henning_protzmann

Wenn es sich um frühe Meister am E-Bass dreht, dann fliegen einem gewöhnlich Namen wie Sting oder Paul Mc Cartney um die Ohren, oder vielleicht noch Jack Bruce von Cream, der letzten Monat verstarb.

Einen Pionier dieser Instrumentengattung treffe ich im Mauna Kea in der Bölschstraße zu einer netten Plauderei. Es ist der international anerkannte Meister seines Faches, den jeder in Friedrichshagen außer mir zu kennen scheint, der in Rahnsdorf lebende Bassist Henning Protzmann. Bei einem Milchkaffee und etwas Fachgesimpel erzählt er mir Geschichten aus seinem Musikerleben. Protzmann erblickte im Jahre 1946 in Radebeul das Licht der Welt, begann als 7 Jähriger mit Klavier, später Cello. Er studierte in Dresden und Berlin Musik E- und U-Musik. Als an seiner Hochschule eine spezielle Klasse für Jazz eröffnet wurde, fragte man ihn, ob er vom Cello an den Bass wechseln wolle. Von da an waren die vier dicken Saiten aus dem Leben des Herrn Protzmann nicht mehr weg zu denken, war er sogar der erste Besitzer eines E-Basses in der DDR. Nach Abschluss der Hochschule spielte er bei den Alexanders, gründete mit seinen Freunden Dreilich und Ed Swillms die Band Panta Rhei, DDR- Bands, die ganz in Geist der damaligen Zeit Rock, Blues, Soul- und Fusion-Jazz spielten.

Mit Panta Rhei kam es zu vielen Veröffentlichungen bei Amiga. Musikalisch spielte diese Band auf internationalem Spitzenniveau. Doch Protzmann wollte noch mehr Menschen mit seiner Musik erreichen und so gründete er die Band Karat, nach einigen Umbesetzungen folgten ihm Dreilich und Swillms. Mit Karat feierte er seine größten kommerziellen Erfolge, es gab sogar Goldene Schallplatten, man stürmte den Grand Prix, dessen Anspruch damals noch ein wenig viel höher war. Karat wurden ein echter Export-Schlager, der u.a. einem Rocker mit einer Klasse Vorlage zu einer großen Karriere verhalf. Und doch waren die 11 Jahre bei Karat nur ein kurzer Abschnitt in 50 Jahren auf den Bühnen des blauen Planeten. 1986 kam es zum Zerwürfnis mit Dreilich. Henning hing seinen Bass an den berühmten Nagel, kümmerte sich fortan um Nachwuchsbands. Was wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt für ewig galt, hielt zum Dank nur bis 1992 an. Protzmann griff fortan für die Band Lift in die vier Saiten. Engagements bei Manfred Krug und anderen namhaften Jazzern folgten. 1999 gründete er mit Zicke Schneider und Ulli Gumpert die Projekt-Band Jazzin`the Blues, bei dem sich die 3 auf den Beginn ihrer Karriere besannen. Manfred Krug, Uschi Brüning und und und … die Liste der Gastmusiker ist ein Who is Who der deutschen Jazz-Szene. Hennings Bassspiel ist alles, von ungezügelt virtuos über songdienlich bis fundamental melodiös, er kann es einfach und hat es auch nach 50 Jahren auf der Bühne kein bisschen verlernt.

Es gäbe viele junge Bassisten, so sagt er, die ein unheimliches Repertoire an Technik auf dem Instrument zu bieten hätten. Das wäre nicht sein Stil. Protzmann ist in erster Linie Musiker und dann Bassist und trotzdem ist er stolz auf seine Basslinien und auf das, was er als Musiker erreicht hat. Er hat sein Leben der Musik verschrieben, viel Fleiß und wenig Freizeit, denn von nüscht kommt nüscht. Ich hätte es überall in der Welt geschafft, weil ich es eben wollte, sagt Henning Protzmann. Das ist kein Eigenlob sondern Tatsache und er sagt es mit Überzeugung und frei von Arroganz. Mit Jazzin the Blues findet er nicht nur zurück zu seinen Wurzeln sondern sieht sich auch in der Verpflichtung, diese Musik, den Jazz, wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Seit einigen Jahren zieht Protzmann seine Veranstaltung Blue Summer Night durch und das vor der, für ihn schönsten Kulisse der Welt, dem Müggelsee. In diesem Sinne ergänzt er seine Veranstaltung mit der Blue Winter Night und das nicht nur für Kenner und Liebhaber des Jazz. Weihnachtslieder, die jeder kennt und die jeder mitsingen kann. Kompositionen von Bill Withers bis Bing Crosby und Oscar Peterson, toll arrangiert und auf internationalem Spitzenniveau. Auch hier steht wieder sein berühmter Satz im Fokus: Musizieren soll Spaß machen aber Zuhören auch.

Also, wir sehen uns im Dezember wenn es wieder heißt: Jazzin`the Blues!


Foto: Aus dem Privatarchiv von Henning Protzmann

Mehr Infos zur 2. BlueWinter-Night ist im Maulbeerveranstaltungskalender zu finden.


Holger Claaßen

Ein Beitrag von Holger Claaßen

Berliner Schnauze. Professioneller Spaziergänger, der seine Streifzüge auch als Taxifahrer unternimmt. Ist mit sämtlichen Kiezgrößen bekannt und selbstverständlich EISERN. Motto: „Watt isn los Mausebeen?“ (Zum Chefredakteur)