so unglaublichen Raketenstart hinlegte, dass wir nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht.

Unsere Welttournee ist voll im Gange, und wenn ich mich nicht gerade auf riesigen Bühnen in die Herzen tausender nassgeschwitzter Teenager musiziere, hetze ich von Interview zu Interview, von Talkshow zu Talkshow, von Fotoshooting zu Fotoshooting oder muss Drehbücher lesen (in englisch!) für Filme, die mich gern in der Hauptrolle hätten. Alle wollen mich treffen, mit mir plaudern, meineHand schütteln, ein Autogramm erhaschen. Und in den wenigen freien Stunden, die mir bleiben, erwarten meine Frau und meine Freundinnen nebst ehelicher und unehelicher Kinder, dass ich nur für sie da bin. Manchmal glaube ich, dass ich einfach zu gut, zu erfolgreich bin. Und dass ein einzelner Mensch vielleicht nur ein begrenztes Maß an Ruhm verträgt. Was soll ich tun? Schlechter werden? Lieber eine schräge Comedykapelle mit versauten Texten gründen, die sich vor einer überschaubaren Meute von Eigenbrötlern verausgabt? Niemals! Nur noch flache Kolumnen schreiben, vollgestopft mit ermüdender Prahlerei und Selbstverliebtheit, damit sich nur noch unbedeutende Gratis-Lokalblättchen für mich interessieren? Niemals! Meinen Schönheitspegel reduzieren? Dicker werden? Mein sympathisches Gesicht mit einem bösen kleinen Bärtchen verschandeln, nur um das Doppelkinn zu kaschieren? Niemals! Manche meinen, ich tanze auf zu vielen Hochzeiten. Doch welche meiner Aktivitäten sollte ich einschränken? Auf welchem Gebiet sollte ich diejenigen enttäuschen, die abhängig sind von dem, was mein Gehirn hervorzaubert? Ach, wie gern würde ich mich verdoppeln oder gar verzehnfachen, um jedem Menschen die Portion ALF ATOR geben zu können, die er zum Überleben braucht. Doch der Reproduktionsapparat in meinem unterirdischen Labor ist noch in der Entwicklungsphase. Wir dürfen nichts überstürzen. Kürzlich erst erschufen meine Mitarbeiter versehentlich einen Hund, dem der Schwanz aus dem Maul hing.

Doch ich schweife ab. Sie sollen nur erfahren, dass es mir Leid tut. Vielleicht tröstet es Sie ja, wenn sie jetzt wissen, wen ich noch alles vertrösten musste. Im Anhang ist ein kleiner Schnappschuss von meinem 48-Stunden-Tag.

Mit freundlichen Grüßen

Alf


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“